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Caféhaus-Gespräche

Leichte KORREKTUR
Springe: springe | Er saß draußen vor dem Cafe in eine rote Decke gehüllt hinter einem frisch gezapften Latte Macchiato, mitten im Februar, und grinste mich schon beim Ankommen an.
„Bist du eigentlich letztes Jahr „freigestellt“ oder „freigesetzt“ worden“, fragte er mich, ohne mir eine Chance zu einer Diskussion über die absurde Platzwahl zu lassen.“ Ich meine, als deine Firma diese „innerbetriebliche Umstrukturierung“ durchführte.“
„Die haben mich ENTLASSEN, auf die Straße gesetzt, rausgeschmissen, wenn du das meinst“, antwortete ich barsch. „Wieso muss ich eigentlich einem albernen, in eine rote Decke gehüllten alten Mann, der im Februar vor einem Cafe sitzt, solche blöden Fragen beantworten?“ Ich besorgte mir noch eine zweite Decke, bestellte einen Grog und setzte mich neben ihm in die Kälte.
„Weil ich heute Morgen Zeitung gelesen habe“, sagte Ludwig grinsend und legte seine Hand auf meinen Unterarm.“Nichts für ungut, mein Lieber, aber es ist schon bekloppt, was Politiker so für Ausdrücke erfinden, um ja nicht Farbe bekennen zu müssen. Bei Opel sollen demnächst 8000 Leute AUS DER PRODUKTION genommen werden. Ist doch irre oder? Die werden schlichtweg entlassen! Leiharbeit heißt jetzt übrigens ARBEITNEHMERÜBERLASSUNG, weil Leiharbeit so einen schlechten Ruf hat. Der Hammer, oder. Eine Firma ÜBERLÄSST einer anderen ihre Sklaven.“
Ich zuckte, nicht sehr beeindruckt, mit den Schultern und nahm meinen Grog in Empfang. „Bomben und Raketen heißen doch auch schon lange LETALE WAFFEN und wenn die eingesetzt werden und eine Schule treffen, dann ist das eben ein KOLLATERALSCHADEN. Hört sich doch gar nicht so schlimm an, oder? Die Worterfinder haben Hochkonjunktur. Da gibt’s keine Krise und außerdem verkaufen wir Deutschen doch sowieso nur non-letale Waffen in Krisengebiete. .“
Wir saßen einen Moment sinnierend vor unseren Getränken, als Gesine um die Ecke bog und an unseren Tisch kam. Nach der inzwischen üblichen Bussi-Orgie, setzte sie sich lächelnd auf den letzten freien Stuhl und erzählte uns, dass sie jetzt im SENIORENHEIM am Bürgerpark wohne. Das sei eine Super-Entscheidung gewesen, meinte sie, was Ludwig aber nur zu der leicht entsetzten Rückfrage „Was, - DU im Altenheim?“ animierte.“ Gibt’s da Krücken oder Gehhilfen?“
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Heike L. aus Springe | 24.02.2013 | 13:56  
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