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Sehnder Details - Haimar

  Sehnde: Haimar | Susanne Schumacher und Lars Schumacher vom OKOK Team sind in Haimar unterwegs. In der Friedhofstrasse werden wir auf eine riesige Holzskulptur aufmerksam und kommen mit dem Besitzer, Herrn Joachim Fischer, ins Gespräch. Wir sind von der Ortskenntnis und den Geschichten zum Dorf, die uns der junge Familienvater erzählt, beeindruckt. Von Ihm erfahren wir erstmals von dem bei Haimar gelegenen und untergegangenen Dorf Gilgen und von einer anderen Geschichte, die er uns erzählen wird, wenn wir einen Blick auf den Kirchturm haben.

Um 800 setzte die Besiedlung des Gebiets um Haimar mit fränkischen Kolonisten und der Zugehörigkeit zum Großen Freien ein. Mit dem Namen Heybere (1117), Heimbere (1160), Hembere (1259) oder Haimar (heute) ist immer das Dorf mit der wechselvollen Schreibweise im heutigen Stadtgebiet von Sehnde gemeint. Es war einst ein unbefestigter Landsitz der Grafen von Haimar, die später nach Wernigerode übersiedelten.

Haimar entwickelte sich vor allem durch die wahrscheinlich noch im 12. Jahrhundert im Stil der Lühnder Mutterkirche errrichtete Pfarrkirche. Diese lag in der Mitte der 4 zusammengehörigen Kirchengemeinden von Evern, Haimar, Dolgen und Gilgen.

Im Jahr 1429 kam der Besitz an den Grafen von Stolberg, der bis hinein ins 19. Jahrhundert in Büchern als Eigentümer vieler Ländereien genannt wird.
1512 fiel Haimar als Ort innerhalb der Amtsvogtei Ilten an das Fürstentum Lüneburg und litt erheblich in der Zeit der Hildesheimer Stiftsfehde in der z.B. der Nachbarort Gilgen 1519 vollständig zerstört wurde. Siebzehn Jahre nachdem Luther seine 95 Thesen in Wittenberg an die Kirchtür schlug, setzte die Reformation auch 1534 in Haimar ein.

Die geschichtlichen Zusammenhänge des Ortes sind vor allem in den 1930ér Jahren in ausführlichen Schriften durch den Pastor Garbe aufgearbeitet worden. Dem ist zu entnehmen, dass die Pfarrkirche im 18. Jahrhundert zu klein wurde und man zwischen 1784 und 1788 die heutige barocke Saalkirche St. Ulrich errichtete, die heute über die Dächer des Dorfes hinausragt. Der dreistöckige Westturm diente früher der Orientierung für Reisende in der baumarmen Landschaft. Die barocke Innenraumgestaltung der Kirche ist noch heute vorhanden. Zur Kirchengemeinde Haimar gehören noch heute die Dörfer Dolgen und Evern. Die Kirchengemeinde Haimar ist mit der Kirchengemeinde Rethmar pfarramtlich verbunden.

An der Kirche treffen wir Joachim Fischer wieder und führen das Gespräch fort. Er macht uns darauf aufmerksam, dass hier im benachbarten Bauernhof der Landwirt Otto Sagebiel lebt, der die Geschichte im Dorf am authentischsten erzählen kann und wir ihn auf jeden Fall einmal besuchen sollten.

Wir bitten Herrn Fischer fortzufahren, da wir an dem weiss angestrichenen Turm jetzt eine dunkle Stelle, einen besonderen Stein oder etwas anderes entdeckt haben.

Gemeint ist der steinerne Kopf in Nähe der Kirchturmuhr. Im Dorf geht seit alters her die Sage um, dass der kleine barocke Knabenkopf an der Nordseite des Kirchturms der eines Einbrechers sei. Der Junge wurde beim Einbruch vom Pastor überrascht und auf der Flucht im Turm vom Blitz erschlagen. Dabei versteinerte sich sein Kopf, so dass dieser für alle sichtbar an der Turmwand hängen blieb.

Wenn andere Menschen auch behaupten können, dass ein Baumeister dort unübersehbar seine Visitenkarte hinterlassen habe, finden wir die Sage doch interessant und sorgen gern dafür, dass sie an andere Generationen übertragen wird. Unter Denkmalschutz steht die Kirche zusammen mit den beiden Eichen an Ihrer Seite.

Aktuelles Gesprächsthema während unseres Besuchs im Ort ist, dass die evangelische Kirchengemeinde ihr neben der Kirche gelegene Gemeindehaus, das "Haus der Begegnung" an der Mehrumer Straße in Haimar veräußert hat. Käufer der 1964 erbauten Immobilie ist die Reutlinger Firma APM-Digitaldruck und Creativ Center. Da die Landeskriche sparen will, sah sich die Kirchengemeinde zum Verkauf gezwungen.

Nun wird es Veränderungen im Ort geben, die durchaus auch als Chance gesehen werden, denn nun kann es ein Treffpunkt für die kreativen Menschen am Ort werden.

Wieder einmal ist das OKOK Television Team unterwegs um die Spuren der Vergangenheit zu entdecken und sie gegenwärtig in Fotografien weiter zu geben. So haben für diesen Fotobericht Susanne Schumacher und Lars Schumacher einige Details aus Haimar zusammengestellt. Weitere Berichte unter: http://www.myheimat.de/gruppen/burgdorfer-land-333...
Weitere Informationen zu OKOK Television: http://www.okok.de
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Magazin Sehnde | Erschienen am 25.02.2011
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