Anzeige

Klezmer aus dem Schatzkästchen

  Seelze: St.Barbara-Kirche | Sie spielen nicht den Klezmer, dessen Melodien man schon einmal irgendwo gehört hat. Ihre Lieder kommen aus dem ganzen Balkan und haben oft einen alten Text, ein altes Gedicht als Ursprung. Die Musik dazu ist später dazu gekommen oder erst von der Gruppe goraSon erdacht. Und sie haben ihren eigenen Stil, diese oft melancholische, oft mit einem Scherz verbundene, oft das „wahre“ Leben erzählende Klezmermusik vorzutragen. Und oft starten sie, verträumen sich in Jazz-Elemente und kehren dann zur Grundmusik zurück.
goraSon ist ein Trio mit viel Spaß an der Musik. Man merkt es von Anfang des Konzertes an. Und das zeigt sich auch schon beim Applaus nach dem musikalischen Einstieg. Karin Christoph an der Geige hat natürlich eine klassische Ausbildung, aber ihre musikalische Fortbildung bei ungarischen und moldawischen Vorbildern hat sie geprägt. Sie fühlt sich erst richtig wohl, wenn sie das Gefühl rumänischer Zigeunermusik mit den musikalisch vorgetragenen Geschichten aus Ungarn, aus Kroatien oder Slowenien und geerdeten, rauen Klängen verbinden kann. Sie hat Spaß daran, alte und zeitlos wirkende Melodien oder Geschichten auf die Bühne zu bringen. Der Kontrabassist Reinhard Röhrs belässt es nicht bei der traditionellen Nutzung dieses Instruments, mit Basstönen zu untermalen und Rhythmusgeber zu sein. Sein Kontrabassbogen erzeugt schon einmal Töne, dass man glaubt, eine zweite Geige zu hören. Aber auch seine Zupftechnik ist sehr eigen. Dazu kommt, dass er dem Klangkörper die unterschiedlichsten, nicht zu erwartenden Geräusche entlockt, die man diesem riesigen Instrument nicht zutraut und eher bei deiner Cahon erwartet. Der Kroate Miroslav Garhovac ist der dritte Star dieser Gruppe. Man kann seinem Spiel am Akkordeon in der hohen Geschwindigkeit oft nicht folgen und möchte die Bilder gern in Slowmotion haben. Die Musik erklingt von ganz leise, fast nicht hörbar bis herausfordernd. Man merkt ihm die Leidenschaft für dieses Instrument schon aus Kindertagen an. Dabei macht es ihm offensichtlich Spaß, auch Jazzelemente einfließen zu lassen. So übernimmt er spielerisch Melodien von der Geige, gibt ihnen einen anderen Klang und spielt sie zurück. So erhält er auch ebenso spielerisch Szenenapplaus.
Sie spielen an diesem Abend jiddische Geschichten, Gedichte (Wenn die ganze Welt leidet und es mir gut geht, lade ich die Welt ein …..). Sie spielen im 4/4 Takt oder auch 7/8. Sie haben den alten Klezmer aus den USA genauso dabei wie ein traditionelles Lied aus Süd-Serbien im 9/8 Takt. Und sie spielen auch Astor Piazzolla auf ihre eigene Art – theatralisch, verliebt und nachdenklich. Aber das ist nur ein Ausflug, denn dann folgen sofort wieder Geschichten aus einer alten Gedichtsammlung aus Bukarest, gefolgt von einer Melodie aus Transsilvanien.
Es ist kein Wunder, dass dem herzlichen, fast nicht endenden Applaus zwei Zugaben folgten. Wenn es nach den Besuchern gegangen wäre, würden sie immer noch spielen.

Am 12. Dezember 2019 heißt es dann in der St. Barbara-Kirche: 12xk - Klangvolles Winterkonzert
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.