Anzeige

Pure Lebensfreude beim Altbairischen Erntedanktanz in der Stadthalle

Mmm... lecker!!

Von nah und fern strömten die Gäste am vergangenen Samstag in die Schrobenhausener Stadthalle Über die Grenzen des Landkreises hinaus von Augsburg bis Dachau und sogar aus Halbergmoos folgten die Tanzbegeisterten der Einladung des Verkehrsvereins; fast allesamt in unterschiedlichster Tracht gekleidet.
Passend zum Anlass des Abends erstrahlte die Schrobenhausener Stadthalle in herbstlichem Ambiente. Mitglieder des Volkstanzkreises plünderten dazu ihre Gärten und Felder und zauberten liebevolle Blumenarrangements. An einigen Ecken konnte man manches Stilleben aus Kürbissen, Mais und Getreidehalmen entdecken, die dem Fest ein besonderes Flair verliehen. Festlich ging es auch bei der Kleidung zu. Ein Jeder schien mit Stolz seine Tracht zu tragen, egal ob Lederhose, Janker oder Dirndl. Es handelt sich halt um ein Festtagsgwand.
Als Hans Hammer, Kreisheimatpfleger und selbst leidenschaftlicher Volktänzer bei seiner Begrüßung aufrief „scharr mer net länger mit den Füßen unterm Tisch, sondern steh mer auf zum Auftanz“, hielt es keinen mehr auf seinem Platz. Spätestens jetzt ist klar: Wer hierher kam, der will nicht bloß zuschauen, sonder intensiv das Tanzbein schwingen zu guter Volkmusik. Für den musikalischen Rahmen zuständig war die Schrobenhausener Tanzlmusi, die sich aus neun Blasinstrumentalisten zusammensetzt. Musikschulleiter Rainer Maier fungiert bei der Bläsertruppe nicht nur als Dirigent und Klarinettist, sondern hat auch die meisten Stücke für diese Besetzung aus Musikern des Blasorchesters der Musikschule selbst arrangiert. Zünftig geht’s zu, wenn die ersten Takte mit sattem Volumen den Saal erfüllen. Viele der Tänze sind weit verbreitet und zumindest vom Namen her selbst dem Laien bekannt, wie der Zwiefache, der Siebenschritt oder die verschiedenen Polkas. „Jetzt horcht’s amoi zua“ tönte Hans Hammers Stimme aus dem Lautsprecher, wenn es darum ging die lokalen Feinheiten und Tanzvarianten zusammen mit seiner Frau Gertraud zu erklären und vorzutanzen. Aufmerksam lauschten die Volkstänzer, wann gedreht, geklatscht, gestampft oder gehüpft wird. Und dann ging es gleich los: Die Könner glitten bravourös übers Parkett und auch bei den Amateuren löste sich jeder Knoten im Tanzgeschehen wie von Geisterhand wieder auf. Unabhängig vom den tänzerischen Fähigkeiten, egal ob alt oder jung, man spürte die Freude und Begeisterung, die vom Volkstanz ausgehen. „Volkstanz -des mog i“ steht auf dem Programm und das wird hier auch gelebt. Zwölf Tanzrunden mit den unterschiedlichsten bayerischen Tänzen lockten die rund 200 Besucher bis weit nach Mitternacht immer wieder auf die Tanzfläche und die Musiker geben auf Wunsch des Publikums die ein oder andere Zugabe.
Zu fortgeschrittener Stunde wurde dann zum Highlight des Abends aufgespielt: der Schrobenhausener Francaise, die zur Musik der Fledermausquadrille von Johann Strauß junior getanzt wird. Ursprünglich handele es sich dabei um eine Tanzform, die von der damaligen High Society vom Französischen Königshaus abgekupfert wurde, weiß Johann Mesch, Vorsitzender des Schrobenhausener Verkehrsvereins. Die einfachere Bevölkerung tat es den feinen Herrschaften gleich und übernahm diese Tanzform. Sogar bis in die 50er-Jahre hinein fehlte die Schrobenhausener Francaise auf keinem Ball, so Mesch. Dann geriet sie in Vergessenheit. Erst durch die akribischen Nachforschungen Hammers in Archiven konnte sie in mühevoller Feinarbeit wieder rekonstruiert werden
Die komplexe Abfolge von Figuren und Schritten macht diesen Tanz so pikant. Variantenreiche Platzwechsel und Dreher sowie allerlei Begrüßungen, Verneigungen und Komplimente geben die besondere Würze. Die traditionelle Francaise wird in fünf Runden mit steigendem Schwierigkeitsgrad, sogenannten Touren, getanzt, wobei sich die Tanzpaare in zwei Reihen gegenüber stehen. Eine gewisse Analogie zum Squaredance ist zu erkennen, als Tanzleiter Hammer quasi als Volkstanz-Caller auftritt und vor und während des Tanzgeschehens die einzelnen Tanzfiguren einruft. Es blieb kein Auge trocken als sich jähe Verwirrung bei so mancher Figur einschleicht und hilfesuchende Blicke versierte alte Hasen erreichen.
Bei all der Bewegung kamen auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz. Das Bewirtungsteam der Stadthalle sorgte in gewohnt guter Weise für das leibliche Wohl.
Wer selbst einmal hinter die „Geheimnisse des Volkstanzes“ kommen will, kann dies am Montag, den 23.Oktober beim nächsten offenen Volkstanztreff im Pfarrsaal tun. Wer sich gerne dazu gesellen möchte, ist dazu ab 20.00 Uhr eingeladen. Keiner werde dabei ins kalte Wasser geworfen, meinte das Ehepaar Hammer. Es werde vielmehr geschaut, wer komme und dann spontan je nach tänzerischem Können entschieden, was getanzt wird.

0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.