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Schrobenhausens berühmter Sohn: Franz von Lenbach

Lenbachmuseum
 
Unbekanntes Mädchen
Das Lenbachmuseum in Schrobenhausen

Lenbachs Geburtshaus - 1823 erbaut - ist heute Museum. Charlotte (Lolo) von Lenbach, die zweite Frau des Künstlers erwarb das Gebäude im Jahr 1936 und führte es zusammen mit etwa 500 Gemälden, Skizzen und Studien aus Familienbesitz einer Stiftung zu. Dem Besucher bietet sich eine Fülle von persönlichen Dokumenten, frühen Arbeiten, Skizzenbüchern, Bildnissen, Portraitstudien und Vorarbeiten zu späteren Gemälden. Ein Teil des Museums beherbergt Bilder von Johann Baptist Hofner, Jugendfreund Lenbachs und bekannter Tiermaler.

Franz von Lenbach – der Malerfürst
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts repräsentierte Franz von Lenbach den Typus des hoch angesehenen Malers. Sein Aufstieg vom Maurergesellen zum Gesellschaftsmaler von europäischem Rang war beispiellos. Wie ein Fürst residierte Lenbach in seiner Villa in der Luisenstraße und mischte sich selbstbewusst ins kulturpolitischen Leben Münchens ein. Als Präsident der Künstlergenossenschaft „Allotria“ organisierte er rauschende Feste.

Geboren wurde Franz Lenbach am 13. Dezember 1836 in Schrobenhausen als 13. Kind des Stadtbaumeisters, Joseph Lenbach. Ursprünglich sollte er ins Geschäft des Vaters einsteigen und absolvierte eine Maurerlehre. Insgeheim jedoch zog es ihn zu Pinsel und Palette. Schon 1852 verdiente sich Lenbach mit dem Malen von Votivtafeln und Schützenscheiben eigenes Geld, blieb jedoch weitgehend Autodidakt bis zu seinem Akademiestudium bei Karl von Piloty, einem hochangesehenen Historienmaler. Eine Lehrtätigkeit an der Weimarer Kunstschule beendete Lenbach von sich aus und kehrte 1862 nach München zurück. Hier spielte Adolf Friedrich Graf von Schack eine entscheidende Rolle für Lenbachs Karriere. Er schickte den jungen Maler nach Italien und Spanien zum Kopieren berühmter Gemälde. Vom Kolorit der alten Meister inspiriert reifte Lenbachs eigener Stil. Enge Kontakte zu Otto Fürst von Bismarck verhalfen Lenbach schließlich über Nacht zu Ruhm und Adelstitel. Entsprechend seiner gesellschaftlichen Stellung beauftragte er Gabriel von Seidl mit dem Bau einer repräsentativen Villa in München– dem heutigen Lenbach-Haus.

Als Franz von Lenbach am 6. Mai 1904 starb, trug München Staatstrauer; mehr als 20.000 Trauergäste begleiteten ihn zu seiner letzten Ruhestätte.

Lenbachs Schaffen und Wirken
Lenbachs frühe Gemälde sind kennzeichnend für die realistische Malerei um die Jahrhundertmitte; sie stehen noch in der Nähe zur zeitgenössischen biedermeierlichen Genremalerei (Landleute vor einer Kapelle, verschollen; Titusbogen, heute in Budapest). Seine Faszination vom Licht des Südens schlägt sich nieder in einer Vielzahl von Bildern mit Hirtenknaben, die um 1860 entstanden und eine deutliche Hinwendung zu einer naturnahen Darstellung zeigen.

Die Themen und Motive aus dem bäuerlichen Leben gibt Lenbach nach seinem ersten Erfolg als Bildnismaler (Goldmedaille III. Klasse für ein Selbstportrait) auf der Pariser Weltausstellung 1867 auf und konzentriert sich ausschließlich auf die Portraitmalerei. Seit 1871 gehörten zu seinem Klientel regierende Fürsten wie der Großherzog von Baden und Gemahlin, ab 1872 saß ihm Kaiser Wilhelm I. in Berlin Modell. Lenbach portraitierte fast alle bekannten Größen seiner Zeit aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. „Von Lenbach gemalt zu sein (...) rechneten sich viele als hohe Ehre an.“ (W. Ranke)

Lenbach hat die Portraitmalerei seiner Zeit gravierend verändert: in der Verbindung naturalistischer Elemente mit dem Repräsentationsbedürfnis der Gründerzeit entwickelte er eine neue Art des Bildnisses. Lenbach kleidete seine Modelle in bestimmte „Stilkostüme“, so als seien sie von Tizian oder Velasquez gemalt worden, wodurch die so gemalten Personen Zeitlosigkeit und enorme Bedeutung erhielten. An Stelle von sehr detaillierten Ausführungen wie sie seine Zeitgenossen noch vertraten, konzentrierte sich Lenbach vornehmlich auf die Darstellung des Kopfes, die Hände deutete er in der Regel nur an, der im Galerieton dargestellte Hintergrund ist meist nicht genau bestimmbar. Vielfach nutzte Lenbach auch die Fotografie als Hilfsmittel. Damit ersparte er sich und den Modellen stundenlange Sitzungen. Während der Fototermine fertigte Lenbach zusätzlich Farbskizzen an, die ihm als Gedankenstütze dienten. Derartige Farb- und Formstudien sind zahlreich erhalten. Lenbach erreichte durch intensive Studien seiner Modelle eine überaus treffende Charakterisierung in der Abbildung.

Lenbachs Abneigung gegen zeitgenössische Kunstströmungen in seinen späteren Jahren drückt sich deutlich in seinen kunstpolitischen Aktivitäten in München aus: 1901 wurde er 1. Präsident der Münchener Künstlergenossenschaft, 1892 gründete er eine Gesellschaft zur Beförderung rationeller Malverfahren.

Lenbachsaal in Schrobenhausen
Nach vielen Jahren besuchte Franz von Lenbach 1897 erstmals wieder seine Geburtsstadt. Bei dieser Gelegenheit entschloss er sich zur Verschönerung des Rathauses einen kleinen Beitrag zu leisten.

Zusammen mit seinem Freund, dem Architekten Gabriel von Seidel entwarf er eine Innenausstattung für den großen Rathaussaal. 1898 schickte er dazu das ganzfigurige Portrait des Prinzregenten Luitpold nach Schrobenhausen, weitere Bildnisse verschiedener Persönlichkeiten folgten. Für dieses Engagement verlieh ihm die Stadt die Ehrenbürgerwürde.

Heute hängen die Bilder im neuen Rathaus und können auf Anfrage besichtigt werden.

Bilder: Günter Hastreiter
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Stadtmagazin Schrobenhausen | Erschienen am 15.03.2010
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