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Ah! capella CmpH überzeugt mit Wortwitz und perfekter Intonation

 

Musikalische Zeitreise durch fünf Jahrhunderte
Ah! capella CmpH überzeugt mit Wortwitz und perfekter Intonation
Poesie in Tönen gespickt mit Wortwitz mit Ah! capella CmpH
Premiere für Gitarrenduo

Schrobenhausen (tsj) Von heiter bis melancholisch, von Dur bis Moll, alles bekam das Publikum am vergangenen Samstag von der Ah! capella CmpH im Casino der Volksbank zu hören. Die vier Sänger nahmen das Publikum mit auf ihre Zeitreise quer durch die Musikrichtungen der vergangenen fünf Jahrhunderte von Renaissance bis Jazz, von irischen Volksweisen bis zu modernen Popstandards. Poesie in Tönen gespickt mit schmissigen Texten und Wortwitz füllten den Gesangsabend. Mit ihren fingerfertigen Intermezzi überzeugte auch das spontan aus gegebenem Anlass entstandene Gitarrenduo Morgenschweis-Siegl und Steger.

Das Rätsel, das die Formation Ah! capella CmpH umgibt wurde gleich zu Anfang gelüftet. Nämlich bestehe das geheimnisumwitterte Anhängsel CmpH aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der vier Sänger: Cora Krötz (Sopran), Martin Felber (Tenor), Peter Ludwig (Bass) und Hanne Fleck (Alt). Die vier temperamentvollen Sänger aus der Region treten seit mittlerweile drei Jahren zusammen auf. Ihr Engagement auf der Bundesgartenschau in München diesen Jahres machte sie über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Kein Wunder, denn die Truppe hat sich ganz und gar der Musik verschrieben. Sie strahlen in der Präzision ihrer Darbietungen, die häufig in amüsante und pikante Eigeninterpretationen münden.
Etliche Beatlesnummern standen auf dem Programm, mal originalgetreu vorgetragen, mal verpackt in ein mittelalterliches Madrigal. Das Highlight aber von Martin Felber mit bitterer Wahrheit („Die Zeit vergeht und oid wer mer.“) schonungslos angekündigt: „Wenn i amoi oid bin“, ein Wellnesssong mit Lokalcolorit auf die Melodie des Beatlesohrwurms „When I’m 64“. Mit wortspielerisch und mit komödiantischem Charme wird die Zeit besungen, in der wir alle mit Hüftprothese und Gebiss im Glas abends uns ins Nachtlager schleppen. Doch die Lösung läge nah; nämlich genau 40 Kilometer: Das Jungbrünnlein in Wellheim verspricht „endlich g’sünder mit weniger Pfünder“.
Manch andere Eigeninterpretation wie die „Fraumännin“, auf den im Original etwas dröge klingenden Titel „Mit Lieb bin ich umfangen“, brachte Aufklärung wie es sich wirklich mit der Schaffung von Adam und Eva verhielte. Denn wie nun ein Jeder der rund 120 Zuhörer weiß, war „der Mann ein Stück zur Probe, die Frau aber das Meisterstück“.
Es gab Spottlieder auf mittelalterliche Kardinäle, irische Weisen; es wurde besungen wie Frauen die Männer, damals wie heute, um den kleinen Finger wickeln, aber vor allem füllten Liebeslieder den Abend. Kein Wunder, denn wie Hanne Fleck die Statistik zitiert: 99% aller Lieder handelten von der Liebe. Gemeint sei dabei auch die Liebe, die durch den Magen gehe. So in der Persiflage auf das Ännchen von Tharau, einem Gedicht und Volkslied. Im Sangesstrudel mutierte die besungene Geliebte vom Ännchen zum Hähnchen im Basmatireis und fiel schlussendlich gar kulinarischer Gier zum Opfer. Esprit und Wortwitz kam nicht nur in den eigenen Liedtexten zum Ausdruck. Auch die Anmoderation der einzelnen Stücke durch die vier Sänger selbst trug zur allgemeinen Erheiterung bei. Peter Ludwig zum Bespiel bemühte Herrn Google on-line um eine Interpretation eines schottischen Volksliedes. Die reichlich haarsträubende Übersetzung, die ihm geboten wurde, deutete er als „ mit leicht surrealistischen Einschlag“. Klar ist: es geht um ein Mädchen, einen Jungen und natürlich die Liebe.
Es stimmte einfach alles: Martin Felbers warmer Tenor ließ in „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Fraun“ - wohl beabsichtigt - so manches Frauenherz höher schlagen. Der brillierende Sopran von Cora Krötz flatterte in Solopassagen wie ein Schmetterling über dem Klangteppich der anderen drei Stimmen. Kraftvoll und samtig Flecks Alt. Und auch, wenn er sich als Bass „individuell benachteiligt sieht“, da er statt solistisch seinen Sturm und seine Leidenschaftlichkeit zu besingen dem dumm, dumm, dumm, verpflichtet ist. Es würde ohne Ludwig doch das Fundament fehlen.
Während die Ah! capella CmpH einige Jahre Bühnenpräsenz vorweisen kann, verhält es sich mit dem Gitarrenduo Carola Morgenschweis-Siegl und Erwin Steger ganz anders. Erst vor ein paar Wochen aus der Taufe gehoben, haben sich die beiden Musikpädagogen spontan entschlossen sich der Herausforderung zu stellen. Zwei Musiker, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, was sich schon in ihrer Haltung ausdrückt: Morgenschweis-Siegl ganz Konzertgitarristin par excellence. Stegers Lässigkeit erinnert an einen leidenschaftlichen Straßenmusiker. Und doch glückte ein virtuoses Zusammenspiel. Zwei Stücke aus der Renaissance, die trotz ihres Alters vertraut und eingängig für das moderne Ohr sind, wurden gespielt. Südamerikanisches Temperament bewiesen die beiden Gitarristen mit temporeichen Pizzikati gepaart mit spannungsgeladenem Piano.
Als Resümee lässt sich sagen: zwei Stunden musikalische Unterhaltung auf hohem Niveau - fetzig, ideenreich, charmant und spritzig interpretiert.
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