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Fließ treibt zwei Mühlen rechts und links der Straße

01 Ortseingang Schmogrow
 
02 Das dreigeschossige Mühlengebäude
 
03 letzter vorhandener Anbau
Schmogrow-Fehrow: Wassermühle Schmogrow |

Zahlreiche und oft breite Bäche und Gräben, in Brandenburg stets Fließ genannt, prägen den Spreewald und waren Energiequelle zahlreicher Wassermühlen. In Schmogrow, wenige Kilometer von Burg/Spreewald entfernt, finden wir zwei Mühlen. Im Abstand von rund 100 Metern rechts und links der Straße am westlichen Ortseingang des heute 560 Einwohner zählenden Dorfes.

Frühester Beleg für eine Mühle in Schmogrow, im Jahr 1400 erstmals schriftlich nachweisbar, ist eine Kirchenrechnung aus dem Jahr 1627, vermutlich eine private Mühle. Nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg ließ Kurfürsten Georg Wilhelm 1652 eine Bestandsaufnahme machen. Im Landesvisitationsprotokoll heißt es, „Die Mühle hat zwei Gänge..., ist itzo gar Wüste und wird zum Amte Peitz von den Creditoren erkauft.“ Mühlen waren attraktive Einnahmequelle für die Landesherren. Um sie zu schützen, erließen sie den Mahlzwang für die Bauern, sie mussten also unter Androhung von Strafen in der ihnen zugewiesenen Mühle mahlen lassen.
Ein erster Name des Müllers taucht in einem Tauschkontrakt vom 23. April 1662 auf. Martin Krüger, ein Bruder des Rittergutsbesitzers Peter Krüger zu Frauendorf, wollte die Schmogrower Mühle als freies Erbgut erwerben. Ein detaillierter Vertrag wurde zwischen ihm und dem Amtshauptmann Georg Abraham von Grünberg sowie dem Kammerdiener Hermann Lange ausgearbeitete und am 07. Juli 1662 vom Kurfürsten bestätigt. Danach wird Krüger unter anderem erlaubt, eine Schneidemühle anzulegen sowie steuerfrei Branntwein auszuschenken.
Doch schon kurz danach, im Jahre 1665, brannte die Mühle mit allen dazugehörigen Gebäuden ab. Ursache war durch Unvorsichtigkeit. Martin Krüger bat den Landesherren 1666 um einige Erleichterungen beim Wiederaufbau, die ihm teilweise bewilligt wurden. Im Jahre 1681 wurde die Mühle an das Amtes Peitz verkauft. Peitz liegt knapp 15 km östlich von Schmogrow. Die Mühle taucht in der nachfolgenden Zeit in mehreren amtlichen Dokumenten auf.
Die Menschen haben auch heute die Gewässer in Spreewald und Lausitz nicht hundertprozentig im Griff. So gab es auch damals häufig Probleme mit der Wasserführung. Die Müller hatten das Recht, Wasser für den Betrieb Ihrer Mühlen zu regulieren. Sie stauten es auf oder bauten Wehre, um Wasser abzuleiten, oft im Konflikt mit den Bauernoder benachbarten Müllern . Zum Beispiel hatte der Schmogrower Müller 1762 sogar einen Spreearm verdämmt, um das Wasser nach der Schmogrower Mühle zu führen - und damit andere Mühlen in Wassernot gebracht. Im Spreewald lagen die Mühlen dank der starken Wasserführung oft nur wenige Kilometer auseinander. So gab es zwangsläufig Auseinandersetzungen an der Schunter (bei Braunschweig), der Graue (bei Diepholz) oder der Strunde in Köln, an denen auch viele Mühlen lagen.
Im 19. Jahrhundert begann eine nachhaltige Weiterentwicklung des Mühlenkomplexes. Nach mehreren Besitzerwechseln kam es zur öffentlichen Versteigerung. Ernst Leopold Liersch erwarb 1852 das Mühlengrundstück für das Meistgebot von 11.680 Talern. Sein Bruder Liersch wurde Mitinhaber. Julius Ferdinand führte ab 1862 den Mühlenbetrieb allein weiter. Dessen Sohn Ferdinand Moritz Liersch, ein Baufachmann, errichtete für seinen Vater eine "amerikanische" Mühle.
Eine technischen Errungenschaften: Das Mahlgut wurde innerhalb des Gebäudes automatisch transportiert. Das bedeutete eine große Arbeitserleichterung. Einen Denkstein mit den Namen einiger seiner Vorfahren liess Julius Ferdinand Liersch zu Ehren seiner Familie nahe dem Freiwehr aufstellte. Der Stein befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg noch dort, später gab es nur noch Fundamentreste.
Julius Ferdinand Liersch starb im Jahre 1875. Seine Witwe Elise Anna Liersch verkaufte ihren Schmogrower Besitz 1883 – wahrscheinlich direkt an Franz Schulz. Schulz entwickelte die Mühle zu einem erfolgreichen Unternehmen. Er ließ um 1906 an der Dorfstraße ein Wohnhaus bauen, das für die Unterbringung von Beschäftigten gedacht war. Eine große Investition war 1917 der Bau des Freiwehrs an der Blachoa, was die Staumöglichkeiten entscheidend verbesserte. Neben dem Freiwehr gab es noch zwei weitere Wehranlagen: das Wehr zwischen Getreide- und Ölmühle – beide Mühlen wurden durch eine massiv eingebaute Turbine angetrieben – sowie eine Stauanlage hinter dem Sägewerk mit einem hölzernen Wasserrad.
Schulz errichtete 1906 direkt an der Dorfstraße ein Wohnhaus für seine Beschäftigten.
1926 brannte die Mahlmühle ab, die 1922 gegründete Freiwillige Feuerwehr konnte es nicht verhindern. Im selben Jahr übergab Franz Schulz den Betrieb an seinen Sohn. Günther Schulz war Zimmer- und Müllermeister und ließ eine größere, modernere Mühle aufbauen. Im Jahre 1932 verkaufte er sein Staurecht und seine Wehranlagen an den Provinzialverband Brandenburg. Fortan musste er für die Nutzung der Wasserkraft zahlen. Wegen Baufälligkeit wurden 1934 Wehr und Wasserrad an der Schneidemühle abgetragen und die Wasserabzweigung durch eine 27 m lange Eisenspundwand abgesperrt. Das Sägewerk wurde inzwischen durch eine Lokomobile angetrieben, die in einem massiv aufgebauten Maschinenhaus untergebracht war.
Die Ölmühle und die in einem Anbau befindliche Bäckerei wurden verpachtet. Da die Mühlen schon immer ein Ort der Begegnungen vieler Menschen waren, eröffnete man eine Gastwirtschaft, die auch vom zunehmenden Fremdenverkehr profitierte. Zum Betrieb gehörte ferner eine ca. 20 ha große Landwirtschaft.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage für die Mühle. Der Besitzer wurde einberufen, die Kriegswirtschaftsverordnungen engte den Mühlenbetrieb stark ein, die Schneide- und Ölmühle wurden stillgelegt. Das Kriegsende 1945 führte zu einer einschneidenden Situation. Die Sowjetische Militäradministration beschlagnahmte sofort die Mühle, um sie zur Versorgung der Truppe zu nutzen. Als Verwalter setzte sie einen ortsfremden Müller ein. Ein bewaffneter sowjetischer Wachposten, der im Wohnhaus einquartiert war, sicherte das Objekt. Die Familie Schulz musste das Grundstück verlassen.
Das Sägewerk wurde betriebsfähig gemacht und arbeitete fortan auf Hochtouren für Reparationsleistungen. Obgleich der Verwalter der Mühle eine Rückgabe an den Eigentümer zu verhindern suchte, erfolgte diese Ende 1946. Die Nachkriegsjahre gestalteten sich außerordentlich schwierig.
Als die Besatzungsmacht die Nutzung der Mühle einstellte, übergab die sowjetische Wirtschaftskommandantur den Betrieb als "herrenlos" den deutschen Verwaltungsorganen. Denn der Aufenthalt des Mühlenbesitzers war zu dieser Zeit nicht bekannt. Der Rat des Landkreises Cottbus setzte Treuhänder für Sägewerk und Mühle ein.
Günther Schulz kehrte nach jahrelangem Aufenthalt in einem Offiziersgefangenenlager in der Sowjetunion arbeitsunfähig zurück und starb 1957. Das Foto vom Sängerfest aus diesem Jahr zeigt noch das Gebäude der Bäckerei vor dem Mühlengebäude. Eigentümerin der Mühle wurde die Tochter Magdalena Schulz. Sie verpachtete die Mühle 1957 an den Müllermeister Friedrich Wildemann. Mit seinem Tod im Jahre 1969 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt.
Im Zusammenhang mit dem Bau des Nordumfluters wurde ein Teil des Malxeflußbettes vor der Mühle trockengelegt und verfüllt. Das hatte zur Folge, dass die Mühle im Jahre1963 auf Elektroantrieb umgerüstet werden musste.
Aufgrund eines Pachtvertrages mit dem Rat des Landkreises bewirtschaftete die LPG Werben die landwirtschaftlichen Flächen und nutzte – außer dem Wohnhaus – alle Gebäude, auch die Mühle, für ihre Zwecke.
Im Jahre 1982 erwarb die jetzige Eigentümerin, Frau Hannelore Limberg, das Grundstück mit Wohnhaus, Mühle und Wirtschaftsgebäuden. Die baufällige Ölmühle musste abgerissen werden.
„Das einst ansprechende Ensemble von 3 Mühlen, landschaftlich harmonisch eingebettet, ist so im Zuge der Zeit verschwunden“, schreibt die Lokalhistorikerin Marie-Luise Finker. „Eine Getreidemühle mit einer über 350 Jahre alten bewegten Geschichte hat aufgeben müssen.“ Heute finden wir die Gebäude der Getreidemühle nördlich der Straße: Ein dreigeschossiges Gebäude aus roten Backsteinen, ein angebauter Schuppen aus Holz und daneben Fundamentreste weiterer früherer Gebäudeteile wie der Ölmühle und der Bäckerei. Südlich der Straße steht ein Gebäude der früheren Sägemühle, im Spreewald auch Schneidemühle genannt (siehe Straupitzer Mühle in https://www.myheimat.de/straupitz/kultur/die-letzt...).
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1 Kommentar
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Dieter Goldmann aus Seelze | 27.04.2018 | 20:15  
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