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Märchen, Elfen, Hexen und auch die Liebe…

      Agnieszka Trzeciecka und Wolfgang Kraemer begeben sich auf ein unglaubliches, sensationelles Märchenabenteuer

Auch wenn an diesem Abend viele Events in Aichach stattgefunden haben so bekam man im Sisi-Schloss in Unterwittelsbach ein einzigartiges Programm geboten. Die beiden Künstler Agnieszka Trzeciecka, Sopran, und Wolfgang Kraemer, Klavier, haben ein einzigartiges sowie märchenhaftes Programm zusammengestellt – die Kulturszene in Aichach lebt, so freute sich Kulturreferent Beck.

Mit Robert Schumanns (1810-1856) Dichterliebe op 48 Nr. aus den alten Märchen begann die Sopranistin Agnieszka Trzeciecka begleitet von Wolfgang Kraemer am Flügel. „Alte Märchen kann man auch modern erzählen“ und damit lässt der Kirchenmusiker einen Zug Richtung Köln fahren… man erblickt irgendwann den Loreleyfelsen. Einem alten Volksglauben nach schwirren da noch immer die Hexen… und auch ein altes Volkslied besagt: „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“.
Das Waldesgespräch (Eichendorff) op 39 Nr.3 zeigt ein Gespräch der Hexe und einem jungen Verehrer auf. „Es ist so spät, es ist so kalt…“ hörte man Agnieszka nicht nur mit ihrer Stimme singen, man spürte dieses Zwiegespräch.

Der Begriff Toccata kommt aus der Orgelmusik, erklärte Kraemer. Zwar gibt es die Toccata meist im Verbund mit einer Fuge, an diesem Abend aber auch als Einzelstück zu hören. Auch wenn das Ganze etwas in den Hintergrund getreten ist zur Haydn- Mozart und Beethovenzeit sowie der Wiener Klassik… Die Toccata von Sergej Prokoffiew (1891-1953) ist natürlich insziniert von Robert Schumann, er hat einen besonderen Stil, benutzt das Klavier als Schlagzeug. Die 1912 geschriebene Toccata symolisiert die damals hektische Zeit. Nicht sehr melodisch aber sehr tiefgehend. Kraemer spielt dieses Stück unglaublich, flink gleiten die Finger über die Tastatur des Flügels und versetzt damit die Zuhörer in eine andere Welt…

Im 19. Jahrhundert, der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), hat nach über 100 Jahren wieder die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt. In seiner Kompositionstechnik hat er viel von Bach gelernt, ist aber mit anderen Werken fest verankert. In der Klaviermusik ist ein Schlagwort mit ihm immer verbunden: Lieder ohne Worte. Lieder mit Worte sind nicht so umfangreich aber Kraemer hat auch hier passend ein Hexenlied gefunden. Nach altem Volksglauben schweben ja die Hexen am Brocken im Harz, in der Walpurgisnacht und wie es da so zugeht sang Agnieszka in deutscher Sprache. Auch dieses Stück singt sie nicht nur mit ihrer wunderbaren Stimme sondern auch mit den Augen und ebenso die Mimik lässt erahnen wie es am Brocken mit den Hexen zugeht.

Robert Schumann, von op 1 bis op 20 schrieb er alles für Solo Klavier. Das gibts nur beim Zeitgenossen Frederik Chopin. Den Liedschaften hat er sich erst später zugewandt was damit zusammenhängt dass er die Tochter seines Klavierlehrers geheiratet hat. Da ihn sein Schwiegervater verleugnete musste er erst gerichtlich erwirken dass er die Klara heiraten konnte. Und erst als er das geschafft hatte wandte er sich 1840 den Liedschaften zu. In diesem Liederjahr sind 138 Lieder entstanden. Seine Klavierzyklen sind ebenfalls von den Liedern inspiriert. Das Bekannteste ist hier natürlich von den Kinderszenen. Die Kinderszenen kann man als Erinnerung an die eigene Kindheit deuten. Die „Träumerei“, sie spielt Kraemer wie selbstverständlich auswendig.

Gabriel Faurè (1845-1924), er hatte bisschen Pech in einer Zeit zu leben von ein Richard Wagner in Deutschland populär war, ein Johannes Brahms und wenn man französische Musik favorisiert hört man meist Debussy, Maurice Ravel. In seiner Zeit ist Faurè etwas untergegangen.
In der Übersetzung aus dem Französischen hörte das Publikum von Elfen, von Feen, strengen Lehrern.. Wenn die Eichelhäher und die Hänflinge laufend falsche Noten sangen wusste sie die zu tadeln. Mit Grashalmen peitschte sie die Flügel der Vögel aus, bis sie eines Morgens schockiert in die Wälder kam, alle waren leer, alle Vögel verschwunden so dass die Fee den ganzen Winter alleine im kalten Wald bleiben musste. Sie komponierte Lieder für den nächsten Frühling…
In französischer Sprache sang die Sopranistin wunderschön erzählend, die Zuhörer waren angetan. Leicht locker spielte Kraemer am Flügel, die Vögel, leicht locker, zwitschernd… ein Hörgenuss vom Feinsten!

Maurice Ravel (1875-1937) kennt man vom Bolero, im Sisi-Schloss jedoch zu hören „Jeux d’eau“ was soviel heißt wie Wasserspiele. Ravel wird meist in einem Atemzug mit Claude Debussy genannt, wird als Impressionist bezeichnet, das ist eine Kunstrichtung die zuerst aus der Malerei kommt. Mit diesem Stück wurde er von Liszt aus den Pilgerjahren inspiriert.
Faurè und Ravel hatten ein gutes Verhöltnis zueinander. Ravell hat ein seinem Vorwort geschrieben: „An meinen Freund Gabriel Faurè“.
Eines der schönsten Stücke des abends, der Pianist streichelt regelrecht die Tasten des Flügels, man gewinnt den Eindruck dass man jeden Wasserstropfen dieser Wasserspiele einzeln hört, leicht, plätschernd, einfühlsam - welch ein Erlebnis! Welch eine Inspiration!

Francis Poulenc (1899-1904), Les chemins de l‘amour
Man stlele sich vor, man sitzt in Paris, mit Blick auf den Eifelturm, hört leicht beschwingte Chansons die den Frühling beschreiben und verkörpern… in franzsösischer Sprache gesungen von Agnieszka Trzeciecka, begleitet am Flügel von Wolfgang Kraemer. Ein unwiederbringbares Gefühl und ein wunderbarer Genuss dieses französischen Chansons… ein beschwingtes wundervolles Stück… man möchte nichts anderes um sich in diesem Moment…

Kraemer kann aber auch anders. Er trug ein etwas verunstaltetes Gedicht vor, eine Ballade von Schiller, in Dänisch erzählt und damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.. Er ist also nicht nur am Piano ein Könner sondern versteht es auch auf anderer Weise die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen…
Antonin Dvorak (1841-1904), Rusalkas Lied an den Mond
Diese Ballade von Schiller erzählt von einer Meerjungfrau. Anton Dvorak hat eine Oper komponiert, „Rusalka“, daraus interpretierten die beiden das Lied „Rusalka an den Mond“ gekonnt in tschechicher Sprache. Die einzelnen Gemütsregungen der Sängerin waren so ausdrucksstark dass alles an ihrem Körper erzählte Kraemer erweist sich auch hier als eine wunderbare Bereicherung.


Edvard Grieg (1843-1907), Solveigs Lied aus Per Gynt
Der norwegische Komponist hat in Deutschland Studien gemacht, kombiniert mit Folklore entstand Solveigs wunderschönes Lied. Hier haben wir es mit hexenähnlichen Wesen zu tun. Gerade in der norwegischen Mythologie wimmelt es nur so von Elfen, Elben und Trollen. Sehr gekonnt merkt man auch den sagenhaften Wechsel zwischen Dur und Moll was das Nordlicht symolisieren soll. Das ist dem Duo Kraemer/ Trzeciecka phantastisch und außergewöhnlich gut gelungen.

Den Zug der Zwerge aus Lyrische Stücke op 54 Nr. 3 für Klavier von Edvard Grieg (1843-1907)
Spielte der Pianist wie selbstverständlich auswendig. Mit Kraemer bekommt man Meisterliches zu hören, einfach traumhaft, ein begnadeter Pianist!

Mit Tanz der Ritter aus Romeo und Julia für Klavier hörten wir Sergej Prokoffiew (1891-1953) etwas melodischer und ebenso meisterhaft und bravourös gespielt.
Der zweite Teil ist nicht ganz so turbulent wie der 1. „Hexen-Teil“, ging es hier mehr um die Liebe… und am Ende an die richtige Erziehung, wie beim gestiefelten Kater der einfach nicht lernen will weil er meint wenn er bestiefelt ist braucht er das nicht.
Das Duo Kraemer/ Trzeciecka traute sich mit dieser ungewöhnlichen Musikauswahl an sein Publikum und wurde nicht enttäuscht. Es gab Beifall und Applaus

Francis Poulene (1899-1963),La corte paille Nr. 2 Quelle aventure, Nr. 3La reine de eoeur
Nr. 4 Ba,Be,Bi, Bo Bu…

Ein polnischer komponist des 19. Jahrhunderts, er hat die Oper „das Gespensterschloss“ komponiert, Moniuszko (1819-1872). Eine langsame Mazurka. Es handelt von einem Jungen der von einem Goldfischlein, das im kalten Wasser lebt, fasziniert ist. Er hat für das Fischlein Blümchen gepflückt und lockt es damit ans Ufer und führt als Argument das kalte Wasser an. Das schöne Fischlein aber antwortet sehr bodenständig: „Ich bin im kalten Wasser zuhause, in mir fließt kaltes Blut, wir können nicht zusammen kommen“, was den Jungen sehr taurig machte.

Ruhig, eine Nacht in romantischer Athmosphäre, der See voll von Seerosen, wie ein weißes Feld, alles schläft, der Mond ist in Nebelstreifen eingehüllt…
Man möchtete den Augenblick des puren Glücks erleben, der ist so kurz wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, die Stimme der Sehnsucht erweckt das Echo in den Bäumen, gespickt mit Leidenschaft und musikalischem Hörgenuss!

Mit Sergej Rachmaninoff (1873-1943) der Prelude in g-moll, op 23 Nr.5 für Klavier spielte sich Kraemer noch einmal in die Herzen des Publikums.
Mit „Die kleine Insel“ op 14 Nr. 2 sowie „Flieder“ op 21 Nr. 5 und „Hier ist es schön“ gab auch Agnieszka Trzeciecka noch einmal alles. Damit brachten die beiden Herzensmusiker einen wundervoll, mit Atmosphäre geladenen Abend zu Ende, ein fabelhafter Musikabend an den man sich gerne und lange zurück erinnert.
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