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Klassenfahrt der 10a der Schiller-Realschule Sarstedt nach Süddeutschland 1965

Das Klassenfoto 1965 in Rotenburg
 
Omnibus (von lateinisch omnibus „für alle“)
 
Warten auf den Reisebus.
Sarstedt: Alte Schiller-Realschule | Schon 1965 habe ich mich mit drei Klassenkamerad(inn)en als Reporter versucht. Unsere Klassenfahrt nach Süddeutschland haben wir damals in unserer Schülerzeitung „Omnibus“ (von lateinisch omnibus „für alle“)
in der 8. Ausgabe veröffentlicht. Ab der 9. Ausgabe hieß die Schülerzeitung dann „Klecks“.
Hier jetzt der Original Text (unverändert) garniert mit einigen mittlerweile etwas blassen Bildern von dem Ausflug. Damals konnte man in unserer Schülerzeitung keine Bilder (in schwarz-weiss) oder nur gerastert drucken.

Klassenfahrt der 10a - Kreuz und Quer durch Süddeutschland
(Eine [möglichst] humorvolle Betrachtung unserer Klassenfahrt)
Abfahrt 6.30 Uhr. Nachdem sich die Klasse 10a mit Klassenlehrer und Begleitpersonen versammelt hatte, tauchte endlich der Bus auf. Wie es wohl in allen Klassen üblich ist, entbrannte auch bei uns ein kleiner Staffettenlauf um die Plätze. Aber warum solche Eile? Bis heute geschah das Wunder noch nicht, daß sich ein Bus selbständig machte! Die Sache hatte nämlich den Haken, daß der Bus zwar pünktlich war, vom Busfahrer selbst jedoch jede Spur fehlte. Zwei Klassenkameraden konnten beim Chef des Unternehmens, der auch den Bus nach Sarstedt gebracht hatte, die Adresse des Fahrers in Erfahrung bringen. Kaum hatten die beiden Sturm geklingelt, als der Fahrer auch schon reisefertig im „Schlafanzug“ aus der Tür trat. Zum Bus hetzen, sich hinter das Steuer klemmen und den Motor anwerfen, war eins. Wie konnte man so grausam sein, den Armen um seinen wohlverdienten Kinderschlaf zu bringen? Doch bald schon mußte der müde, angespannte Ausdruck seines Gesichts einem sonnigerem, heiteren weichen. – Vielleicht deshalb, weil sich der Ersatzreifen im Motorraum schon kurz hinter Bad Hersfeld selbständig zu machen und die technischen Einzelheiten des Motors zu erforschen begann? Wohl kaum.

Doch um lange überlegen zu können, fehlt uns die Zeit; denn wir sind in Fulda, unserer ersten Station angekommen. Hier besichtigten wir den Dom. Wir hatten jedoch nicht die Gelegenheit, den Sarg des Bonifatius sehen zu können, da an ihm gerade gearbeitet wurde.
Von Fulda aus ging es weiter nach Würzburg im Freistaat Bayern.
Ist das ein Gefühl nun im „Ausland“ zu reisen. In Würzburg bekamen wir außer einem Gewitter noch den Kaisersaal zu sehen.
Schweinfurt ist berühmt wegen seiner Jugendherberge, weil wir dort übernachtet haben. Großer Berühmtheit erfreut sich auch sein Brauhaus, dessen Bier wir ernsthaft studierten. Was tut man schließlich nicht alles für die Chemiestunde!
Der Rückweg zur Jugendherberge führte uns hier an der Mainpromenade entlang. Die 30 cm breite Uferbegrenzung hatte für manche eine solche Anziehungskraft, daß sie ihr einfach nicht widerstehen konnten. So bekamen wir ausnahmsweise die tänzerischen Darbietungen dieser anerkannten Größen kostenlos zu sehen. Leicht schwebend glitten sie auf der Ufermauer dahin, ihre graziösen Bewegungen durch elegante Schwingungen ihres Beines unterstützend.
Später, in der Jugendherberge, war man dann vor weiblichen Schlafwandlern nicht mehr sicher. Welche Enttäuschungen mußten diese jungen Damen jedoch erleben, als sich der so romantische Mondenschein als der weniger romantische Schein einer Straßenlaterne entpuppte!
In Creglingen besichtigten wir noch den sprechenden Riemenschneider-Altar und dann ging es auf nach Rothenburg, wo wir ausgiebig die historischen Sehenswürdigkeiten und besonders die alte Stadtmauer besichtigten Etliche Kilometerlegten wir zurück. Als wir uns dann aber als sogenannten Höhepunkt noch als Bergsteiger auf den Kirchturm versuchen sollten, waren wir einstimmig wie noch nie der Meinung, daß dieser von unten einen entschieden schöneren Anblick biete als von oben.
So statteten wir dann der Folterkammer unseren Besuch ab. Hier herrschte großer Andrang und als wir endlich mit der Besichtigung an die Reihe kamen, konnten einige die eindrucksvolle Wirkung der Halsgeigen und Ketten selbst ausprobieren.
Neben dem vielgerühmten bayrischen Bier gibt es in Dinkelsbühl eine Zehntscheune, Jugendherberge genannt. Wenn sie auch anfangs von außen wie ein Gefängnis anmutet, so konnte man sich in ihr doch recht wohlfühlen. Hier verbrachten wir die zweite Nacht.
Das Ziel des dritten Tages war Heidelberg, das wir nachmittags erreichten. Viel anziehender als das Heidelberger Schloß war für die Jungen hier eine Hamburger Mädchenklasse. Noch vor der Besichtigung setzte sich ein Teil der Jungen unter dem Leitmotiv „Cherchez la femme!“ ab.
Nach der Besichtigung, an der zum großen Glück der Jungen auch „die Favoritinnen ihres leicht entflammbaren Herzens“ teilgenommen hatten, setzten sie sich auf ihre Fährte, die leider in die entgegengesetzte Richtung unseres Weges führte. Nur dem Mitleid unserer Begleitpersonen hatten sie es zu danken, daß ihre so erfolgreich (oder etwa nicht) aufgenommenen Beziehungen nun doch nicht ein zu trauriges Ende fanden. Die festgesetzte Parole galt! Die ganze Kompanie nahm die Verfolgung auf. Es sah so aus, als sollte der Ausspruch eines stillen Beobachters – „die Annäherungsversuche werden heute doch tatsächlich immer primitiver“ – in die Wirklichkeit verwandelt werden. Doch einmal findet jedes „Abenteuer“ ein Ende. Pünktlich um 17.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit hatten sich alle am Parkplatz einzufinden und es ging weiter nach Weinheim, unserer dritten und zugleich letzten Unterkunft.
Unterwegs, bis wir die Jugendherberge erreichten, die j.w.d. lag, erfreuten uns unsere männlichen Klassenkameraden mit dem wunderschönen Lied: „Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren.“ Es klang ein wenig verkehrt, wurde aber mit soviel Schmalz und Hingabe gesungen, daß den flotten Hamburgerinnen sicherlich das Herz vor Rührung übergelaufen wäre.
Endlich hatten wir die Jugendherberge Weinheim erreicht. Voller Erwartung stürzten sich die Jungen auf das so idyllisch gelegene Gebäude. Sie fanden jedoch nur eine Mädchenklasse jüngeren Jahrgangs vor und mußten mit ihr vorlieb nehmen. Die hatte zur Folge, daß wir Mädchen unsere Kolleginnen mit eifersüchtigen Blicken marterten! (Oder war es am Ende nur Einbildung des männlichen Geschlechts, das ja bekanntlich überhaupt nicht eingebildet ist.) Um nun beide Parteien nicht zu enttäuschen, (wie rührend!) brachte der neu entstandene „Oddo“ Otto-Chor ein Ständchen. Seine Starnummer war der Drina-Marsch, interpretiert von ihm in höchster Vollendung. (Ausgenommen natürlich von einigen Mißtönen, die ihm aber erst die persönliche Note verliehen.) Mit diesem Marsch verabschiedeten wir uns auch am nächsten Morgen. Jörgen Ingmann wäre sicherlich vor Neid erblaßt, wäre es ihm vergönnt gewesen, nur einen einzigen Ton zu erhaschen.
Der letzte Tag unserer Fahrt war angebrochen. In Heilbronn, dessen berühmtes Käthchen wir ebenfalls mit einem Ständchen begrüßten, hielten wir die Zeit einmal wieder für gekommen, für unser leibliches Wohl zu sorgen. Ummel (unser Busfahrer) und unser Boß machten sich auf den Weg, um das Geeignetste für uns ausfindig zu machen. Als Nationalgericht genossen wir die Spätzle, mit denen verschiedene harte Kämpfe auszuführen hatten. Aber, Übung macht den Meister, und so brauchten wir schließlich doch nicht zu verhungern.
In Worms sowie in Mainz besichtigten wir zum Abschluß noch den Dom.
Auf der letzten Etappe unserer Fahrt fuhren wir mit rhythmischem Geklapper über eine Stahlflachstraße und landeten zu guter Letzt im Söder Heidekrug, wo es zum Abschied noch einmal hoch herging. Nachdem wir uns wieder an das norddeutsche Bier gewöhnt hatten, wurde uns eine fast 100 Jahre alte Musikbox vorgeführt, deren Lautstärke die der heutigen Zeit bei weitem übertrifft.
An einer neben dem Leierkasten stehenden Palme versuchte sich jemand als Imitator sämtlicher bekannter Instrumente in einer Solonummer. Dazu sang er lauthals: „Hier wird Holz gehackt“ nach der Melodie „Kuh tritt in Eimer.“ Vom Wirt verabschiedete uns der Oddo-Chor noch mit dem altbekannten Drina-Marsch. Die fortgeschrittene Stimmung trug dazu bei, daß dieser letzte Aufenthalt noch einmal ein voller Erfolg wurde.
In Sarstedt angekommen, hatte die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht und mit einer Lachträne im Knopfloch trennten wir uns voneinander.
Servus! v.d.10 a
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4 Kommentare
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Axel aus Salzburg aus Freilassing | 07.11.2010 | 21:08  
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Günther Jatzkowski aus Burgdorf | 07.11.2010 | 21:50  
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L. G. aus Wertingen | 07.11.2010 | 23:25  
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Axel aus Salzburg aus Freilassing | 08.11.2010 | 04:00  
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