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Wo der Fuchs den Enten "Guten Tag" sagt - Tierisch was los an der Küste vor St. Peter-Ording

Weißwangengänse (Nonnengänse) über den Salzwiesen St. Peter-Ordings (Foto: Katja Woidtke)
 
"Huch, ist das kalt!" Sanderlinge am Strand von St. Peter-Ording (Foto: Katja Woidtke)
 
Jedes Jahr im Herbst und Frühjahr sammeln sich die Nonnengänse in den Salzwiesen und auf den Wiesen rund um St. Peter-Ording. (Foto: Katja Woidtke)
Sankt Peter-Ording: St. Peter-Ording |

Jedes Jahr im Herbst und Frühjahr sind in den Salzwiesen vor St. Peter-Ording unzählige Zugvögel zu beobachten, die hier Rast machen und Kraft tanken für ihren Weg Richtung Süden oder zurück. Begleiten Sie mich bei meinen tierischen Beobachtungen rund um St. Peter-Ording!

Weißwangengänse, die wegen ihres Federkleides auch Nonnengänse genannt werden und zu den Meergänsen gehören, ziehen in Formationen am Himmel vorbei. Die Gänse haben einen auffallend kleinen Schnabel und sind oft beim Grasen auf den Wiesen zu beobachten. Mit Fernglas und Kamera ausgestattet machen wir uns auf den Weg nach Böhl. Gleich vor dem Leuchtturm führt ein Weg durch die Salzwiesen und meist verirren sich zu dieser Jahreszeit nur wenige Touristen hierher. Mit etwas Glück werden wir die kleinen und hübschen Gänse dort vielleicht antreffen. Tatsächlich, in den Gräsern bewegt sich etwas. Nur schwer sind die Gänse in dem Dunst, der über den Salzwiesen liegt, auszumachen. Nach einem Blick durch das Fernglas wird aber schnell klar, dass es sich bei diesen Gänsen nicht um Nonnengänse handelt. Leise setzen wir unseren Weg durch die Wiesen fort und nur einige Schritte weiter entdecken wir eine kleine Gruppe von Gänsen, die durch ihren weißen Halsring im Gefieder auffallen. Leider drehen die Ringelgänse uns nur ihren Rücken zu und scheinen uns die kalte Schulter zu zeigen. Sie ist als Wintergast an der Küste und wird im Frühjahr wieder zurück in ihre Heimat ziehen. Und endlich sehen wir sie: Nonnengänse, die wie die Ringelgans zur Gattung der Meergänse gehören, grasen, fotogen mit einem der Pfahlbauten St. Peter-Ordings im Bildhintergrund, in den Salzwiesen. Fasziniert beobachten wir sie eine Weile und machen uns anschließend auf den Rückweg, um uns aufzuwärmen.


Während es im Ortsteil Böhl etwas ruhiger und beschaulicher zugeht als im Bad mit seiner neuen Seebrücke und der attraktiven Promenade, lassen sich aber gerade von der Seebrücke aus viele verschiedene Tiere beobachten. Ob sie wissen, dass die Touristen den hölzernen Steg, der sie trockenen Fußes an den Strandabschnitt kommen lässt, nicht verlassen werden? Einige Möwen scheinen sich auf eben diese Touristen spezialisiert zu haben und warten darauf, dass vielleicht der eine oder andere Brocken für sie abfällt. Bei dem reich gedeckten Tisch, den die Salzwiesen und das Watt bieten, ist das natürlich absolut unnötig und gesundheitsbewusste Möwen suchen sich dann auch lieber einen Platz in den Salzwiesen, um bei auf- und ablaufendem Wasser nach Beute Ausschau zu halten. Eine Lachmöwe, deren Kopf im Winter nicht die für sie sonst charakteristische schwarze Färbung aufweist, hat sich einen erhöhten Platz auf einem Erdhäufchen gesucht. Von dort hat sie einen guten Blick auf mögliche Beute und stürzt sich immer wieder kopfüber in das Wasser. Doch mit dem steigenden Wasser wird ihr Aussichtspunkt nach und nach fortgespült.



Wir lassen uns bei strahlend blauem Himmel mit den Touristen Richtung Strand treiben. Dort sitzen Silbermöwen auf den Pfählen und lassen sich die Meeresbrise um den Schnabel wehen. Gar nicht silbern, sondern eher schmutzig grau sieht das Federkleid der Silbermöwe aus. Die Jungvögel tragen mehrere Jahre ein graubraun geflecktes Jugendkleid. Gut zu erkennen sind die Großmöwen an dem roten Fleck unterhalb ihres Schnabels.



Was trippelt denn da am Meeressaum entlang? Mehrere kleine Vögel ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Flink weichen sie mit kleinen Trippelschritten den Wellen aus und stochern immer wieder mit ihrem Schnabel im flachen Wasser herum. Die Sanderlinge gehören zur Gattung der Strandläufer und scheinen unentwegt auf der Suche nach Nahrung zu sein. Ich könnte ihnen noch ewig zusehen, doch am Himmel brauen sich rasch Wolken zusammen und der Weg über die Seebrücke zurück in den Ort ist lang.


Doch der Ausflug zu den Salzwiesen im Ortsteil Bad soll nicht unser letzter geblieben sein. Von der Seebrücke aus lassen sich die tierischen Bewohner gut beobachten, ohne sie zu stören. Bei unserem nächsten Besuch herrscht gerade Niedrigwasser und uns kommt ein Rotschenkel vor die Linse. Er gehört zur Familie der Schnepfen, hat rote Beine und einen rötlichen Schnabel mit schwarzer Spitze.


Als wir uns bereits auf dem Rückweg zu unserer Ferienwohnung befinden, da dunkle Wolken einen drohenden Regenguss ankündigen, erleben wir etwas Einzigartiges: In den Salzwiesen haben sich Enten an den Rändern des Prieles niedergelassen als auf einmal etwas Rötliches durch das Gras schimmert. Ein Fuchs spaziert durch die Salzwiesen und schaut immer wieder beobachtend zu uns herüber. Die meisten Touristen bekommen von dieser Szene nichts mit und verpassen ein Naturerlebnis der besonderen Art direkt vor ihrer Nase. Anfangs vermuten wir, dass der Fuchs auf ein frühes Abendbrot aus ist und dass er es auf eine der Enten abgesehen hat. Aber schließlich überquert er scheinbar desinteressiert den Priel und würdigt die Enten keines Blickes. Wenn nur das Wasser nicht so kalt wäre! Noch einmal kurz geschüttelt, verschwindet er auf der anderen Seite des Prieles in den Salzwiesen.


Bisher hatte ich noch nie das Glück, einen Fuchs in freier Wildbahn beobachten zu können. Dieses Erlebnis entschädigte eindeutig für den Regenschauer, den wir anschließend abbekamen, da wir uns von dem Fuchs nicht trennen konnten und zu lange auf der Seebrücke geblieben waren.


Wer fern der Touristenströme die Natur rund um St. Peter-Ording genießen möchte, sollte seinen nächsten Urlaub dort ruhig einmal im Frühjahr oder Herbst planen. Es lohnt sich!


Weitere Impressionen aus St. Peter-Ording hier: http://www.myheimat.de/sankt-peter-ording/freizeit/ausflugstipp-nordsee-von-hitzloepern-und-giftbuden-in-st-peter-ording-d2462170.html



Quellen:

"Kosmos Naturführer für unterwegs" von Frank und Katrin Hecker
"Kosmos Naturführer - Was find ich am Strande" von Heinz Streble
"Wattführer - ein Feldbestimmungsbuch für das Wattenmeer" von Arthur Oosterbaan und Erik van Ommen
Homepage des NABU
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16 Kommentare
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 06.11.2012 | 14:50  
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Petra Pschunder aus Langenhagen | 06.11.2012 | 15:54  
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Wilhelm Bauer aus Hannover-Südstadt | 06.11.2012 | 16:55  
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Kurt Lattmann aus Barsinghausen | 06.11.2012 | 23:46  
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Uwe Norra aus Selm | 07.11.2012 | 01:15  
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Kathrin Zander aus Meitingen | 07.11.2012 | 14:57  
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Katja W. aus Langenhagen | 07.11.2012 | 15:49  
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 09.11.2012 | 21:37  
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Katja W. aus Langenhagen | 12.11.2012 | 08:43  
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Heidi K. aus Schongau | 09.12.2012 | 23:51  
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Katja W. aus Langenhagen | 11.12.2012 | 11:14  
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