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Was tun, wenn der Arzt einen Fehler macht?

Wer falsch behandelt wurde, hat nicht nur mit den gesundheitlichen
Folgen zu kämpfen. Auch die Durchsetzung eines Anspruchs auf
Schadenersatz und Schmerzensgeld ist nicht immer einfach.

Bis zu 170.000 Patienten werden laut Bundesgesundheitsministerium im Jahr
schätzungsweise falsch behandelt. Die Betroffenen haben unterschiedliche
Möglichkeiten, um einem Verdacht nachzugehen. „Eine Erfolgsgarantie gibt es
jedoch nicht“, sagt Elke Gravert von der hannoverschen Beratungsstelle der
Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Denn der Patient muss
beweisen, dass der Schaden durch einen schuldhaften Fehler des Arztes oder
Krankenhauses verursacht wurde.
So auch im Fall des 48-jährigen Herbert M.: An einem Wochenende erleidet er
einen Herzinfarkt. Der Notarzt bringt ihn in die nächste Klinik, wo die
notwenige Behandlung wegen personeller Unterbesetzung unterbleibt. Erst
am Abend wird Herr M. in ein anderes Krankenhaus verlegt und behandelt. Zu
spät, denn große Teile seines Herzmuskels sind bereits dauerhaft geschädigt.
Seine verbliebene Herzleistung entspricht der eines 79-Jährigen, der
Kraftfahrer kann nicht mehr in seinem Beruf arbeiten.
Herr M. ist sich sicher, dass die erste Klinik einen Fehler gemacht hat.
Patientenberaterin Gravert: „Ein Behandlungsfehler kann sowohl durch
ärztliches Tun als auch durch Unterlassung entstehen.“ Zur Vorbereitung einer
Klärung rät er Herbert M., zunächst ein Gedächtnisprotokoll der Behandlung
zu verfassen, Namen und Adressen von möglichen Zeugen zu notieren und
bei der Klinik Fotokopien der Patientenunterlagen anzufordern.
Betroffenen wie Herrn M. stehen dann innerhalb der dreijährigen
Verjährungsfrist verschiedene Wege offen. Schadenersatz und
Schmerzensgeld können in einem zivilrechtlichen Verfahren geltend gemacht
werden. Wer den Arzt berufsrechtlich zur Verantwortung ziehen will, kann ein
Verfahren durch die Landesärztekammer beantragen.
Die Feststellung eines Behandlungsfehlers ist in der Regel nur mit einem
Gutachten möglich. Gesetzlich Versicherte sollten sich an ihre Krankenkasse
wenden, der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) erstellt
kostenfreie Gutachten. Herr M. wählt die zweite kostenfreie Möglichkeit und
wendet sich für ein Gutachten an seine zuständige Landesärztekammer.
In rund einem Drittel der Gutachten wird laut Bundesärztekammer der
Verdacht auf Behandlungsfehler bestätigt. So auch bei Herrn M.: Die erste
Klinik hätte ihn sofort verlegen müssen. Er versucht nun, sich außergerichtlich
mit der Klinik zu einigen. „Wenn man mit dem Ergebnis nicht einverstanden ist,
kann man innerhalb der Verjährungsfrist immer noch mit dem Anspruch auf
Schadenersatz vor Gericht gehen“, sagt Gravert.
UPD-Tipp: Bevor das zuständige Zivilgericht eingeschaltet wird, sollte man
versuchen, sich außergerichtlich mit dem Arzt oder dem Krankenhausträger
bzw. der Haftpflichtversicherung zu einigen. In der Regel ist es sinnvoll, sich
dabei von einem Fachanwalt für Medizinrecht mit dem Tätigkeitsschwerpunkt
Arzthaftungsrecht vertreten zu lassen.
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