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Inklusion: Offener Brief an niedersächsische Politik

Emsländische Grund- und Förderschulen wollen gehört werden

Meppen. In einem offenen Brief an die Bildungspolitiker in Niedersachsen fordern emsländische Grund- und Förderschulen, ihre konkreten Erfahrungen aus jahrelanger integrativer Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderungen in die Beratungen zum Inklusionsgesetz einzubeziehen. Am 15. und 16. Dezember finden im niedersächsischen Landtag die Anhörungen zum Inklusionsgesetz statt.

„Wir haben den Eindruck, dass die Politik Inklusion derzeit als reinen Organisationsauftrag versteht“, moniert Adolf Bauer, 1. Vorsitzender des SoVD-Landesverbandes Niedersachsen e.V.. Inklusion sei aber ein gesamtgesellschaftlicher Veränderungsprozess, der in den Kindergärten und Schulen beginne. „Es reicht nicht aus, alle Kinder in einem Raum zu unterrichten. Die Rahmenbedingungen müssen auch stimmen“, so Bauer.

Ende November haben die Schulen zusammen mit dem SoVD-Landesverband Niedersachsen und der Tagesbildungsstätte Meppen die Fachtagung „Emsländische Schulen auf dem Weg in die Inklusion“ veranstaltet, bei der die konkrete Gestaltung inklusiver Schule erörtert wurde. In einem offenen Brief an die niedersächsische Politik informieren die Beteiligten der Fachtagung über wesentliche Ergebnisse und geben Hinweise für die weitere Beratung des Gesetzentwurfes.

Den Offenen Brief finden Sie im Anhang.

Inklusion: Offener Brief an niedersächsische Politik

Emsländische Grund- und Förderschulen wollen gehört werden
Sehr geehrter Herr Minister Dr. Althusmann,
sehr geehrter Herr Vorsitzender Poppe,
sehr geehrte Mitglieder des Kultusausschusses des niedersächsischen Landtages,
sehr geehrter Herr Landrat Winter,

das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen stand Ende November im Mittelpunkt der Fachtagung „Emsländische Schulen auf dem Weg in die Inklusion“, die der Sozialverband SoVD-Landesverband Niedersachsen e.V. zusammen mit dem SoVDKreisverband
Emsland in Kooperation mit Grund- und Förderschulen sowie der
Tagesbildungsstätte in Meppen organisiert hat. Dabei diskutierten Grund- und
Förderschullehrer, Erzieher und Eltern mit Politikern sowie Behörden- und Verbandsvertretern die Chancen und Potenziale inklusiver Schule. Hintergrund ist die langjährige Erfahrung emsländischer Schulen im Bereich der Integration und Kooperation.Inklusion ist eine große gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Derzeit scheint es uns, als
werde diese lediglich als Organisationsaufgabe verstanden. Uns ist wichtig, dass unsere Erfahrungen aus der täglichen Arbeit mit Schülern mit und ohne Behinderungen Eingang in den derzeit im niedersächsischen Landtag diskutierten Gesetzesentwurf zur inklusiven Schule finden. Daher haben wir uns entschlossen, unsere Erkenntnisse auf diesem Weg an die Entscheider in der Politik heranzutragen. Nach unserer Erfahrung benötigt Inklusion:
· multiprofessionelle Teams (Lehrer, Förderlehrer, Heil- und Sozialpädagogen)
· eine durchgängige Doppelbesetzung des Lehrpersonals
· in jeder Grundschule mindestens einen Förderschullehrer, fest verankert im
Kollegium
· die Ausweitung der sonderpädagogischen Grundversorgung (zwei Förderstunden pro Woche und Klasse sind zu wenig)
· Räume, die den neuen Aufgaben angepasst sind
· die Bereitstellung von materiellen Ressourcen (für Personal, bauliche Maßnahmen, Raumgestaltung, Material)
· qualifizierte Aus- und Weiterbildung aller Regel- und Förderschullehrer
· Möglichkeiten für pflegerische Maßnahmen (eine Toilette für Rollstuhlfahrer reicht nicht aus)
· Begleitung und Unterstützung der Regelschulen auf dem Weg in die Inklusion
· Wahlfreiheit auch für die Förderschule Schwerpunkt Lernen Klasse 1-4

Sehr geehrte Damen und Herren, wir appellieren an Sie, unsere Erfahrungen bei den Rahmenbedingungen für die Inklusion in Niedersachsen zu berücksichtigen. Nur so können Schüler mit Behinderungen einen dauerhaften Platz in unserer Gesellschaft finden.

Mit freundlichen Grüßen
Tagesbildungsstätte in Meppen/St. Vitus Werk GmbH
Grundschule Fullen
Ansgarschule Twist
Johannes-Gutenberg-Schule Meppen
Mobiler Dienst Sozial-Emotionale Entwicklung
Pestalozzischule Meppen (Förderschule Schwerpunkt Lernen)
Erich-Kästner-Schule Sögel (Förderschule Schwerpunkt Lernen)
Helen-Keller-Schule Meppen
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