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MS Zeltlager friedlich geentert

   

Es ist guter alter Seemannsbrauch klar Schiff zu machen, bevor man in einen Hafen einfährt. So ähnlich verhielt es sich auch am Mittwoch, denn Bürgermeisterin Stephanie Harms und Stadtbrandmeister Gunnar Scheele hatten sich zum Besuch angesagt.

Da sich der Zeltlagerleiter nach einer anstrengenden Nachtwache noch im Land der Träume befand und es dabei dem großen Seefahrer James Cook gleichtat, einen Kontinent aufzutun, der später einmal ein perfektes Zeltlagermotto darstellen sollte, waren die Offiziere an der Reihe, für Ordnung zu sorgen. Die geschah vortrefflich, lediglich einige unverbesserliche Leichtmatrosen mussten an ihre Pflichten erinnert werden.

Als sich die Mittagszeit näherte, machte sich ein Kribbeln breit, das man sonst nur von den Sankt Elms-Feuern am Kap der guten Hoffnung kennt. Um diese Spannung zu kanalisieren, wurde das volle maritime Ornat befohlen, welches sich wirklich sehen lassen konnte und am späten Abend noch eine Rolle spielen sollte.

Als die Zeit dann gekommen war, erschien der Stadtbrandmeister zunächst als kleiner Punkt am Horizont, allerdings in Begleitung einer Piratenbraut, hinter der sich Geena Davis verstecken kann. Bei näherem Hinsehen erwies sich diese als unsere Bürgermeisterin, die sich, wie sie später verriet, schon lange auf den Besuch auf hoher See gefreut und wie man noch eindrücklich sehen konnte, voll und ganz auf unser Zeltlager (-motto) eingelassen hatte.

Alle Kinder hatten am Eingang die schon bekannte Klatschgasse gebildet, doch zunächst mussten von beiden die Boarding Tickets beim Kondukteur Mario – äußerlich übrigens kaum von einem Gondoliere zu unterscheiden – ordnungsgemäß abgeknipst werden. Zeltlagerleiter Düse hielt dann in einer kurzen Ansprache an die Mannschaft fest, dass die MS Zeltlager schon gute Zeiten und auch einige Stürme durchfahren hatte. Jetzt aber sei es Zeit für eine friedliche Übernahme und ganz im Stile des großen Marko Ramius übergab er dann das Schiff an die Piratenbürgermeisterin.

Beim anschließenden Mittagessen gelang es Bürgermeisterin und Stadtbrandmeister sowohl Mannschafts- als auch Offiziersdienstgrade mit mitreißenden Ansprachen auf ihre Seite zu ziehen. Da der Stadtbrandmeister dann aber doch tatsächlich behauptete, ihm läge das Übernachten in Zelten nicht so – eine Aussage, die nur mit einer fortgeschrittenen Form von Skorbut erklärbar ist – musste er diese Scharte durch großzügiges Verteilen von Eis wieder wettmachen, was dann auch souverän gelang.

Als dann nach einer angemessenen Ruhe an Deck die Nachmittagsaktivitäten aufgenommen wurden, war die Bürgermeisterin nach einem schnellen Foto Fix wieder entschwunden. Aber nein – weit gefehlt! Die Verwaltungschefin hatte sich vorgenommen, am Lagerleben teilzunehmen, statt nur zu besuchen. Und bei dem Blumenstrauß von Aktivitäten wie Basteln, Karaoke üben, Schwimmen, Fußball und Capture the Piratenflag kam sie auch voll auf Ihre Kosten. Nachdem die jüngeren Matrosen mehrere ParkSEE-Runden mit AKo und Düse gedreht hatten, ließ es sich der Lagerleiter nicht nehmen, die Chefin höchstpersönlich im Kanu über das Gewässer zu steuern, die sich hierbei gleich überzeugen konnte, dass der für die Badesicherheit so wichtige „Body call“ oder im Feuerwehrdeutsch das „Truppweise vorgehen“ sichtlich funktionierte.

Als Belohnung sank Frau Harms dann in einen Matrosenstuhl und ließ sich ein zünftiges Abendbrot schmecken. Oh nein – wieder weit gefehlt. Von Spülfee Monika kurzerhand mit Schürze und Hygiene-Handschuhen ausgestattet, gab die Piratenbraut auch als Unterstützung der Essensausgabe eine gute und fleißige Figur ab.

Jetzt stand endlich der Höhepunkt des Tages bevor: Seemans-Karaoke! Beeindruckende 10 Interpretinnen und Interpreten hatten sich mutig in der Gruppe oder noch mutiger allein gemeldet, um zu bewiesen, dass Seefahrer mehr können als nur Shantys – nämlich auch das Lied „80 Millionen“, welches gleich dreimal dargeboten wurde. Trotzdem war das Programm sehr abwechslungsreich und wurde seitens der Zeltlager-Teilnehmer begeisternd dargeboten.


Eigentlich viel zu früh musste dann eine Stimme erst abgegeben und dann gezählt werden. Die Zwischenzeit war dann gefüllt mit Gegensätzen, wie sie nicht größer sein könnten: Als echtes Highlight trat ein ehemaliger Zeltlager-Teilnehmer auf, der spontan eingeschifft werden konnte: Joey Grüneberg lieferte mit einer Soul-Jazz Version von „All the small things“ und „You raise me up“ als Zugabe einen beeindruckenden Beweis seines Könnens ab. Eine Teilnehmerin dazu: „Ich habe erwartet, dass der ganz gut singt und dann haut der uns hier so weg!“. Und jetzt zum Gegensätzlichen: Direkt im Anschluss hatten sich zwei Hafensänger in die Show gemogelt, um den – zugegeben Zeltlager-Klassiker – „Schuld war nur der Bossanova“ zu intonieren, offenbar, weil sie für den nächsten Landgang verzweifelt Geld suchten.

Doch Neptun sei Dank war dieser Spuk schnell zu Ende und die Siegerehrung für das beste Kostüm am Mottotag lag an. Hier konnte Nora mit einem selbstgenähten Kostüm Jakob und Henrike auf die Plätze verweisen und den Wanderpokal aus der Hand der Bürgermeisterin in Empfang nehmen.

Nicht minder groß war die Spannung natürlich im musischen Bereich. Hier zeigte sich an der überwältigenden Stimmmehrheit die ganze Routine eingefleischter Zeltlager-Fahrer: Mit dem taktischen klug gewählten Deutschlandachter-Trainingslied „Aloha he“ konnten Henrike, Jana und Marek den ersten Platz erringen und ebenfalls einen Pokal von Frau Harms entgegennehmen. Unnötig zu sagen, dass das Siegerlied die Messe zum Kochen brachte.

Nun gingen alle Kinder brav ins Bett. Leider ein Drittes Mal weit gefehlt. Denn Düse hatte nach einem großen Dank an Christian und Malte für die Musiktechnik, an Julian für die Vorbereitung, an Vanessa und Ramona für den Kostümwettbewerb, an Marlen und Monika für die Preise, an Sascha für die beiden Cocktails „Seemansblut“ und „Käpten Blaubär“ und an Mario und Christopher für die Regie noch eine letzte Überraschung am Kanthaken: Das goldene Mikrofon für die meisten Zeltlager-Karaoke-Teilnahmen in Verbindung mit der großartigen Unterstützung jüngerer Teilnehmer ging an……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. Henrike. Da Malte am DJ-Pult schneller als eine Muräne zucken kann das von Henrike geschriebene Lied „Traum von Amsterdam“ auflegte, war die Stimmung derart unter der Decke, dass sich die Zeltbahnen nach oben wölbten, dass die Rickmer Rickmers vor Neid ins hellgrüne gewechselt wäre.

Spätestens jetzt war (leider nur für die Kinder…) Bettgehzeit angesagt und unser heutiges Fazit lautet: Ein unfassbar toller Tag und gleichzeitig unfassbar müde.
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