Selbstverwirklichung um jeden Preis?

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Manchmal erschrecke ich darüber, dass in unserer Zeit so stark angesagt ist, zuerst und vor allem sich selbst zu verwirklichen.

Und was tun wir nicht alles, um uns voranzubringen, unser Ich in Szene zu setzen und dabei möglichst wenig vom Leben zu verpassen. Auf diesem Weg „nach oben“ bestaunen und bewundern wir dann noch jene, die es scheinbar geschafft haben: die "Schönen und die Reichen" die Stars unserer Zeit, von denen uns viele überdeutlich demonstrieren, worum es ihnen geht und wie es geht – am eigenen Ich orientiert, ums eigene Ego besorgt, das Vorwärtskommen zum alleinigen Lebensprogramm erhoben.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Selbstverwirklichung finde ich, ist eine wichtige Entwicklung meines Lebens. Sie bedeutet für mich, das zu verwirklichen, was an Talenten, Begabungen und Fähigkeiten in mich hineingelegt wurde, von einem, der einen Plan für mein Leben hat, vom ersten Augenblick an.

Das bedeutet: Wen oder was stelle ich ins Zentrum meines Lebens? Ist es das absolute Ich?

Wenn ich allein auf mich fixiert bin, mein Leben – und meist auch das der anderen – vor allem um sich selber kreisen lasse, mag ich äußerlich stark und selbstbewusst wirken und glänzend dastehen. In Wahrheit verbirgt sich dahinter nicht selten die Angst, mich selbst zu verlieren in eine vermeintlichen Bedeutungslosigkeit hinein – zum Beispiel, wenn ich etwas vom erreichten Status hergeben oder Abstriche machen muss. Dann werde ich sehr schnell mit meinem wahren Selbst und mit meiner Verletzlichkeit konfrontiert.

Und was "bringt" es mir, wenn ich immer wieder diese meine Einstellung überprüfe?
Ich gewinne einen gesunden Abstand zu meinem selbstverliebten Ego und gewinne gleichzeitig einen Blick auf mein verletzbares Ich – ohne mich jedoch davon bedroht zu sehen, denn jetzt kann ich mich selbst besser in diesem Blick annehmen.

Und dabei kann mir mehr und mehr bewusst werden, dass ich den Sinn meines Lebens nicht mit meinen Händen festhalten kann, sondern dass mein Leben schon lange einen Sinn hat: einen von Gott geschenkten Sinn, den ich ein Leben lang, wie einen kostbaren Schatz, staunend und dankbar entdecken darf.

Ein frohes und erholsames Wochende und einen guten Start in die neue Woche.
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7 Kommentare
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Bodo von Rühden aus Dautphetal | 29.08.2008 | 22:22  
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Petra Pschunder aus Langenhagen | 29.08.2008 | 23:17  
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Luis Walter aus Krumbach | 30.08.2008 | 00:36  
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Karin Dittrich aus Lehrte | 01.09.2008 | 12:06  
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Peter Hanel aus Meitingen | 01.09.2008 | 23:52  
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Max Bils aus Aichach | 03.09.2008 | 11:43  
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Edith Rau aus Weimar | 09.09.2008 | 19:29  
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