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?Hartz-Muttis?: Bürgermeister Borbe in der Kritik - Äußerungen des Rathaus-Chefs auf Frühstück mit Unternehmerinnen sorgen in der Bernsteinstadt und darüber hinaus für Empörung.

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Ribnitz-Damgarten: Die abfälligen Äußerungen von Bürgermeister Jürgen Borbe (CDU) über Hartz-IV-Bezieher haben eine kontroverse öffentliche Diskussion entfacht. Zahlreiche Leser schrieben an die OZ. So meint SPD-Stadtvertreterin Susann Wippermann aus Ribnitz-Damgarten, dass es dem Bürgermeister vielleicht noch gar nicht aufgefallen sei, dass es unter den Hartz-IV-Empfängerinnen ganz viele gäbe, die jeden Morgen zur Arbeit gingen und deren Einkommen trotzdem nicht ausreiche, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Oder Uni-Absolventinnen, die nach der Ausbildung keinen Arbeitsplatz fänden. Gerne lade sie Herrn Borbe zu einem ?Hartz-IV-Mutti-Frühstück? ein. Ganz ohne Bier, Zigaretten und Fernsehen. Michael Schmidt aus Zingst sagt: ?Wie Bismarck bereits feststellte, dauert bei uns alles etwas länger. Deshalb entdecken wir erst jetzt unseren ?Bodden-Sarrazin?! Die Hartz-IV-Empfängerinnen zu diffamieren, ist eine nicht hinnehmbare Entgleisung!? Hintergrund der Empörung sind Äußerungen Borbes, der auf einem Treffen mit Unternehmerinnen am Donnerstag unter anderem von ?Hartz-IV-Muttis?gesprochen hatte, die ?fernsehen, rauchen und trinken?. Zu seinen verbalen Ausfällen gehörte auch die Aussage: ?Die Guten vermehren sich nicht genug. Die, die zu Hause sitzen schon.? Thomas Müller aus Nürnberg, der bei OZ-online davon gelesen hat, kündigte eine Anzeige gegen Borbe bei der zuständigen Staatsanwaltschaft an. ?Es reicht mit der Verächtlichmachung und Hetze gegen arme Menschen in diesem Land?, schreibt er in einer E-Mail an die OZ. ?Ein Bürgermeister, der so über seine Bürger spricht, hat entweder nicht alle Tassen im Schrank oder er tut es wohlüberlegt und mit voller Absicht, um gegen die Betroffenen schlechte Stimmung zu machen. In beiden Fällen ist er falsch in seinem Amt.? Wilfried Fischer aus Wieck schreibt: ?Der Bürgermeister funktionierte das Unternehmerinnen-Frühstück kurzerhand in eine Wahlkampfveranstaltung der CDU um. Nach Selbstbeweihräucherung und Lobeshymnen auf den Landrat zeigte er sein wahres Gesicht, denn ?Hartz-IV-Muttis? sind ja nicht anwesend. Er zieht über alles her, was die Herren bedrückt und kommt zur Schlussfolgerung: ?Hartz-IV-Empfängerinnen sind kinderreiche, rauchende, trinkende Asoziale mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr ohne ?Deutschen Ethos?. In welchem rechten Sumpf fischen diese Herren nach Wählerstimmen?Liane Wiedemann aus Ribnitz-Damgarten war Gast beim Unternehmerinnen-Frühstück. Ihr Eindruck: ?Dort hat der Bürgermeister die Dinge beim Namen genannt. Das muss doch auch möglich sein. Er hat es zwar sehr heftig getan, doch die Dinge sind halt so: Manche Hartz-IV-Familien legen sich in die soziale Hängematte.? Ähnlicher Meinung ist Kenneth Meissner aus Ribnitz-Damgarten: ?Endlich jemand, der mal das sagt, was ganz Ribnitz denkt.? Er empfiehlt, in die Schulen nahe der Danziger Strasse zu gehen, dort könne man genau das sehen, was Borbe angesprochen habe.FDP-Stadtvertreter Manfred Widuckel meint: ?Es ist schwer, zu bestimmten Themen die richtigen Worte zu finden. Aber es ist wichtig, dass alles angesprochen werden darf. Dabei müssen alle Seiten auch harte Worte vertragen können. Wenn verletzende Worte gefallen sein sollten, wird sich der Bürgermeister auch dazu äußern. ? Peter Warnke, Stadtvertreter der Unabhängigen: ?Für mich sind nicht die Äußerungen von Herrn Borbe das Problem, sondern, dass so viele Menschen in unserer Gesellschaft keine Perspektive haben.? Scharfe Angriffe hat der Landeschef der Linken, Steffen Bockhahn, gegen Bürgermeister Borbe gerichtet. Die durch nichts belegbare Verunglimpfung von Hartz-IV-Empfängerinnen sei absolut verantwortungslos und deplatziert. ?Sie zeigt, dass Borbe keinerlei Kompetenz für Soziales hat?, meint er.Teilen auch Sie uns Ihre Meinung zu diesem brisanten Thema mit.Jürgen Borbe hat sich für mich in diesem Fall völlig im Ton vergriffen.?Florian Stark (20)Der Bürgermeister sollte sich überlegen, was er öffentlich sagt.?Renate Behnke, Stadtvertreterin Die LinkeSo sehen es der Bürgermeister und die GleichstellungsbeauftragteZum Beitrag ?Frühstück mit Bürgermeister Borbe...? (OZ v. 18.3.) schrieben Jürgen Borbe und Gleichstellungsbeauftragte Antje Weilandt:Wir sind zutiefst enttäuscht, was Sie aus einer lang andauernden Veranstaltung ? immerhin gut zwei Stunden?, in der viele Probleme intensiv angesprochen wurden, (zum Beispiel Kreisreform, Funktionalreform, Lehrlingsmangel, Fachkräftemangel, Kinderbetreuung, Wertediskussion und Werteerziehung, Einstellung zur Arbeit, Bildungsproblematik, Kundenfreundlichkeit, Serviceattraktivität und anderes) in Ihrem Artikel gemacht haben.Ihr Artikel gibt nicht im Geringsten das Klima und die Intension der Diskussionsteilnehmer wieder. Dieser Artikel ist eine Beleidigung der aktiven Frauen, die sich bereit erklärt haben, im Rahmen der Frauenaktionswoche an diesem gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen.Der Bürgermeister könnte diplomatischer sein.?Karl Wulf (80)
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1 Kommentar
rau,manja
rau,manja | 22.03.2011 | 15:18  
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