Der Weihnachtstraum

Sie nahm das letzte Blech Weihnachtsplätzchen aus dem Ofen, die ihren Duft durch das ganze Haus verströmten.
Der Glühwein war noch warm in ihrer Tasse und sie verlieh den Plätzchen ihren letzten Glanz.
Es war ein ruhiges Weihnachtsfest. Fast ganz so, wie sie es in diesem Jahr erwartet hatte. Fast, wie sie es sich gewünscht hatte.
Es war auch das erste Weihnachtsfest mit diesem Mann, den sie für ihr Leben und für ihre Träume fand.
Am Nachmittag war sie noch in die Stadt gefahren, hatte sich ein Märchenbuch gekauft, das sie für sich selbst unter den liebevoll geschmückten Baum legte. Ebenso einen Knochen für den Hund, eine Spielzeugmaus für ihre Katze und auch ein kleines Päckchen für ihren Liebsten.
Einige Gedanken hat sie sich gemacht, womit sie ihn beglücken würde.
Es sollte etwas sein, was er gut gebrauchen könne. Etwas, was er immer bei sich tragen kann und etwas, was kein Aufsehen erregt.
Etwas Männliches hat es sein sollen, doch nichts Versnobtes.
Edel, doch in keinem Falle übertrieben.
Keine Ahnung hatte sie, wo sie etwas dergleichen finden würde, doch wie es der Zufall wollte, fand sie es schon im ersten Geschäft, das sie aufsuchte.
Es war genau das Teil, das ihr die Verkäuferin keinesfalls zeigen wollte.
Doch bei jedem andren sagte sie: „Das ist er nicht!“
Verzweifelt zeigte sie nun doch das, das sie ihr nicht geben wollte und nach einem Jubelschrei hat sie entdeckt, dass es genau das war, was sie suchte.
Nun lag es da das Päckchen, liebevoll in Weihnachtspapier geschlagen zwischen Knochen, Spielmaus, Märchenbuch. Doch wann er es entgegennehmen konnte, das wusste sie zu diesem Zeitpunkt nicht.
War es noch an den Weihnachtstagen?
War es noch in diesem Jahr?
Sie wollte ihm damit sagen, dass er was ganz besonderes für sie war.
Die Kirche war nicht weit von ihrem Haus und läutete den Weihnachtsabend ein.
Um ein wenig in weihnachtliche Stimmung zu geraten, zog sie ihren warmen Mantel an und trottete zum Weihnachtsgottesdienst.
Es war ein bitterkalter Wintertag, doch die Sterne strahlten wunderschön an ihrem Firmament.
Die Familien verschwanden hinter ihren Türen, sie wurde stürmisch von ihrem Hund begrüßt und von ihrer Katze, die die Gerüche aus dem weihnachtlichen Zimmer längst vernommen haben und drängten, sie möge sie hinein lassen.
Sie ließ sich nun erweichen.
Weihnachtliche Musik erklang und sie ließ sich nieder mit dem Märchenbuch, das sie sich in der Stadt geleistet hat.
Sie las von Schneewittchen und Frau Holle, dem Froschkönig, Rumpelstilzchen und Dornröschen, dann fielen ihr die Augen zu und sie träumte vom Frosch, der plötzlich im Antlitz von ihrem Liebsten erschienen war.
Sie träumte von Frau Holle, die ihren Weg mit weichen Schneeflocken bestreute, wie er sie vor einem vergifteten Apfel rettete, sie sich in den Armen lagen und Freudentänze aufführten.
Als sie die Augen öffnete fühlte sie sich wie in Trance, als sie seine Lippen auf den ihren spürte, neben ihm ein Koffer stand. Er jetzt da war und auch blieb und sie von dem Moment an auch im Alltag gemeinsam auf Wolken durch das Leben schritten.
Eine ganz besondre Weihnachtsüberraschung.
Ein ganz besonderer Weihnachtstraum.
Ein Märchen, das wahr geworden ist.
Das Märchen vom ersten gemeinsamen Weihnachtsfest.


(C) Beatrice Voglrieder
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2 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 22.12.2009 | 18:23  
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Brigitte Obermaier aus Ismaning | 19.12.2011 | 08:47  
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