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Die tollsten Pilzfunde 2008 - überarbeitete und fertige Fassung!

Riesenkrempentrichterling (Leucopaxillus giganteus)
 
Januar: Judasohren im Schuppen auf Buche
 
Januar: Samtfußrüblinge, die Masse kam allerdings zur Jahreswende 08/09
Für mich war es wieder ein tolles Pilzjahr! Aber das ist wohl jedes Jahr so; mal sind es die Massen, mal tolle Einzelexemplare ... Schließlich ist die Pilzwelt ja so eingerichtet, dass je nach Wetter- oder Klimalage bestimmte Arten stärker hervortreten, andere sich zurückziehen. So habe ich hier als Titelbild die Riesenkrempentrichterlinge ausgewählt, eine imposante und essbare Gebirgsart (auf Almwiesen usw.), die in diesem September bei uns im Norden auftauchte und riesige Hexenringe bildete - der Klimawandel lässt grüßen.
Das Jahr begann mit netten winterlichen Pilzfunden: Austernseitlinge, Winterrüblinge und Judasohren. Was das für ein großer schimmeliger Pilz im Keller des Pfarrhauses war, wurde nicht geklärt: vielleicht der gefährliche Haus- oder der Kellerschwamm; egal, das Pfarrhaus wird inzwischen gründlich renoviert. Februar: Flaute. Dann kam der Knaller im März: Meine liebe Kollegin Kerstin hatte in ihrem Garten Becherlinge entdeckt - zeitig im Jahr und auf Schotter wachsend, ganz bescheidene Gesellen also. Er konnte als der
recht seltene Wachsbecherling identifiziert werden. Kurz danach fand ich dann noch Peziza micropus, leider nicht fotogen. Dem Wachsbecherling - Peziza cerea - widmete ich einen extra Beitrag; ebenso dem nächsten Pilz, den ich in meinem Berlingswahn ebenfalls für einen Peziza hielt: nach etlichen Abwesenheitsjahren in Mecklenburg entdeckte ich vor meinem sonntäglichen Orgelspiel in Kirch Grambow bei einer Spazierrunde ums Pfarrhaus - ich war 5 min zu früh gekommen, was eigentlich gar nicht meine Art ist - die Flatschmorchel. Auch hierzu gibt es so viel zu sagen, dass ich ein extra myheimat-Pilzportrait schreiben musste.
Dann kam die Mai- und Morchelzeit, in unserer Ecke eher uninteressant, da sich Morcheln und Lorcheln im Frühling hier wegen Bodenbeschaffenheit und Klima selten blicken lassen. Immerhin tolle und für unsere Region, wie gesagt seltene Einzelfunde, mit der Flatschmorchel zusammen immerhin fünf Morchelarten!
Ebenfalls im Mai: eimerweise Schwefelporlinge! Wenn man die schon allein in der Küche abkocht - was man wohl tun soll - dann duftet diese wie ein Garten voller Blumen und Obst. Das ist zwar blumig ausgedrückt, aber ... - siehe das entspr. Pilzportrait mit einigen wunderküchigen Zubereitungstipps!
Ab Anfang Juni kam die große Sommerflaute. Die Pilzleere von Mitte Januar bis Ende März war schon bitter genug, aber wohl doch eher normal, aber vom 1. Juni bis zum 1. September so gut wie keinen Pilz zu sehen, das war schon bitter (da esse ich lieber bittere Pilze als solch bittere Zeiten zu erleben; Spaß) .Weder essbare noch giftige, auch nicht mal ganz kleine Pilze irgendwo!!! Der Kurzurlaub in Bochum brachte lediglich ein paar Dickschalige Kartoffelbovisten - und das ist für uns fast schon Süd-Süd-Deutschland. Besseren Trost gab es dann im zweiten Kurzurlaub im Spreewald, Ende August: die dort wenig geachteten bzw. gar nicht bekannten Apfeltäublinge waren für uns ein kullinarisches Höchstmahl!; Pfifferlinge, welche man in unserer Ecke bei Wismar / Schwerin kaum findet, fanden wir zwar auch, jedoch geschmacklich kamen sie bei Weitem nicht an die "Russulas" (im dortigen Russenwald =
ehem. Militärgebiet) heran. Wieder zu Hause angekommen erwartete mich ein großer stolzer "Champignon": ganz allein und stolz stand er da in völlig trockener und pilzleerer Landschaft. Die bräunlichen dicken Schuppen hatte ich bald gründlich abgeputzt; nur die Lamellen waren und blieben erschreckend weiß. Zum Glück haben wir mit Torsten Richter einen echten Experten vor Ort. Er entlarvte meinen Fund als den seltenen Fransigen Wulstling. Okay, so schmierte ich etwas Dreck an den Hut, um die abgeschrubbten Schuppen wieder herzustellen und machte ein paar Fotots (siehe Pilzportrait). So einige Egerlinge fanden sich im Verlauf des Herbstes dann doch noch, auch schöne braune Waldchampignons, vor allem jedeoch immer wieder die giftigen Karbolegerlinge. Unsere liebe Küsterin Kerstin führte mich dann mal wieder in ihren Garten um mir ganz kleine Stäublinge zu zeigen. Es waren Leopardenfellbovisten - welch hübscher Name - bis vor einigen Jahren noch als Varietät des Dünnschaligen Kartoffelbovisten geführt, jedoch nur erbsengroß. Die Entdeckung des Zottigen Schillerporlings war eine besonders große Freude; er war ja auch besonders groß, und so pelzig - wird ja auch Pelzporling genannt, und an der Unterseite so schöne Gutationstropfen. Glücklicher Weise konnte er die Zeit bis zu den "Tagen der Pilze" im Oktober überdauern und zierte dann als Einziger seiner Art neben 320! weiteren Arten unsere Pilzausstellung. Die Netzstieligen Hexenröhrlinge sprossen erst im Oktober, dann aber so reichlich, dass ich Mühe hatte, alle zu ernten, zu verschenken, zu verarbeiten ... Im Jahr zuvor hatte ich einen Selbstversuch unternommen und festgestellt, dass er das Coprinus-Syndrom mitnichten auslöst. So kann ich diesen festen, steinpilzähnlichen Pilz immer kräftig genießen, auch ist mit kein einziger Fall von Unverträglichkeit in meinem Umfeld bekannt; natürlich mahne ich jeden Erstgenießer zur Vorsicht..
Unseren Augen trauen konnten wir kaum, als wir auf dem Sportplatz den riesigen Hexenring von Riesenkrempentrichterlingen sahen: etwa 70 zum Teil suppenteller-große (und größere) Exemplare, die ich oben ja schon erwähnte. Wir konnten uns überzeugen, dass diese Art tatsächlich die Eigenschaft besitzt, im Kreise des Hexenringes, auch dort, wo keine Fruchtkörper stehen, alle Vegetation zu verdrängen. Zum Glück waren Ferien und damit für den Pilz Gelegenheit längere Zeit zu stehen und auszusporen. Ich hatte zu der Zeit so viel an den Hexenpilzen zu knabbern, dass ich gar nicht zum Verkosten dieser Tellerpilze kam. Aber mein Schwiegeronkel hat sich eine schöne leckere Mahlzeit zubereitet. Nun gut, kommen wir zum Herbst:
Die standorttreuen büscheligen Raslinge aus Nachbars Garten brachten wieder einmal viele Gaumenfreuden, dieses Mal schon im Oktober. Im vorigen Jahr erschienen sie erst Ende November in einer Matsch-Frost-Periode und ließen sich nur mikroskopisch eindeutig entlarven: ein schöner und festfleischiger Pilz ohne Larven und so. Zum Fotografieren zu faul war ich wohl beim emsigen Einsammeln von Nelkenschwindlingen und Herbsttrompeten. Letztere fand ich im Herbst des Vorjahres sieben-große-Körbe-weise; in diesem Herbst immerhin reichlich! Aus diesen "Schwarzen Pfifferlingen", welche ihren gelben Geschwistern geschmacklich keinesfalls nachstehen, bereiteten wir so manch leckere Mahlzeit oder auch Pilzmehl zum Würzen. Ein exzellenter Pilzmehl-Würzling ist auch der eben genannte
Nelkenschwindling, kleiner gelber Pilz - nicht nur in Nachbars Garten! Gut, zum Herbst sag ich nichts weiter, denn im Herbst findet man so viele Pilze, da könnte ich mich dumm und dusslig reden, und das möchte ich nicht: Maronen, Schirmpilze ... und dann der große Steinpilz Ende November! Wichtig war für mich - hier nun wieder das Thema Klimaerwärmung - die Möglichkeit der Unterscheidung des Stockschwämmchens von seinem tödlich giftigen Doppelgänger, dem Tannen- oder Gifthäubling. Dieser giftige Pilz kam früher nur in Süd-Deutschland und südlicher vor. Bei ungünstigen Witterungsverhältnissen ist er weder mit Auge noch mit Nase vom so beliebten Stockschwämmchen zu unterscheiden; auch ist er an gleicher Stelle wachsend.
Nur mit Hilfe des Mikroskopes und bestimmter Tests ist man hier auf der sicheren Seite. Wer Genaueres wissen möchte, der möge mich kontaktieren.
Und schon sind wir im Winter. Ich wurde so reich an Winterpilzen beschenkt, dass mir die Worte fehlen. Deshalb sage ich auch nichts mehr. Und ich hatte so viele Austernseitlinge, Judasohren und Samtfußrüblinge zu verzehren, dass ich noch lange daran zu verdauen habe.
Am Neujahrstag, am 01.01 2009 fanden wir einen großen Korb voller .......... Ach, das darf ich ja noch nicht verraten; hier geht es ja um den Rückblick 2008! Na gut, ganz kurz, es waren fünf essbare und etwa mindestens 20 weitere Arten, z.T. sehr seltene ....

Ein schöner Jahresbeginn. Dankeschön an alle Mitsucher und Mitinteressenten - und an den Pilzverein Rehna und besonders an den Schöpfer all dieser genannter Kreaturen!!!
Diakon Matthias Krause.
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3 Kommentare
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Helmut Nimsgern aus Günzburg | 22.01.2009 | 12:06  
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Volker Jödicke aus Dassow | 22.01.2009 | 19:35  
387
Matthias Krause aus Rehna | 23.01.2009 | 18:54  
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