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Kein Frieden ohne Gott? Zu Benedikts Weihnachtspredigt

In Preußen bis 1918
„Wo Gott nicht in Ehren steht, wo er vergessen oder gar geleugnet wird, da ist auch kein Friede. Heute freilich behaupten weitverbreitete Strömungen des Denkens das Gegenteil: Die Religionen, besonders der Monotheismus, seien der Grund für die Gewalt und für die Kriege in der Welt. Von ihnen müsse man die Menschheit zuerst befreien, damit Friede werde. Der Monotheismus, der Glaube an den einen Gott, sei Rechthaberei, Grund der Intoleranz, weil er sich von seinem eigenen Wesen her allen mit dem Anspruch der alleinigen Wahrheit aufdrängen wolle. Nun ist wahr, daß in der Geschichte der Monotheismus als Vorwand für Intoleranz und Gewalt gedient hat. Wahr ist, daß Religion erkranken und so sich ihrem tieferen Wesen entgegenstellen kann, wenn der Mensch meint, selbst die Sache Gottes in die Hand nehmen zu müssen und so Gott zu seinem Privateigentum macht. Gegen diese Verzerrungen des Heiligen müssen wir wachsam sein. Wenn Mißbrauch der Religion in der Geschichte unbestreitbar ist, so ist es doch nicht wahr, daß das Nein zu Gott den Frieden herstellen würde.“

Volltext => http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/hom...

[Aus der PREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI. im Petersdom am 24. Dezember 2012. Quelle: Libreria Editrice Vaticana 2012]

Wahr ist aber auch, dass die Kirche selber ihren christlichen Monotheismus Jahrhunderte lang auf sehr unfriedliche Weise verbreitet hat: mit „Feuer und Schwert“, mit Gewalt, Folter, Mord und Krieg. Folgen wir der päpstlichen Logik, dann müsste der christliche Gottesglaube in vielen Teilen der Welt o h n e G o t t , in geistlicher Totalamnesie, erzwungen worden sein.

Wahr ist, dass mit Billigung und geistlicher Unterstützung beider christlichen Kirchen Kriege geführt worden sind. Noch im 20.Jahrhundert hat die katholische Kirche Gewaltsysteme, Diktaturen mit hervorgebracht, u. a. in der Karibik, in Lateinamerika, Spanien, Portugal, auf dem Balkan. Oder sie hat, wie auch die evangelische Kirche, mit ihnen paktiert, in Italien, in Deutschland.

Kirchenmänner behaupten, Hitler sei ein „Gottloser“ gewesen. War er es?

„Ohne Gottesglauben können die Menschen nicht sein. Der Soldat, der drei und vier Tage im Trommelfeuer liegt; braucht einen religiösen Halt. Gottlosigkeit ist Leerheit.“

Hitler zu Kardinal Faulhaber bei dessen Besuch 1936 auf dem Obersalzberg.

[PETER PFISTER, SUSANNE KORNACKER, VOLKER LAUBE: Kardinal Michael von Faulhaber 1869-1952. Obersalzberg-Protokoll 1936 S. 541-547]

Hingegen waren und sind alle pazifistischen Denker und Dichter, Philosophen und Naturwissenschaftler von Buddha bis Immanuel Kant und Clinton Richard Dawkins Agnostiker und Atheisten. Kein Mensch wird durch die Ablehnung des Gottesglaubens daran gehindert, Frieden zu schaffen oder dazu beizutragen.
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