Anzeige

Eine beindruckende Ausstellung mit bedrückenden Bildern

ist vom 27. August bis 19. November in der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen. Über 100 Werke der in Recklinghausen geborenen Künstlerin Rosemarie Inge Koczÿ sind ausgestellt. Den Schwerpunkt bilden Tuschzeichnungen aus dem Zyklus „Ich webe Euch ein Leichentuch“, mit dem die Künstlerin an die Opfer der Shoah erinnert. Außerdem sind Gemälde und Skulpturen zu sehen. Die Ausstellung steht nicht nur für die Vergangenheit, weil sie uns an die schrecklichste Zeit deutscher und menschlicher Geschichte erinnert, sondern sie steht auch für die Gegenwart und Zukunft, weil sie uns und künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnt, damit wir den Anfängen wehren.

Rosemarie Inge Koczÿ wurde am 5. März 1939 in Recklinghausen geboren. Mit drei Jahren wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft deportiert. Sie überlebte die Shoah in zwei Konzentrationslagern. Nach dem Krieg lebte sie in einem katholischen Waisenhaus in der Nähe von Münster. Im Jahre 1959 ging sie nach Genf und studierte ab 1961 Kunst an der Ecole des Arts Decoratifs. Durch ihre erste Heirat erhielt sie schweizerische Staatsbürgerschaft. In zweiter Ehe war Rosemarie Inge Koczÿ von 1984 bis zu ihrem Tod am 12. Dezember 2007 mit dem US-amerikanischen Komponisten Louis Pelosi verheiratet. Sie wurde dadurch US-Amerikanerin. Im Jahre 1972 lernte sie Peggy Guggenheim und den Direktor des Solomon Guggenheim R. Museums in New York, Thomas Messer, kennen.

Zur Ausstellungseröffnung am 27. August waren aus den USA die Kuratorin Marion M. Callis und Louis Pelusi, der zweite Mann der Künstlerin, gekommen. Zwischen den Bildern waren Texte der Lyrikerin Rose Ausländer (1901–1988) zu lesen, die wie Rosemarie Inge Koczÿ jüdischer Herkunft war. Besonders gefielen mir die fünf Ölgemälde, die einen Menschen – wohl aufgrund seines Aussehens: magerer Körper und Gliedmaßen, einen KZ-Häftling – darstellen. Während das erste Bild noch zur figurativen Kunst zugeordnet werden kann, nimmt die Abstraktion bei den folgenden Bildern zu. Dennoch ist ein dargestellter Mensch bis zum Schluss zu erkennen. Recklinghausen kann sich glücklich schätzen, dass es einen großen Teil der Werke von Rosemarie Inge Koczÿ vermacht bekommt. Somit ist gewissermaßen eine vertriebene Tochter wieder nach Recklinghausen zurückgekehrt. Damit ist die Kunsthalle Recklinghausen in eine Reihe mit bedeutenden Museen der Welt zu setzen, denn Rosemarie Inge Koczÿs Werke werden und wurden in zahlreichen Ausstellungen in den USA – z. B. im Solomon R. Guggenheim Museum, New York –, in der Schweiz, in Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien – u. a. in der Peggy Guggenheim Collection, Venedig – und Japan gezeigt. Außerdem besitzen die Gedenkstätten zur Shoah – Buchenwald und Yad Vashem, Jerusalem – Arbeiten der Künstlerin.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.