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"Die Zeit des Nationalsozialismus im Spiegel von Briefmarken und Geldscheinen"

lautete der Vortrag, den Ewald Zmarsly - Erster Vorsitzender des Briefmarkensammler-Vereins Recklinghausen (BSV) - am 10. Juli in der Gaststätte Lindenhof hielt. Hiermit startete das "Philatelie-Forum" des BSV. Jeden zweiten Monat soll am zweiten Mittwoch um 18 Uhr in der genannten Gaststätte ein Referent vortragen. Diese Vortragsreihe richtet sich bewusst an jedermann, also nicht nur an Briefmarkensammler.

In dem heutigen Vortrag zeigte der Referent, wie im Laufe der Zeit nationalsozialistische Ereignisse die Motive der Briefmarken dominierten. Gezeigt wurden Briefmarken und Banknoten des Deutschen Reiches, Protektorats Böhmen und Mähren sowie Generalgouvernements. So weisen die Briefmarken zur Deutschen Nothilfe, die Ende 1933 verausgabt wurden, erstmals Hakenkreuze als Wasserzeichen auf. 1934 erschienen erstmals Briefmarken zu einem nationalsozialistischem Thema, der Parteitag der NSDAP. Auf ihnen dominiert noch die Nürnberger Burg, d. h. die Geschichte, während das Hakenkreuz nur schwach erkennbar ist. Ein Jahr später ist die Schwerpunktbildung auf den Briefmarken zum gleichen Anlass umgekehrt. Es ist andererseits verwunderlich, dass Adolf Hitler, der nach dem Tode von Reichspräsident Paul von Hindenburg am 2. August 1934 Staatsoberhaupt wurde, erst 1937 auf Briefmarken dargestellt ist. Im Zweiten Weltkrieg finden sich zunehmend nationalsozialistische Themen und der Krieg (dargestellt sind eingegliederte Gebiete, Hinweise auf die Waffenbrüderschaft mit Italien, Soldaten und Waffen) als Motive. Ferner weisen die meisten Briefmarken währed des Krieges Zuschläge auf, die häufig höher als das Porto sind. Während die ersten Geldscheine (50, 100 und 1000 RM, RM = Reichsmark) in ihrer Gestaltung den Geldscheinen (10 und 20 RM) der Weimarer Republik ähnelen - z. B. Adler, Unterschrift durch das Reichsbankdirektorium - gibt es große, wenn auch für den Laien nicht sofort auffallende Unterschiede bei den später herausgegeben Banknoten zu 20 und 5 RM. Ein Grund hiefür ist, dass die Reichsbank nicht mehr unabhängig war.

Bei den Briefmarken des Protektorats Böhmen und Mähren - sie sind fast alle zweisprachig -, ähneln die der Dauerserie denen der Tschechoslowakei vor der deutschen Besetzung am 15. März 1939. Außerdem gibt es Hinweise auf die böhmische Geschichte (Mittelalter), da der böhmische König ein deutscher Kurfürst war. Die Geldscheine (die Währung war 1 Krone = 100 Heller, 10 Kr entsprachen 1 RM) sind ebenso zweisprachig.

Beim Generalgouvernement, einem Nebenland des Deutschen Reiches, weisen die Briefmarken ausschließlich deutsche Texte auf. Es wurden auch Briefmarken verausgabt, die Perönlichkeiten der Geschichte zeigen - selbstverständlich aus deutscher Sicht. So ist u. a. August der Starke auf einer Briefmarke abgebildet. Er war sächsischer Kurfürst und wurde zum polnischen König gewählt. Die Geldscheine, sie wurden von der Emissionsbank in Polen verausgabt - man beachte den Namen, schließlich wurde der polnische Staat nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht und Rote Armee der Sowjetunion zerschlagen - weisen hingegen nur die polnische Sprache auf. Bemerkenswert ist, dass auf dem Geldschein zu 20 Zl (1 Zloty = 100 Groschen, 2 Zl entsprachen 1 RM) - wie bei der Banknote zu 20 Zl aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg - eine polnische Adlige und Patrioten abgebildet ist. Sie kämpfte aber 1831 gegen das zaristische Russland, d. h. nicht gegen Preußen oder Österreich.

Nach dem Vortrag gab es für die Besucher noch genügend Zeit für Fragen. Erfreulich war, dass die meisten von ihnen keine Briefmarkensammler sind, sondern sich für die Geschichte des Nationalsozialismus interessieren.
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