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S-Bahnausbau zwischen Daglfing und Johanneskirchen: Stadt muss endlich Farbe bekennen

Anfang Januar stellte das Münchner Rathaus eine Nahverkehrsoffensive für die Landeshauptstadt vor (SZ, 11.1.2018: „München will 5,5 Milliarden Euro für Ausbau des Nahverkehrs ausgeben“). Aufgelistet werden darin eine Reihe von U-Bahn und Strassenbahnprojekte. Was jedoch fehlt ist der dringend notwendig 4-gleisige Ausbau der Flughafen-S-Bahn zwischen Daglfing und Johanneskirchen.


Die Flughafen S-Bahn S8 ist der am stärksten ausgelasteten S-Bahnaussenast des Münchner S-Bahnsystems. Gemäss dem Gutachten zur 2. Stammstrecke waren bereits 2010 zwischen den Bahnhöfen Leuchtenbergring und Daglfing an einem Werktag in beiden Richtungen mehr als 45‘000 Personen pro Werktag unterwegs (siehe Seite 14). Die S-Bahnzüge Richtung Flughafen weisen in der Spitzenstunde die höchste Überfüllung aller S-Bahnlinien auf (siehe S. 29 des Gutachtens). Der Einwand, dass der S-Bahnausbau Sache des Freistaats und nicht der Landeshauptstadt ist, gilt hier nicht. Da auf dieser Strecke auch viele Güterzüge unterwegs sind, wird dieses Projekt vom Bund finanziert. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist dieses Projekt mit höchster Priorität aufgelistet. Der Bund ist jedoch nur bereit, dieses Projekt oberirdisch zu finanzieren. Angeblich ist die Deutsche Bahn mit der oberirdischen Planung soweit fortgeschritten, dass sie 2023 die Planfeststellung einleiten könnte. Die Landeshauptstadt wünscht jedoch einen unterirdischen 4-gleisigen Ausbau der Bahnstrecke und muss diesen auch finanzieren. Dazu müsste sie einerseits die Deutsche Bahn mit den Planungen beauftragen und andererseits eine Finanzierungszusage geben. Beides ist offensichtlich noch nicht geschehen. Die Mehrkosten einer Tieferlegung statt eines oberirdischen 4-gleisigen Ausbaus werden auf knapp 1 Mrd. Euro geschätzt, und als frühester Termin für die Inbetriebnahme des Tunnels wird 2035 oder 2037 genannt (siehe SZ, 1.12.2017: «Bangen um den Bahntunnel» bzw. Merkur, 2.2.2017: "Grüne: ÖPNV-Anschluss nicht verschlafen").

Durch das Hinauszögern der Entscheidung der Landeshauptstadt über den Tunnel Daglfing-Johanneskirchen schadet die Stadt nicht nur den Flugreisenden und Beschäftigten aus der Landeshauptstadt, sondern jenen aus ganz Bayern, die mit dem Zug anreisen. Sie werden sozusagen als Geisel genommen und müssen sich weiterhin in hoffnungslos überfüllten Zügen zum Flughafen quälen. Es ist also höchste Eisenbahn, dass die Stadt München hier vorwärts macht.



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