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Die Geschichte des SC Potsdam von 1961 bis 1969

Logo des SC Potsdam von 1961 bis 1969. (Quelle: SCP/Repro: Gerhard Pohl)
 
Der erste Leiter des SC Potsdam, Karl Fietzke -mitte-, von 1961 bis1969. (Repro: Gerhard Pohl)
 
Märkische Volksstimme vom 09.02.1961. (Repro: Gerhard Pohl)
 
Helmut Klopp, führte den SC Potsdam von 1966 bis 1969. (Repro: Gehrard Pohl)
   
Weltmeister 1966 im KII - Anita Kobus und Helga Ulze vom SC Potsdam. (Quelle MAZ/Repro: Gerhard Pohl)
 
Fußballprogramm vom 5.April 1964. (Repro: Gerhard Pohl)
 
Die SCP-Spieler (li) Siegfried Aldermann, Edgar Borowietz, Reiner Geserich, Gerhard Rössel u. Dietrich Wendorff (Quelle: Potsdamer Sportzeit/Repro: Gerhard Pohl)
Der SC Potsdam ist ein Verein, der zwei Gründungsdaten hat. Da stehen das Jahr 1961 für den SC Potsdam (SCP) und das Jahr 1994 für den heutigen SC Potsdam e.V. Hier sollen die Jahre 1961 bis 1969, die sportlich mit Titeln und Medaillen bei Welt-, Europa- und DDR-Meisterschaften sowie der Teilnahme von Athletinnen bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko sehr erfolgreich waren, betrachtet werden.

Mit Hochachtung muss man aus damaliger und besonders auch aus heutiger Sicht hervorheben, was in dieser Zeit vom Club an Ergebnissen ‚gezaubert’ wurde – allergrößten Respekt! Auch nach der Auflösung 1969 gelangten in anderen Sportgemeinschaften oder SC’s, wie u.a. dem ASK Vorwärts Potsdam, Stahl Brandenburg oder der BSG Motor Babelsberg (1966), wo die Athletinnen und Athleten eingegliedert wurden, ehemalige SCP’er zu bedeutenden nationalen- bzw. internationalen Erfolgen (Leichtathletik, Kanu).

Was für die Sportlerinnen und Sportler zutraf, galt analog auch für die Mitarbeiter sowie Trainer. Sie arbeiteten weiterhin in wichtigen Funktionen in Verbänden, Kreis- und Bezirksvorständen des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB), dem Bundesvorstand des DTSB (später DTSB der DDR), als Sportlehrer oder Trainer weiter.

Mir ist es bereits am Beginn dieser Chronik ein großes Bedürfnis, all den vielen Zeitzeugen, wie u.a. damaligen Mitarbeitern, Trainern, Sportlern sowie Clubmitgliedern und Ehrenamtlichen aus diesen Jahren zu danken, die mit viel Leidenschaft, Freude und Offenheit über Aufgaben, Struktur, Ergebnisse und vor allem den in dieser Zeit immer wieder zu bewältigenden Problemen und äußerst schwierigen Arbeitsbedingungen, welche vom ersten Tag an herrschten, in sehr angenehmen Gesprächen berichtet haben, zu danken. Diese und so manches Dokument, Foto, Erlebnis oder Ereignis rund um den Club bzw. sportlichen Alltag ermöglichten es mir, den ‚ersten’ SC Potsdam noch einmal gestrafft in Wort und Bild in Erinnerung zu bringen.


Hinweisen möchte ich aber auch, dass alles hier Aufgeschriebene in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit in Anspruch nimmt und nehmen kann, dazu fehlten
neben der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit, notwendige aussagekräftige Dokumente, die für eine solche umfangreiche Recherche unerlässlich sind, was nicht heißt, zu gegebener Zeit, die Geschichte der 60’-iger Jahre weiter ergänzen.

Wie kam es zur Gründung des SC Potsdam?

Ausgangspunkt war eine umfassende Analyse des Bundesvorstandes des DTSB zu den erzielten Ergebnissen der fünfziger Jahre, welche Sportlerinnen und Sportler der Deutschen Demokratischen Republik bei internationalen Veranstaltungen, wie Welt- und Europameisterschaften, aber im Besonderen der VIII. Olympischen Winterspiele von Squaw Valley sowie der XVII. Sommerspiele von Rom 1960 erreicht hatten. Wollte man diese beachtliche Entwicklung fortführen, war es dringend erforderlich, besonders das System des Nachwuchs- und Leistungssports effektiver und wirksamer zu gestalten. Das verlangte strukturelle Veränderungen innerhalb des DTSB. So wurde noch 1960 der Beschluss gefasst, in allen Bezirken der DDR, eigenständig arbeitende Sportclubs (SC) zu bilden. Das bezog sich aber nicht, auf die der Armeesportvereinigung „Vorwärts“ und der Sportvereinigung „Dynamo“ zugeordneten Clubs, denn in Potsdam gab es bereits seit dem 01. Oktober 1956 mit dem ASK Vorwärts Potsdam, unter der Bezeichnung ‚ZASK Vorwärts Berlin II’ (Name bis 01. April 1960), einen Sportclub mit Leistungsauftrag.¹)

Nach einer zum Teil kontrovers geführten Diskussion in den verantwortlichen Gremien des DTSB, ob der Club in der Stadt Brandenburg oder in Potsdam seinen Standort haben soll, fiel letztlich die Entscheidung zugunsten der Bezirksstadt. Immerhin befand sich in Brandenburg/H. zu diesem Zeitpunkt die Sportschule. (wurde am 01. September 1978 nach Potsdam verlegt).

Unmittelbar nach dieser Grundsatzentscheidung wurde ab November 1960 mit den Vorbereitungen zur Gründung des SC Potsdam begonnen. Übrigens stand auch der Name ‚Potsdamer Sportclub’ zur Diskussion.

Im Februar 1961 waren die organisatorischen und personellen Vorbereitungen abgeschlossen, der SC Potsdam wurde gegründet. Bei Befragungen von Zeitzeugen sind immer wieder der 01.01., 01.02., 03.02. und 06.02.1961 genannt worden, an die Bildung des SCP bekannt gegeben wurde, aber es war ein ander Tag.
Hinzugefügt werden muss, dass die Sektion Fußball u.a. mit der I. Männermannschaft ab Januar den Spielbetrieb unter der Bezeichnung SC Potsdam aufgenommen hatte und daneben schon auf vielfältige Aktivitäten verweisen konnte.

Obwohl die Anfänge des Clubs bereits im November 1960 liegen, wurde der SC Potsdam offiziell am

08.Februar 1961
gegründet. ²)

Die entsprechende Veranstaltung hierzu fand im damaligen Klubhaus der Gewerkschaft Wissenschaft statt. Erster Clubleiter war Karl Fitzke (bis 1966). Der Auftrag des Clubs lautete:

„.. die Sektionen Leichtathletik, Fußball sowie Kanurennsport aufzubauen und sportliche Talente zu sichten und auszuwählen, sie in Schule und Beruf allseitig zu fördern und durch ein wissenschaftliches Training auf zukünftige sportliche Höchstleistungen vorzubereiten“.³)

Im März gab es im „Lindenpark“ (Stahnsdorfer Str.) noch eine Veranstaltung, wo der SC Potsdam ‚symbolisch‘ in die ‚Sportfamilie‘ der Stadt aufgenommen wurde, an der Vertreter des Rates der Stadt, des DTSB der DDR und des ASK mit Spitzensportlern teilnahmen.

Trotz bereits der seit November 1960 laufenden Vorbereitungsmaßnahmen, begann jetzt für Karl Fietzke und seinem Stellvertreter Sport, Helmut Klopp und den anderen Mitarbeitern die eigentliche Arbeit, denn für eine ordnungsgemäße Clubführung fehlten zunächst alle Voraussetzungen, zumal ein großer Teil der Mitarbeiter, erst am 15. Februar 1961 die entsprechenden Arbeitsverträge unterschrieben hatten.

Arbeitszimmer des Leiters war ein ca. 5m² großer Raum im Gebäude des FDGB-Bezirksvorstandes in der Dortustraße. Erste Aufgabe von Karl Fietzke war es, einen
Maßnahmeplan zur Bildung des SC Potsdam zu erarbeiten. Da musste man sich um Unterkünfte, Raumausstattungen, weitere Mitarbeiter, Sportgeräte, Trainings- und Wettkampfstätten, einem Internat für die Athleten und deren Versorgung, ja bis hin zu Papier sowie Bleistift u.v.a. mehr, kümmern. Kurz gesagt, ein denkbar ungünstiger Start! Nebenher mussten Vorbehalte gegenüber dem neuen Sportclub aus dem Weg geräumt werden. In dieser Phase gab es eine große Hilfe vom Rat der Stadt sowie vielen potsdamer Sportgemeinschaften, die es letztlich ermöglichte, zügig die materiell-technischen Voraussetzungen zur Aufnahme des Trainings- und Wettkampfbetriebes zu schaffen.

Parallel dazu wurden die Clubleitung und die Sektionsleitungen gebildet, welche auch sofort ihre Arbeit aufnahmen. Noch im II. Quartal 1961 bezog die SC-Leitung zwei neue Räume in der Wilhelm-Pieck-Straße. Zur internatsmäßigen Unterbringung der Sportler wurde ein Gebäude am Griebnitzsee genutzt, welches aber wieder im August verlassen werden musste. Danach bezogen Clubleitung sowie Mädchen (als Internat), bis zur Auflösung ein Gebäude in der Mangerstraße (Jungen in der Berliner Straße), was durch eigene Mitarbeiter ganztägig unterhalten wurde, einschließlich der Sportlerversorgung.
Die Sektionen führten jetzt eigenständig ihre Sichtungs-, Trainings- und Wettkampftätigkeit durch. Insgesamt hatte zu diesem Zeitpunkt der Club ca. 250 Mitglieder, davon etwa 20 Hauptamtler. (Leitung, techn. Kräfte, Trainer)

Die Jahre 1965 sowie 1966 waren für die perspektivische Entwicklung des SC Potsdam von wesentlicher Bedeutung. Der Leiter Karl Fietzke wechselte 1966 zum Komitee der Armeesportvereinigung Vorwärts. Danach führte kurzzeitig Willi Warnatzsch den Club. Aber noch 1966 übernahm bis 1969, der bisherige Stellvertreter Sport Helmut Klopp, die Dienstgeschäfte - er löste den SCP dann auch auf und überführte die Sportlerinnen und Sportler sowie Mitarbeiter in andere Sportgemeinschaften, Clubs bzw. Gremien des DTSB der DDR.

Am 30.03.1966 wurde die Sektion Fußball geschlossen aus dem SC Potsdam herausgelöst und in die BSG Motor Babelsberg eingegliedert. Ähnlich wurde auch in
anderen Clubs oder Sportgemeinschaften verfahren, wenn das Leistungsvermögen
der I. Männermannschaft nicht zur Bildung eines eigenständigen Fußballclub (FC) vorhanden war. Hier gab es eine Umstrukturierung innerhalb des DFV der DDR.

Der ASK Vorwärts Potsdam mit dem Standort ‚Luftschiffhafen’, zuvor ZASK Vorwärts Berlin, war jetzt eigenständiger Club. Zu dieser Zeit erfolgte auch die
Festlegung, Sportlerinnen in die Armeesportvereinigung aufzunehmen. Somit bestanden nun in der Bezirksstadt zwei Sportclubs mit gleichen Sportarten. (Leichtathletik, Kanu) Damit entstanden eine Problem- und Interessenlage in diesen Sportarten, die damit gelöst wurde, den SC Potsdam 1969 aufzulösen und die Kanutinnen, Leichtathleten/-innen (Kadersportler) in den ASK einzugliedern. Der Beschluss hierzu wurde am 15.06.1969 gefasst.4) Er diente u.a. dazu, dass System des Leistungssports in der DDR weiter erfolgreich zu optimieren.

Am 01.09.1969 war der SC Potsdam aufgelöst.

Ab diesem Zeitpunkt waren auch die Mitarbeiter sowie Trainer in anderen Aufgabenbereichen des DTSB tätig und die Kaderathleten/-innen beim ASK Vorwärts Potsdam eingegliedert, welcher dadurch nahezu ‚fertige’ Sportler erhielt.


Hier einige Mitarbeiter, die durchgängig oder zeitweilig dem Club angehörten:

Die drei Leiter Karl Fietzke, Helmut Klopp, Willi Warnatzsch, Werner Switalla, Eva-Maria Wimanowski (beide Wirtsch./Fin.), Ingrid Mohnert (Fin./Sekretärin), Ulli Nicklas, Manfred Kadler, Jochen Heilenz, Horst Mühlberg, Hans-Joachim Bebber, Heinz Tietz, Hans Schöne (alles Trainer), Erika Fischer (Fin.), Dieter Steffen, Otto Bielig, Günter Trotz (Mitarbeiter), Giesela Stuhrhahn (Sekretärin), Michael Roth (Masseur), Gerd Sommerfeld (Bootsbauer), Alois Schumme (Hausmeister), Jörg Hoffmann (Mitarb.d.Ltr’s), Köchinnen, Kraftfahrer sowie weitere technische Kräfte.

Das war’s, SC Potsdam!

Noch nicht ganz, denn die Chronik wäre unvollständig, würde man nicht die Ergebnisse der einzelnen Sektionen, Kanu, Leichtathletik und Fußball aufzeigen, da gab es Hervorragendes!


Die SCP-Kanuten glänzten mit Welt- und Europameistertiteln

Die Gründungsversammlung der Sektion fand im März 1961 im Haus des Kulturbundes, „Bernhard Kellermann“ statt. Zur Leitung gehörten Jürgen Poitzsch (SL), Gerhard Bocer, Horst Mühlberg, Giesela Stuhrhahn und Willi Warnatzsch.

Was die Kanutinnen seit 1961 unter Trainer Horst Mühlberg, der aus Bernburg kam, um sich der Herausforderung Potsdam zu stellen geleistet haben, glänzt nahezu an ein sportliches Wunder. Sie begannen mit nichts und erfuhren von 1963 bis 1969 bei Welt- und Europameisterschaften der Frauen bzw. Juniorinnen 7 Titel und 4 Medaillen und hatten mit Anita Kobus/Karin Haftenberger (KII) zwei Teilnehmerinnen an den XVII. Olympischen Sommerspielen von Mexiko, wo sie einen hervorragenden 5. Platz belegen konnten. Komplettiert werden die internationalen Erfolge durch 14 DDR-Meistertitel, 9 Silber- sowie 7 Bronzemedaillen in den Disziplinen KI, KII, KIV und 4xKI. Herausragende Athletinnen waren u.a. Anita Kobuß, Helga Ulze, Karin Haftenberger sowie Petra Grabowski, sie bestimmen das nationale, aber auch internationale Geschehen im Kanu nachhaltig.

Um diese Bilanz vorweisen zu können, musste von den Verantwortlichen um Horst Mühlberg nahezu unglaubliches gelöst bzw. bewältigt werden. Es gab keine eigene Heimstätte am Wasser, Bootshaus, Boote und.. und …und. Als Kanu‘s wurden ältere Modelle vom SC Berlin sowie SC Magdeburg nach Potsdam geholt. Einen einachsigen Bootstransportanhänger lieh man sich von der BSG Rotation Babelsberg. Gleichzeitig wurde ein Zweiachser gebaut, auf dem bei Wettkampffahrten im In- und Ausland der Dieselkraftstoff mitgeführt wurde. Ein Ikarus-Bus, der von den
Rotationsfußballern übernommen wurde, war das Transportmittel für die Sportlerinnen. Dieser wurde später gegen ein H3B-Sondermodell eingetauscht. Damit war es jetzt möglich, den eigenen Bootshänger mitzuführen. Die Kanutinnen kamen aus Bernburg, Babelsberg sowie Bad Dürrenberg an die Havel. Später stießen noch Kanuten aus eigener Sichtung zur Trainingsgruppe hinzu, die aber international nicht (noch nicht) in Erscheinung traten.

Bis zum August 1961 war man Gast in der Baracke der Segler von Rotation Babelsberg am Gelände an der ‚Brücke der Einheit‘. Anschließend fand man Unterkunft bei den Ruderern im ‚Seekrug’. Mit enormen Eigenleistungen wurde 1962 eine Baracke auf dem Gelände des BMK-Ost errichtet. Der Betrieb unterstützte dieses Vorhaben tatkräftig mit enormen Sachleistungen. So standen jetzt den Kanutinnen ein Kraftraum, Sanitär- und Umkleidemöglichkeiten/Duschen, Büroräume, Bootslager sowie ein Aufenthaltsraum zur Verfügung. Für die vorhandene Ofenheizung gab es 30t Kohle/Winter. Eine sich auf dem BMK-Gelände befindende Sauna konnte mit genutzt werden.
Trainiert wurde im Winter in einem Eisloch, was mit einer Plane überdeckt war und mit Heizstrahlern etwas erwärmt wurde – Bedingungen, die heute unvorstellbar sind, aber gerade mit zu den internationalen Erfolgen beitrugen!

Nach den Weltmeisterschaften 1966, wo es zwei Titel und eine Bronzemedaille (H. Ulze/A. Kobus) für den SC Potsdam gab, wurde durch das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport, der Neubau eines Bootshausen beschlossen. Immerhin waren die Kanutinnen die Einzigen in der DDR, welche über kein eigenes Gebäude verfügten. Das Kanuhaus wurde auf einem Grundstück in der Leninallee 117a von 1967 bis 1968 errichtet. Damit verbesserten sich grundlegend die Trainingsmöglichkeiten, die danach erreichten Erfolge bestätigten dieses nachhaltig.

Im Zeitraum vom 15.06. bis 31.08.1969 erfolgte die Eingliederung der Kanutinnen beim ASK Vorwärts Potsdam und da schrieben sie die beim SC Potsdam begonnene Geschichte weiter. Erfolgstrainer Horst Mühlberg wechselte zum SC Empor Rostock, um dort den Kanusport für Frauen aufzubauen. 1986 kehrte er nach Potsdam zurück und arbeitete beim ASK Vorwärts in der Bezirksstadt weiter.


Die Sektion Fußball gab es bis 1966

Bereits im November 1960 begannen die Vorbereitungen zur Bildung der Sektion. Im Februar 1961 fand die Gründungsveranstaltung statt. Sektionsleiter war
Helmut Schröter, Technischer Leiter, Rudi Wilke und Jugendleiter, Erwin Drexler.

Dem Trainerstab gehörten Hans Schöne, Hans-Joachim Bebber sowie Heinz Tietz an. Sie nahmen mit der I. Männermannschaft, welche der 1. DDR-Liga angehörte, bereits im Januar 1961 das Training auf. Die Spieler kamen von der BSG Rotation Babelsberg, der damaligen Auswahl des Bezirkes Potsdam, Ludwigsfelde, Magdeburg, Erfurt sowie von der ASG Vorwärts Potsdam.
Parallel dazu wurde die II. Mannschaft gebildet. Diese setzte sich im Wesentlichen auch aus Akteuren der Bezirksauswahlmannschaft zusammen. Durch den Bezirksfachausschuss Fußball (BFA) wurde die ‚Zweite’ in die Bezirksliga eingestuft.
Schon am 15. Januar gab es ein Freundschaftsspiel gegen die BSG Lichtenberg 47. Das erste Pflichtspiel wurde am 13. Februar 1961 im Karl-Liebknecht-Stadion von Potsdam 6:2 gegen die SG Dynamo Schwerin erfolgreich gestaltet.

Im Nachwuchsbereich wurden zwei Schüler-, eine Jugend- und eine gemischte Jugendmannschaft gebildet. 1962 kam von der BSG Aufbau Potsdam die Juniorenmannschaft zum Club. Damit war die Basis für eine zielgerichtete und kontinuierliche Nachwuchsarbeit gelegt. Der SC Potsdam sollte das Leistungszentrum Fußball im Bezirk werden.
Als Trainingsstätten standen der Sektion das „Karl-Liebknecht-Stadion“ und die Sporthalle der ‚Bruno-H.-Bürgel-Schule’ zur Verfügung.

Im Spieljahr 1961/62 belegte die I. Mannschaft unter Trainer Hans Schöne den 4. Tabellenplatz in der 1. DDR-Liga, wo immerhin 39 Spiele absolviert werden mussten.
Zu ihr gehörten Dietrich Wendorff (Tor), Gerhard Rössel, Harald Betge, Manfred Pillau, Hans Pollaene, Friedjoff Jacob, Werner Pooch, Heinz Dressler, Klaus Benkert, Siegfried Aldermann, Eberhard Kochale, Edgar Borowietz und Rainer Geserich u.a. an.

Bezirksmeister wurde die 2. Mannschaft, was den Aufstieg in die 2. DDR-Liga bedeutete. Sie war die ‚Ausbildungsmannschaft’ für die Erste und ist von Hans-Joachim Bebber betreut worden, welcher auch für die Jugend- und Juniorenmannschaft verantwortlich zeichnete. Trainer der beiden Schülermannschaften waren Heinz Tietz und Klaus Benkert.

Als Problem für die Sektion erwies sich die geringe Anzahl von Trainingsstätten. Das konnte aber gelöst werden, denn den Mannschaften standen jetzt das „Ernst-Thälmann-Stadion“ und der Park Babelsberg zur Verfügung.

Im Spieljahr 1962/63 übernahm als Trainer Werner Thonke die 1. DDR-Ligamannschaft, die er bis 1965 betreute. Der neue Sektionsleiter hieß Dr. Erich Kröber. Eine weitere Veränderung fand 1965 statt, Gerhard Richter wurde Trainer und die Sektion führte Günter Lenz.

An Ergebnissen wurden von der 1. Männermannschaft erreicht:

Spielsaison 1961/62 4. Tabellenplatz
Spielsaison 1962/63 12. Tabellenplatz
Spielsaison 1963/64 8. Tabellenplatz
Spielsaison 1964/65 9. Tabellenplatz

Am 30.03. 1966 erfolgte die Überführung der Sektion Fußball in die BSG Motor Babelsberg. Einige Spieler wechselten auch zu anderen Vereinen, wie SC Dynamo Berlin, BSG Motor Köpenick, Union Berlin bzw. beendeten ihre sportliche Laufbahn.

Vorausgegangen waren in dieser Zeit die Vorbereitungen zur Bildung/Gründung von Fußballclubs (FC) in der DDR. Um dieses zu erreichen, musste neben der Oberligazugehörigkeit, eine vorgegebene Platzierung der 1. Mannschaft des SC
Potsdam in der Abschlusstabelle erreicht werden, beides konnte nicht geschafft wurden.

Neben den Pflichtspielen gab es zahlreiche beiderseitige internationale Vergleiche gegen Mannschaften aus den Volksrepubliken Ungarn und Polen, der UdSSR sowie der BRD.


Die Sektion Leichtathletik war eine Schule für Talente

Aus der Stadt Brandenburg und verschiedenen Sport- bzw. Betriebssportgemeinschaften (SG/BSG) kamen die Athleten zum SC Potsdam. Dazu wurde fleißig noch in der Bezirksstadt und dem Umland gesichtet. Selbst in Rathenow gab es eine Schülergruppe. Die Sektion wurde von Willi Sotschek geführt. Als Trainer waren Jochen Heilenz (Lauf/Sprung) und Ulrich Nicklas (Stoß/Wurf), neben weiteren ehrenamtlichen Übungsleitern tätig. Die Sportschüler trainierten bei Liesa und Eckhard Schöpke auf den Anlagen der KJS in Brandenburg und fuhren im Winter in die LA-Halle im ‚Luftschiffhafen‘ nach Potsdam. Der Sektion gehörten auch zahlreiche Kampfrichter an.

Weiterhin wurden in guter Partnerschaft mit den Potsdamer Dynamos im traditionsreichen „Ernst-Thälmann-Stadion“, dem ersten Sportstättenneubau Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg (das Stadion wurde zur Errichtung von Freiflächen für die Bundesgartenschau 2001, ohne gleichwertigen Ersatz zu schaffen, abgerissen), wo der Club zwei Räume hatte, in der Halle der Schule 27 sowie den
Anlagen der Pädagogischen Hochschule „Karl-Liebknecht“, durchgängig trainiert.

Spitzenathletinnen und Athleten, die dem SC Potsdam angehörten waren:

Ellen Streidt (Sprint), Jochen Both (Sprint/400m), Henriette Schlopsnies (5-Kampf), Christa Helmke (Speer), Burglinde Pollack (5-Kampf), Günter Trotz (800m), Dagmar Drechsler (400m), Jochen Both (400m), Wolfgang Hamel (Kugel), Klaus Westermann (Sprint), Horst Piel (800m), Volker Meinicke u.v.a.

Der Club beteiligte sich an der Ausrichtung von mehreren Länderkämpfen bzw. internationalen Städtevergleichen. Gute und regelmäßige Kontakte gab es mit Poznan (Polen). Spitzenathleten hatten Einsätze in der Nationalmannschaft und wurden für Europameisterschaften nominiert. Hier einige Beispiele:

Mehrkämpferin Burglinde Pollak gewann 1968 bei den Europäischen Juniorenspielen die Goldmedaille. Später stellte sie mehrere Weltrekorde nach der alten und neuen Wertung auf, gewann zwei Olympische- und drei EM-Medaillen in ihrer Spezialdisziplin. 400m-Läufer Jochen Both kehrte mit einer Bronzemedaille von den Europameisterschaften 1966 nach Hause. Der Jochen Heilenz Schützling Ellen Streidt, erlief sich z.B. später im ASK-Trikot Silber über 400m bei den Europameisterschaften 1974 in Rom und Gold bzw. Bronze (4x400m/400m) bei den Olympischen Spielen in Montreal (Kanada) 1976. Beide setzte da die guten Traditionen in Sachen Leichtathletik des SC Potsdam fort.

Als Clubmitglied gelang es u.a. Jochen Both, der immerhin auf 15 Länderkampfeinsätze verweisen kann, 1965 Vizemeister der DDR und 1966 den 3. Platz in der Halle über 400m zu erlaufen. Henriette Schlopsnies gewann 1962 Bronze im Fünfkampf bei den nationalen Meisterschaften, wo Burglinde Pollak 1969 Titelträgerin wurde. Dagmar Drechsler überlief als Dritte 1966 die Ziellinie über eine Stadionrunde.

Bis zum 31.08. 1969 wurden die besten Leichtathleten in den ASK Vorwärts Potsdam eingegliedert. Trainer Ulrich Nicklas arbeite bei der Sportvereinigung Dynamo und Jochen Heilenz als Trainer innerhalb des Deutschen Verbandes für Leichtathletik (DVfL) der DDR.

Und am Schluss kann man sagen, „meus sana in corpore sano“ und umgekehrt, das war die Grundlage der überaus erfolgreichen Zeit 1961 – 1969 des SC Potsdam, dessen Athleten im weißen Trikot, roter o. weißer Hose sowie blauem Trainingsanzug auftraten.

Zusammenfassender Quellennachweis:

Der Beitrag „Die Geschichte des SC Potsdam von 1961 bis 1969 basiert auf folgenden Quellen:
- DTSB der DDR - SPORTRUNDSCHAU – Bezirksorganisation Potsdam Nr. 5/1988
- Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern und Mitgliedern/Sportler des SC Potsdam von 1961-1969
– MAZ Ausgabe Bezirk Potsdam u. Potsdam-Stadt vom 08., 09. + 10.02.1961
- Statistiken der jeweiligen Fachverbände des DTSB der DDR
- Reproduziertes Bildmaterial, Prospekte, Programme und Dokumente, sind von den Eigentümern
für eine Veröffentlichung in der Chronik freigegeben worden
- „Besser, schneller, weiter – Potsdamer Sportzeit“ (D. Braune) vom Wartenberg Verlag
- „Halleluja für Heuchler“ (Dr. Oertel) vom „Das Neue Berlin Verlag“
- „Olympische Spiele 1968“ vom Sportverlag der DDR
- „Lexikon der DDR-Sportler“ vom Schwarzkopf Verlag
- "Abriss der Geschichte der Sportvereinigung Dynamo" (BdZL d. SV Dynamo-1981)
- eigenes Archivmaterial

Am 01. September 1969 war der SC Potsdam aufgelöst!

Und zum Schluss halte ich es mit Vergil, „o mihi praeteritos referat si Jupiter annos“, das war am 12. Dezember 1994 unter neuen gesellschaftlichen Bedingungen!
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5 Kommentare
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H.G. Lindeke aus Potsdam | 30.08.2011 | 21:09  
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Gerhard Pohl aus Potsdam | 31.08.2011 | 20:52  
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Reiner Klabe aus Potsdam | 31.08.2011 | 21:17  
4.545
Gerhard Pohl aus Potsdam | 01.09.2011 | 20:22  
4.545
Gerhard Pohl aus Potsdam | 18.10.2011 | 20:57  
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