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Potsdamer Mahnwache für Japan

Ansprache an die Menge Foto: Christoph Freytag
  Potsdam: Platz der Einheit | Am Montag Abend 18 Uhr fand wie angekündigt am Platz der Einheit in Potsdam eine Mahnwache für den Atomausstieg und zum Gedenken an die japanischen Opfer statt. Veranstaltet wurde die Aktion vom nationalen Bündnis "ausgestrahlt" in zahlreichen deutschen Städten. Anlass war die Situation in Japan nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami, wo derzeit möglicherweise drei Reaktoren in den Atomkraftwerken Fukushima I und II vor der Kernschmelze stehen.
Gekommen waren laut PNN vom 14.3.2011 rund 250 Menschen. Der Veranstalter sprach dagegen von rund 400 Teilnehmern. Insgesamt fanden laut Angabe des Bündnisses "ausgestrahlt" (http://www.ausgestrahlt.de) rund 450 Mahnwachen mit insgesamt 11.000 Teilnehmern statt.
In Potsdam füllte sich der Platz der Einheit schon gegen 18 Uhr recht ordentlich. Weitere Leute kamen im Laufe der Veranstaltung hinzu. Zwei Schweigeminuten wurden für die Opfer in Japan jeweils am Ende und Anfang der halbstündigen Mahnwache abgehalten.
Gleich zu Beginn wurde von Uwe Fröhlich, Chef des Grünen-Kreisverbands Potsdam und einem der Organisatoren, die Notwendigkeit des Ausstiegs aus der Atomkraft angesprochen. Das ein Ausstieg natürlich nicht von heute auf Morgen möglich sei, räumte er bei seiner Ansprache ein.
Angesprochen wurde auch das Moratorium der Bundesregierung. Kanzlerin Angela Merkel hatte heute gegen 16 Uhr überraschend eine dreimonatige Aussetzung der Atomkraftverlängerung angekündigt.
Wenig überraschend applaudierte die Menge am Platz der Einheit, als die Frage aufgeworfen wurde, ob dies nicht reine Wahlkampftaktik für die Wahlen in Baden-Würtemberg sei.
Im Laufe der Wache wurden die Teilnehmer aufgerufen, das Megafon zu nutzen, um selbst Ihre Meinung zu äußern. Einige taten dies. Unter anderem kam ein Hinweis des Babelsbergers Joachim Katz, dass in Wannsee im Hahn-Meitner Institut ein Versuchs-Atommeiler steht. Dieser könne leicht beschädigt werden. Bei einem Unfall sei eine radioaktive Belastung der Umwelt möglich.
Die PNN hatte auf diese Frage hin beim Helmholtz-Zentrum, dem Betreiber des Atommeilers nachgefragt. Sprecherin Ina Helms sagte der Forschungsreaktor sei nicht mit einem Kernkraftwerk zu vergleichen und diene etwa dazu, Phänomene wie Magnetismus zu untersuchen. Die elektrische Leistung betrage nur 10 Megawatt statt wie einem ausgewachsenen Atomkraftwerk bis zu 4000 Megawatt. Auch würden nur 2,5 kg Uran pro Jahr benötigt. Bei einer Notabschaltung seien zudem nur 10 Minuten Nachkühlung notwendig. Desweiteren wies Sie darauf hin, dass in jedem Betriebszustand mit strengen Sicherheitsauflagen gewährleistet sei, dass das radioaktive Inventar von der Umwelt abgeschirmt bleibe.
Ein weiterer Mahnwachen-Teilnehmer wies darauf hin, wie man im Kleinen die Atomindustrie schwächen können. Er wies auf die Möglichkeit der Nutzung von Ökostrom hin (http://www.atomaustieg-selber-machen.de).
In der Summe lief die Veranstaltung sehr ruhig und sachlich ab. Eine Hauruck-Abschaltung wurde aus realistischen Gegebenheiten nicht gefordert. Da die Situation in Japan weiter ungewiss ist, wurde vom Veranstalter für den 21.3. eine weitere Mahnwache in Potsdam angekündigt. Zudem wurde von weiteren Teilnehmern für den Donnerstag in Potsdam eine Demonstration angekündigt, weitere Infos dazu gäbe es über die Presse.

Christoph Freytag
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