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Über den Wolken - Kilimanjaro

       

Teambildung – Aristotax

Jedes Jahr versuchen die Mitglieder des Netzwerkes Aristotax eine gemeinsame Veranstaltung durchzuführen, bei der es einmal nicht um fachliche Probleme geht. Im Mittelpunkt sollen gemeinsame außergewöhnliche sportliche und naturverbundene Erlebnisse stehen, wobei durch grenzwertige Beanspruchungen der Zusammenhalt der Mitglieder im Netzwerk gestärkt wird. Für das Jahr 2010 planten wir die Bezwingung des höchsten Gipfels Afrikas, den Kiliomanjaro mit einer Höhe von 5895 m. An der Besteigung nahmen nicht nur Ehepartner von den Netzwerkmitgliedern sondern auch ihre Kinder Teil. Mein Sohn Rico Philipp schrieb danach den folgenden Bericht über die Woche am höchsten Gipfel Afrikas.

Dipl-Ing. Andrej PhilippSteuerberater

Über den Wolken

Nach der erfolgreichen Besteigung des höchsten Berges Europas, den Elbrus mit 5642 m, haben wir uns nach einer neuen Herausforderung umgeschaut. Welcher Berg eignet sich besser als der Kilimanjaro? Er ist der höchste Berg Afrikas und gleichzeitig der Höchste, den man ohne Bergsteiger Erfahrung bezwingen kann. Ein besonderer Reiz ist die schneebedeckte Spitze, auf dem sonst so kargen Kontinent. Durch die vorranstreitende Erderwärmung sind die Gletscher in Gefahr und wenn wir dieses Naturwunder noch erleben wollten mussten wir schnell entscheiden.
Von dem Bericht vom Elbrus angesteckt, fand sich schnell Verstärkung. Dass unsere Gruppe gut zusammenpasste, erkannten wir spätestens auf dem Hinflug nach Tansania beim gemeinsamen Weintrinken. Gutgelaunt und von den meisten von uns unvorbereitet, traf uns Afrika mit all seinen Fassetten: Chaotische Einreise, freundliche Empfang mit der stetigen Forderung nach einem TIP (eng. Trinkgeld), die staubig schwüle Luft und die gelassene, entspannte (fast gelangweilte) Art der hiesigen Bevölkerung.

Am nächsten morgen, hatten wir zum ersten Mal die Gelegenheit, einen ehrfürchtigen Blick auf den Kilimanjaro zu werfen. Um uns an das Klima zu gewöhnen, unternahmen wir eine Wanderung durch den afrikanischen Busch. Diese führte vorbei an Bananen- und Kaffeeplantagen, den eingemauerten von weißen Reichen bewohnten Häusern und im Kontrast die Holz- und Lehmhütten der schwarzen Bevölkerung.

Von unserem Hotel wurden wir den nächsten Tag bis zum Gate (Tor) auf 1970 m gebracht. Bevor wir loswandern konnten, mussten wir noch die bürokratische Hürde überwinden und uns in ein großes Buch für die Bergbesteigung eintragen. Gleich zum Start trennten sich die Wege von uns und unseren „Portern“ (Trägern). Sie nahmen die kürzen und weniger schönen Wege. Zuvor wurde bei jedem der Porter das zu tragende Gepäck mit einer alten Handwaage gemessen. Es durfte maximal 25 kg betragen, wovon gerade mal 5 kg ihr Eigengepäck war. Wir im Gegensatz hatten nur unseren leichten Tagesrucksack (Wasserflasche, Müsliriegel, Schokolade, Sonnenschutz) zu schultern.
Von hier aus ging es seicht im Schutze des Regenwaldes den Kilimanjaro hinauf. Man hatte nicht mehr das Gefühl in Afrika zu sein. Wie auch, mit einer maximalen Sichtweite von 5 m und der gut tuend feucht-warmen Luft ?
In den ersten Gesprächen mit unseren Guides (Bergführer) sprachen wir über die in Afrika weit verbreitete Krankheit Malaria. Sie sagten uns, dass wir nichts zu beführten hätten, denn wo wir hinwollten gäbe es keine Leben mehr, also auch keine Mücken.


Unseren ersten Schlafplatz, die Mandara Hut auf 2700 m hatten wir schnell erreicht. Nachdem unsere zwei Zelte standen und die Anderen sich in ihren Hütten „eingerichtet“ hatten, unternahmen wir eine gemeinsame Wanderung zu einem Vulkankrater. Von hier aus hatten wir den ersten Ausblick auf das sonst flache Afrika mit seinen endlosen Weiten, den bisher hatte uns der Urwald keine Sicht ermöglicht.
Unterwegs trafen wir auf Affen mit weißem Schwanz sowie auf „meerschweinchenartige Geschöpfe“. Unsere Guides sagten, wer diese Tiere schießt, würde mit drei Jahren Gefängnis und mehren Tausend Dollar bestraft.

Am nächsten Tag erreichten wir nach zwei Stunden wandern die Grenze des Regenwaldes. Von hier war uns ein kurzer Blick auf die Afrikanische Steppe vergönnt, ein paar Schritte weiter und wir waren über den Wolken. Ein toller Anblick: ein Meer von Wolken.
Ab jetzt konnten wir unsere nächste Hütte erkennen, was jedoch auf Grund der Ferne wenig Freude aufkommen ließ. Unsere Guides ermahnten uns immer wieder mit „Pole, Pole“ (langsam, langsam), uns zeit zu lassen, den so könnten wir uns an die Höhe besser gewönnen. Nach jeder zweiten Kurve wurde entweder von Vorne oder Hinten „Porter“ gerufen, dann stellten wir uns an den Wegesrand und schauten immer wieder erstaunt zu, mit welcher Schnelligkeit die Porter an uns vorbei „rannten“, obwohl sie das 5-fache trugen.
Meine Hoffung die Spitze des Berges zu sehen, erfüllte sich noch nicht. Wir liefen an dem Bruder der Kilispritze entlang, der uns den Blick versperrte. Erst am Abend als wir die Horombo Hut (3720 m) erreichten, bewunderten wir die schneebedeckte Spitze beim Sonnenuntergang.
Jetzt waren wir im Hauptlager, wo wir drei Nächte verbringen sollten. Als wir erschöpft ankamen, stellten wir fest, dass die Hütten für die Bergsteiger alle belegt waren. Somit mussten sich die „Drinnenschläfer“ mit einer Hütte der Porter zufrieden geben. Diese waren weniger geräumig und ihre Matratzen befanden sich in einem viel schlechtem Zustand als die der Touristen. Vor dem Essen gab es als Erfrischung für Jeden von uns eine volle Schale Wasser zum waschen. Selbst in dieser Höhe konnten wir „Luxus“ genießen.
Am meisten bewunderte ich jedes Mal die Qualität des Essens, welches wir „wörtlich“ aufgetischt bekamen. Jeden Abend warm, mit Suppe als Vorspeise, Hauptgericht und frischem Obst als Nachtisch, wobei man den vielen warmen und süßen Tee nicht unerwähnt lassen sollte. Hochachtung für die Köche und Porter, vor allem was die Logistik betraf. Sie warteten bis wir mit dem Frühstück fertig waren, mussten alles abwaschen, zusammenpacken und dann im Eilmarsch an uns vorbei, um bei unserer Ankunft das Abendmenü zu servieren.

Akklimatisierung, dass heißt sich der dünnen Luft anpassen. Hierfür war ein ganzer Tag eingeplant. Unsere Guides wählten den „Weg“ hoch zu den Zebrastreifenfelsen. Bei diesen machten wir Pause und schauten auf ein riesiges Hochplateau, durch welches der Weg zur Kilohut (4700 m) führte. Von dieser Wanderung waren wir zum Glück zeitig zurück, denn Erholung hatte jeder von uns nötig. Einige spielten Karten, andere lasen Buch in der Sonne oder machten ein Nickerchen.
Die nächsten zwei Tage sollten zu den Anstrengten gehören, die ich je in meinen Leben durchgemacht und vermutlich durchmachen werde.
Am nächsten Morgen standen zwei aus unserer Gruppe schon sehr früh auf, um die ersten Sonnenstrahlen fotografisch festzuhalten.
Nach dem Frühstück mussten wir einen Teil des Weges hochgehen, welchen wir am Vortag leichtfüßig heruntergegangen waren. Bei der letzten Wasserquelle, wurde eine Pause eingelegt. Jedes Wasser was wir ab jetzt verbrauchten, mussten Porter mühselig noch weitere 500 Höhenmeter tragen. Wir waren in der Wüste angelangt: ohne Leben, nur Stein und Sand. Die Farben Ocker sowie hellbraun bis dunkelbraun begleiteten uns. Der Weg schien kein Ende zu nehmen und der Wind blies den Staub in den Mund, man wollte nur noch umdrehen. Es ging trotzdem immer wieder Vorwärts: „Pole, Pole“. Die Natur konnte ich nur noch während den zahlreichen Pausen bestaunen.
Sehr erschöpft kamen wir auf der Kilo Hut nach 1000 m Höhenunterschied an. Ausnahmelos legten wir uns hin und versuchten zu schlafen, was aufgrund des Geräuschpegels nicht für jeden möglich war. Vor dem Sonnenuntergang wachte ich auf, Kopfschmerzen hatte ich dank der Tablette nicht mehr. Die Farbfassetten des Sonnenspiels entschädigte das qualvolle Aufstehen. Nach und nach kamen alle zum Abendbrot, die letzte volle Mahlzeit vor dem Aufstieg. Selbst hier servierte man uns Gourmetessen mit vielen erfrischenden Früchten. Unfassbar!

Der Aufstieg
Um 12 Uhr nachts ging es los. Vor uns unzählige andere Gruppen von Bergsteigern und hinter uns eine Lichterkette zum höchsten Berg Afrikas. In der Nacht loszugehen hatte verschiedene Gründe. Zum einen ist der Geröllschutt noch gefroren, man ist vor 12 Uhr auf dem Berg und zum anderen sieht man im Dunkeln nicht wo man lang läuft, was für mich das Wichtigste war. Serpentinartig ging es hintereinander immer nur Bergauf, ein Fuß vor dem anderen. Sprechen konnten wir daher nicht. Jeder war in Gedanken versunken und versuchte sich abzulenken. Ich schwebte zwischen einschlafen und aufgeben. An meinen Tiefpunkt fingen unsere Guides an zu singen, als hätten sie meine Gedanken gelesen. Mitsummend; immer Pole, Pole ging es hinauf. Jede Pause genutzte ich um einen Riegel, eine Tasse Tee und einen Traubenzucker in mich reinzuwürgen, den Hunger hatte ich nicht. Es wurde hell, doch wo war die Sonne?
Sie ließ lange auf sich warten, aber dann erwärmte sie uns innerlich und entzückte jeden von uns ein quälendes Lächeln. Ab jetzt hieß es nicht mehr nach unten schauen. Nach oben; oben dort wo unser Ziel war. Schon lange zähle körperliche Fitness nicht mehr, es war zur Kopfsache geworden. Kraft hatte man eh keine mehr, der Wille immer weiterzulaufen brauchte uns voran. Am steilsten Stück kurz vor dem Ende, brachen wir in zwei kleine Gruppen auseinander. Die eine neue Kraft schöpfend schnell vor ran und die andere Pole, Pole dem Ziel entgegen.
Wir schafften es alle!
Eine Riesenleistung für alle, die sonst nur am Schreibtisch festsitzen.
Hier standen wir nach acht Stunden Wanderung auf dem Kraterrand, am Gilmans Point 5681m. In den Alpen genießt man es oben zu sein, hier heißt es nur einen Riegel, eine Tasse, Traubenzucker und so schnell wie möglich abwärts oder weiter hinauf. Deshalb war an die Bewunderung der Gletscher kaum zu denken. Wer den Kraterrand erreicht, hat den Kilimanjaro bezwungen, jedoch ist das nicht der höchste Punkt. Unser Guide sagen die nächsten 200m wären in anderthalb Stunden zu erreichen. So lange? Der Weltrekord liegt bei 20 Sekunden. Wir waren jedoch weit über 5000m mit sehr dünner Luft und die angegebene Meterzahl waren Höhenmeter.


Die Hälfte von kehrte hier um, sie hatten ihr Soll mehr als erfüllt. Zu fünft und mit drei Guides ging es weiter. Nach der Pause ging es erst recht zügig voran, doch je höher ich kam, desto langsamer wurde ich. Einen Satz wiederholte ich bestimmt 100-mal: „Ich komme hoch, auch wenn sie mich danach runter tragen müssen, ich schaffe das!“. Die letzten Meter sind mit Qual kaum noch auszudrücken: Ein Schritt, 2-mal kräftig ein- und ausatmen und wieder ein Schritt. Es war eine Mischung aus Kopfschmerzen, Erschöpfung und der Bergsteigerdrang der mich letzten Endes weiterlaufen lies. Ein Motor, der langsam aber dennoch kontinuierlich lief (Pole, Pole) . Ein nicht zu vernachlässigender Grund waren bestimmt auch meine Eltern die immer 50m vor mir liefen und dass ich mein Freund vom Elbrus im Rücken wusste.
Oben endlich ankommen, wurde auf alle gewartet, ein Siegerfoto geschossen und es ging so schnell wie möglich den Berg wieder hinab. Wir hatten es geschafft, den Uhuru Peak auf 5895m zu erreichen und für uns kaum zu glauben erst um 10 Uhr morgens.

Für mich fingen jetzt erst die richtigen Schmerzen an. Mein Körper meldete sich, dass er nicht mehr weiter konnte. Jeder Schritt tat weh und auch Berg ab nahm der Weg kein Ende. Bergauf hatte man noch Motivation, doch was sollte mich jetzt bewegen runter zu laufen?
Irgendwie geht es immer, man sieht die Hütte und aber kommt nicht näher. Den Schotterhang runterrutschend. Als ich „laufend“ an der Hütte ankam, ging’s nur noch in den Schlafsack. Der Tag war aber noch nicht vorbei, nach einer Stunde Schlaf mussten wir auch noch den Weg des Vortages bergab laufen.

Wichtig ist, dass die Guides langsam mit einem bergauf gehen, aber umso wichtiger ist die Zugigkeit mit denen sie Entkräftete bergab geleiten, was zwei von uns leider erfahren haben. Niemand von uns hätte den Aufstieg ohne die Guides geschafft und sie haben beim Bergabgehen schlimmeres verhindert. Da jeder Guide für 2-3 von uns zuständig war, hatte jeder von uns seinen eigenen „Retter“.

Zur Belohnung sagen sie für uns die beiden tansanischen Berglieder: „Kilimanjaro Kilimanjaro, Kilimanjaro“ und „ Kilomanjaro hakuna matata“ und wir bedankten uns für den unvergesslichen Aufstieg mit Trinkgeld. Gut gelaunt ging es leichtfüßig die Strecke der beiden ersten Tage Bergab und zurück am Gate gönnten wir uns einen Kasten Bier. Nachdem „Zivilisieren“ im Hotel verabschiedeten wir uns von unseren Guides bei der Urkundenvergabe. Zum Abschied zeigte sich die Kibospitze rot angestrahlt beim Sonnenuntergang und ich konnte kaum glauben, dass ich vor zwei Tagen noch oben war. Wir feierten unseren Erfolg.

Rico Philipp

Ein weiter Bericht:
Kanutour in der Mongolei
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