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Biwak der "Langen Kerls"

  Vom 05. - 06.09.2009 fand ein Biwak der "Langen Kerls" und befreundeter barocker Historien-Vereine auf dem Krongut zur "Herbstrevue“ beim Soldatenkönig statt
Der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. liebte alles, was mit Militär zu tun hatte. Sein Hang zu Pomp und Prunk zeigte sich insbesondere beim Leibbataillon des Königsregiments. Die Grenadiere mussten mindestens 6 Fuß (über 1,88 m) groß sein und stattliche Erscheinung haben.
Heute führen die so genannten „Langen Kerls“ in ihren historischen Uniformen die Ausbildungsgebräuche damals vor. Sie müssen über 60 Kommandos für die Handgriffe an der Waffe beherrschen lernen und den im früheren Potsdam üblichen harrschen Befehlston ertragen.Die Langen Kerls ist die Volkstümliche Bezeichnung für die Potsdamer Leibgarde von König Friedrich Wilhelm I.in Preußen, die er seit 1707 für die neue Garnison aufstellen ließ. Das Garderegiment bestand aus 60 Offizieren, 165 Unteroffizieren, 53 Trommlern, 15 Pfeifern, 15 Feldschern [Sanitäter] und 2160 Musketieren, von denen - und das war die namensgebende Besonderheit - keiner weniger als sechs Fuß - das waren knapp 1,90 Meter - messen durfte, was angesichts der damals üblichen Körpergrößen eine nicht leicht zu erfüllende Forderung war. Die Langen Kerls mußten mit Geld oder Gewalt aus allen Teilen der Welt geholt werden, aber wenn es um ihre Beschaffung ging, vergaß der sonst so sparsame Soldatenkönig jedes Maß. 1720 trat er den Holländern die unter seinem Großvater in Besitz genommenen und mit erheblichen Investitionen ausgebauten Kolonien und Stützpunkte ab und legte noch 7 650 Taler drauf, um 12 sehr groß gewachsene Afrikaner für seine Riesen-Garde zu bekommen. 36 Millionen Taler mußten die preußischen Steuerzahler während seiner Regierungszeit für die Aufstellung und den Unterhalt des Regiments aufbringen. Die wenigsten der neuen Rekruten kamen freiwillig und die meisten wußten nicht, was ihnen bevorstand. Viele wurden von den Werbern einfach entführt oder mit falschen Versprechungen, üblen Tricks und mit Hilfe eigens dafür organisierter Banden auf preußisches Gebiet gelockt und nach Potsdam verschleppt. Umgekehrt flohen viele junge preußische Männer wegen ihrer Körpergröße, so etwa 1724 der ostpreussische Pfarrerssohn und spätere Dichter Johann Christoph Gottsched von Königsberg nach Leipzig, um dem Dienst in Potsdam zu entgehen. Ausländer mit besonderer Körpergröße wollten nicht mehr in Preußen studieren, aber die Werber spürten auch jenseits der Landesgrenzen umher, denn der Soldatenkönig wollte unbedingt große Soldaten haben, es kam zu den übelsten Verwicklungen, manchmal nahe an einen Krieg, weil Friedrich Wilhelm I. weder Recht noch Gesetz achtete, um an sein Spielzeug zu kommen. Dann wieder wurde er von fremden Mächten benutzt, die ihm gegen ein paar Lange Kerls diese und jene politischen Versprechen abnahmen. Der russische Zar Peter I. pflegte sich alljährlich für die kostbaren Geschenke, die ihm der preußische König gemacht hatte, mit einer Lieferung von "Riesen" zu revanchieren. Auf Bitte der Zarin Anna ließ Friedrich Wilhelm I. 1731 eine Anzahl Waffenschmiede von Hagen gewaltsam nach Rußland transportieren, damit sie dort ihre Kunst nutzbringend anwenden sollten, wofür er vier Riesen geschickt bekam. Wenn sich die Riesen in ihr Schicksal fügten, ging es ihnen allerdings auch besser als den anderen Soldaten. Sie bekamen mehr Sold und Zulagen, der König schenkte ihnen Grundstücke und Häuser, ließ ihnen große und kräftige Bauernmädchen aussuchen und übernahm Patenschaften für die Sprößlinge seiner Riesen. Sein Sohn Friedrich II. löste nach seinem Regierungsantritt 1740 die Riesen-Garde auf.
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