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Steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten

Georg Amann, Dipl. Betriebswirt FH

Durch das Gesetz zur steuerlichen Förderung von Wachstum und Beschäftigung ist die steuerliche Abzugsfähigkeit von Kinderbetreuungskosten mit Wirkung zum 01.01.2006 vom Gesetzgeber neu geregelt worden. Es soll eine bessere Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit ermöglicht werden. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über die gesetzlichen Änderungen.

Liebe Leserinnen und Leser,

der Gesetzgeber knüpft die Abzugsfähigkeit an bestimmte Voraussetzungen, die Kinder, Eltern und Art bzw. Höhe der Kinderbetreuungskosten betreffen.

1. Wann können Kinderbetreuungskosten steuerlich berücksichtigt werden?

Kinderbetreuungskosten können nur für Kinder, die im 1. Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandt sind bzw. für Pflegekinder geltend gemacht werden. Das Kind darf das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder muss wegen einer Behinderung, die vor dem 25. Lebensjahr eingetreten ist, außerstande sein sich selbst zu unterhalten.

Weiterhin muss das Kind zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehören. Bei getrennt lebenden Eltern bestimmt sich die Haushaltszugehörigkeit in der Regel nach der Meldung des Kindes.

Bei den Aufwendungen muss es sich um Dienstleistungen zur Betreuung von Kindern handeln. Steuerlich berücksichtigt werden können beispielsweise die Unterbringung von Kindern in Kindergärten oder bei Tagesmüttern, die Beschäftigung von Haushaltshilfen, soweit diese ein Kind betreuen oder Aufwendungen für die Hausaufgabenbetreuung, nicht jedoch für Nachhilfeunterricht.
Vom Abzug ausgeschlossen sind auch die Beaufsichtigung des Kindes durch Geschwister oder Lebenspartner, Aufwendungen für die Verpflegung des Kindes oder Beiträge bei Sportvereinen sowie Ausgaben für Musikunterricht.

Zu berücksichtigen sind nur Ausgaben in Geld oder Geldeswert. Als Nachweis für die entstandenen Betreuungskosten sind eine Rechnung vorzulegen sowie die Zahlung auf das Konto des Leistungserbringers nachzuweisen.

Die Aufwendungen für Kinderbetreuung können nur in Höhe von zwei Dritteln der Kosten, maximal jedoch bis zu EUR 4.000 je Kind und Kalenderjahr geltend gemacht werden (Achtung: Diese Grenze gilt je Kind, nicht je Elternteil).

2. Wer kann Kinderbetreuungskosten steuerlich geltend machen?

Um Kinderbetreuungskosten steuerlich berücksichtigen zu können, muss der Steuerpflichtige erwerbstätig sein und mindestens zehn Stunden pro Woche einer auf die Erzielung von Einkünften gerichteten Tätigkeit nachgehen. Bei zusammen lebenden Eltern muss dies in der Regel für beide Elternteile zutreffen.

Nur der Elternteil, der die Kosten tatsächlich getragen hat, kann die Aufwendungen in der Steuer berücksichtigen. Haben beide Elternteile die Kosten getragen, kann jeder Elternteil seine tatsächlichen Aufwendungen bis zur Höhe des halben Abzugshöchstbetrages (EUR 2000) steuerlich geltend machen.

Die abzugsfähigen Ausgaben werden bei der Ermittlung der Einkünfte wie Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abgezogen.
Bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit können die Aufwendungen neben dem Arbeitnehmerpauschbetrag abgezogen werden.

Die Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten erfolgt vorrangig. Sollten die Voraussetzungen hierfür allerdings nicht erfüllt sein, besteht weiterhin die Möglichkeit zum Abzug als Sonderausgaben.

Voraussetzung hierfür ist, dass sich der Steuerpflichtige in Ausbildung befindet, krank, seelisch, körperlich oder geistig behindert ist. In diesem Fall können die Kinderbetreuungskosten wie beim oben dargestellten Abzug als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben in Höhe von zwei Dritteln der nachgewiesenen Kosten, maximal jedoch EUR 4.000 pro Kind und Kalenderjahr als Sonderausgaben angesetzt werden. Dies gilt nur, wenn diese Voraussetzungen für beide Elternteile zutreffen oder der Elternteil, bei dem dies nicht der Fall ist, erwerbstätig ist.

Trifft dies ebenfalls nicht zu, besteht noch die Möglichkeit die Betreuungskosten auch im Rahmen der Sonderausgaben zu berücksichtigen, wenn das Kind zwischen drei und sechs Jahre alt ist. Eltern mit Kindern in diesem Alter können Aufwendungen für die Betreuung unabhängig von Erwerbstätigkeit, Behinderung, Krankheit oder Ausbildung steuerlich geltend machen. Damit soll berücksichtigt werden, dass bei allen Eltern mit Kindern dieser Altersgruppe Betreuungskosten im Wesentlichen Kindergartenbeiträge in Abzug gebracht werden können.

Beispiel:
Die berufstätigen Eltern Anke und Hans haben eine elfjährige Tochter. Die Tochter besucht eine Ganztagsschule. Für das Jahr 2006 zahlen die Eltern EUR 800 für die Hausaufgabenbetreuung in der Schule.

Die Elternbeiträge können jeweils i.H.v. EUR 267 wie Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit bei Anke und Hans steuermindernd berücksichtigt werden (EUR 800 für die Hausaufgabenbetreuung x 50 % x 2/3).

Fazit:
Das Gesetz ermöglicht es an einigen Stellen die Kosten für die Kinderbetreuung steuerlich zu berücksichtigen.
Die Vorschriften hierfür gelten rückwirkend ab dem 01.01.2006, soweit die den Aufwendungen zu Grunde liegenden Leistungen nach dem 31.12.2005 erbracht worden sind.
Bei Fragen hierzu oder zu anderen steuerlichen Themengebieten helfen wir Ihnen gerne weiter.
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