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Steuerermäßigung bei haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen und Dienstleistungen

Dipl. Betriebswirt (FH) Georg Amann

Liebe Leserinnen und Leser,

unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht das Einkommensteuergesetz verschiedene haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse oder Dienstleistungen wie z.B. Haushaltshilfen, Pflegedienste oder Handwerkerrechnungen, die für einen inländischen Haushalt erbracht werden, beim Steuerpflichtigen steuermindernd zu berücksichtigen. Dies gilt grundsätzlich auch für Wohnungseigentümergemeinschaften, die einen Verwalter zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben bestellt haben.

Im Folgenden wollen wir Ihnen einen Überblick über die Steuerermäßigung bei haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen und Dienstleistungen geben.

Das Gesetz sieht für den Auftraggeber bzw. Arbeitgeber eine Steuerermäßigung für drei Fälle vor:

1. Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse
2. Haushaltsnahe Dienstleistungen
3. Handwerkerleistungen

Zu 1. Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse:

Bei der Förderung haushaltsnaher Beschäftigungsverhältnisse wird zwischen geringfügigen und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen unterschieden. Die Unterscheidung ist wichtig, da sie sich auf die Höhe der Förderung auswirkt. Im Übrigen werden haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse mit nahen Angehörigen (Ehepartner, Kinder) steuerrechtlich grundsätzlich nicht anerkannt.

Laut Gesetzgeber liegt ein Beschäftigungsverhältnis dann vor, wenn eine (nicht selbstständige) Tätigkeit mit engem Bezug zum Haushalt erbracht wird, z.B. Zubereitung von Mahlzeiten im Haushalt, die Reinigung der Wohnung des Steuerpflichtigen, die Gartenpflege und die Pflege, Versorgung und Betreuung von Kindern und von kranken, alten und pflegebedürftigen Personen.

Bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen ist ein Betrag i.H.v. 10% der Aufwendungen z.B. für Lohn, pauschale Sozialversicherungsbeiträge und Pauschsteuer abziehbar, höchstens aber EUR 510.

Bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen ist ein Betrag i.H.v. 12% der Aufwendungen z.B. für Bruttolohn und Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung abziehbar, höchstens aber EUR 2.400.

Liegt das Beschäftigungsverhältnis nicht während des gesamten Jahres vor, sind die Höchstbeträge zeitanteilig zu kürzen.

Zu 2. Haushaltsnahe Dienstleistungen:

Haushaltsnahe Dienstleistungen sind solche, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden und für die eine Dienstleistungsagentur oder ein selbstständiger Dienstleister in Anspruch genommen wird, z.B. Reinigung der Wohnung durch eine Dienstleistungsagentur oder einen selbständigen Fensterputzer, Gartenpflegearbeiten wie Rasenmähen oder Heckenschneiden und Pflege von Angehörigen durch einen Pflegedienst.

Die Steuerermäßigung kann dabei nicht nur durch die pflegebedürftige Person selbst, sondern auch von deren Angehörigen beansprucht werden, wenn sie für Pflege- oder Betreuungsleistungen aufkommen. Erhaltene Leistungen der Pflegeversicherung sind anzurechnen.

Bei haushaltsnahen Dienstleistungen ist ein Betrag i.H.v. 20% der Aufwendungen (=Arbeitskosten) abziehbar, höchstens aber EUR 600.
Der Höchstbetrag erhöht sich für die Inanspruchnahme von Pflege- und Betreuungsleistungen auf EUR 1.200.

Arbeitskosten sind Aufwendungen für die Inanspruchnahme der haushaltsnahen Tätigkeit selbst, für Pflege- und Betreuungsleistungen bzw. für Leistungen einschließlich der in Rechnung gestellten Maschinen- und Fahrtkosten.

Damit scheiden Materialkosten oder sonstige im Zusammenhang mit der Dienstleistung, den Pflege- und Betreuungsleistungen bzw. der gelieferten Waren (z.B. Stützstrümpfe, Pflegebett, Fliesen, Tapeten, Farbe oder Pflastersteine) aus der Begünstigung aus.

Die Regelung macht daher einen separaten Ausweis in der ausgestellten Rechnung nach Arbeits- und Materialkosten erforderlich.

Im Übrigen werden die Höchstbeträge für haushaltsnahe Dienstleistungen nicht wie die haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnisse anteilig für jeden Kalendermonat gekürzt, in dem die Voraussetzungen nicht vorliegen. Dies gilt auch für die im Folgenden dargestellten Handwerkerleistungen.

Zu 3. Handwerkerleistungen:

Gefördert werden handwerkliche Tätigkeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die in einem inländischen Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um regelmäßige Renovierungsarbeiten, kleine Ausbesserungsarbeiten oder um Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die im Regelfall nur von Fachkräften durchgeführt werden, handelt, wie z.B. Arbeiten am Dach, an der Fassade oder an Garagen, Reparatur oder Austausch von Fenstern und Türen, Reparatur, Wartung oder Austausch von Heizungsanlagen, Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen, Reparatur und Wartung von Gegenständen im Haushalt des Steuerpflichtigen (Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, Computer), Maßnahmen der Gartengestaltung oder Pflasterarbeiten auf dem Wohngrundstück.

Bei Handwerkerleistungen ist wie bei den haushaltsnahen Dienstleistungen ein Betrag i.H.v. 20% der Aufwendungen (=Arbeitskosten, vgl. 2.) abziehbar, höchstens aber EUR 600.


Zu beachten gilt es jedoch, dass ein Abzug der unter 1.-3. genannten Aufwendungen nur möglich ist, sofern sich diese nicht schon als Werbungskosten, Betriebsausgaben, Kinderbetreuungskosten, Sonderausgaben oder als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd ausgewirkt haben.

Fazit:
Sicherlich betrifft die Inanspruchnahme einer Handwerkerleistung für das eigene Haus und den Hausrat den Großteil aller Steuerpflichtigen. Bei der Bezahlung der Rechnung stellt sich dann die Frage, ob diese steuerlich berücksichtigt werden kann, wenn ja in welcher Höhe und in welcher Form der Nachweis gegenüber dem Finanzamt zu erbringen ist. Gerne helfen Ihnen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter.
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