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Claudia Jung: Millionenfache Ausspähung von Patienten?

Claudia Jung, MdL - familienpolitische Sprecherin der bayerischen FREIE WÄHLER Landtagsfraktion

Liebe Leser,

in Deutschland werden laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" Ärzte und Patienten in großem Stil ausgespäht. Rezeptdaten gelangen kaum verschlüsselt an Marktforschungsunternehmen und schließlich an die weltweite Pharmaindustrie. Laut "Spiegel" verfolgt das süddeutsche Apothekenrechenzentrum VSA mit Sitz in München, nach eigenen Angaben die Krankheiten von über 300 Millionen Patienten - darunter auch "42 Millionen verschiedene gesetzlich Versicherte" in Deutschland.

Wieder einmal bleibt der Datenschutz auf der Strecke – wieder einmal zeigt uns die Wirtschaft, wie wertvoll unsere Daten sind und wieder einmal gehen die Daten offenbar nach Amerika. Alles im Interesse der Patienten? Wohl kaum zu glauben! Marktforschungszwecke zur Steigerung von Umsatz und Gewinn, dürften wohl die hauptsächliche Rolle spielen.

Wenn ich dann lese, dass der Vorwurf der mangelnden Anonymisierung seit längerem bekannt ist, eine belastbare Klärung der Vorwürfe nach wie vor aussteht und eine endgültige Abhilfe offensichtlich bisher nicht geschaffen wurde, dann platzt mir die Hutschnur.

Auch wenn der US-Konzern den Bericht zurückweist, müssen die entsprechenden Marktforschungsunternehmen erklären, ob und inwieweit sie die Daten bereits genutzt und verarbeitet haben. Ohne eine wirksame Anonymisierung darf es keine weiteren Datenlieferungen geben.

Den Handel mit Rezeptinformationen bezeichnete der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, als einen der größten Datenskandale der Nachkriegszeit. "Es wäre traurig, wenn die Dienstleister des Vertrauensberufs Apotheker erst durch Gerichtsprozesse zur Vertraulichkeit zu veranlassen wären." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ihre

Claudia Jung
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 20.08.2013 | 22:11  
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