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Claudia Jung: Hohe Mieten verschärfen Armutsrisiko

Claudia Jung, MdL - familienpolitische Sprecherin der bayerischen FREIE WÄHLER Landtagsfraktion
Liebe Leser,

die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung hat ergeben, dass in 60 der 100 größten Städte einer vierköpfigen Familie, die weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens verdient, nach Abzug der Miete weniger als 1169 Euro bleiben. Das ist die Summe, die eine vierköpfige Familie, die auf die Grundsicherung angewiesen ist, monatlich zum Leben erhält – zusätzlich zu den Wohnkosten. Ausgewirkt auf die Studie dürfte sich allerdings haben, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass sie Anspruch auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen (Aufstocker) haben – oder sie machen diese schlicht nicht geltend, weil sie sich schämen.

Auch wenn die untersuchten Einkommen neben den Löhnen, die aus Arbeit stammen, auch Transferleistungen des Staates beinhalten, und auch wenn unter den Befragten dieser niedrigen Einkommensgruppen sich überproportional viele Hartz-IV-Empfänger befinden dürften, die ihre Wohnung vom Staat bezahlt bekommen, halte ich diese Zahlen für höchst alarmierend.

Die Bertelsmann-Studie macht allein die hohen Mieten dafür verantwortlich, dass das Wohnen für Geringverdiener zur Armutsfalle wird. Ich sehe aber auch, dass mehr und mehr Geringverdiener wegen prekärer Arbeitsverhältnisse und damit zu geringer Entlohnung unter die Hartz-IV-Grenze abrutschen.

Bei den politisch Verantwortlichen in Bayern müssten jetzt die Alarmglocken schrillen. In München müssten einkommensschwache Familien mindestens jeden zweiten Euro für die Miete ausgeben, in anderen Städten nur jeden fünften Euro. Zum Vergleich: Im Bundesschnitt liegen die Mietausgaben bei etwa 30 Prozent des Haushalts-Einkommens. Bisher orientiert sich der Hartz-IV-Anspruch am monatlichen Einkommen – erstmals lenkt die Studie jetzt den Blick auf den Zusammenhang von Einkommen und Miethöhe. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen das erkennen und das Thema Armut in Deutschland künftig stärker regional erfassen.

Wie soll es weiter gehen, wenn unsere Senioren immer weniger Rente bekommen, aber immer höhere Wohnkosten (Miete, Strom etc.) bezahlen müssen?

Ich sehe außerdem die Gefahr, dass eine gerechte gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mangels verfügbaren Einkommens trotz Transferleistungen nicht mehr ausreichend sichergestellt ist. Bildungschancen und Kinderarmut sind zwei Seiten derselben Medaille. Ich fordere Bund und Länder daher auf, mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereitzustellen und unverzüglich die finanziellen Fördermöglichkeiten für Geringverdiener zu überprüfen.

Ihre

Claudia Jung
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 24.07.2013 | 17:12  
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