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Jeder Stich zählt

Wenn Priv.-Doz. Dr. Volker Ruppert (Mitte) seine „Nahtkünste“ vorführt, folgen die am Nahtkurs teilnehmenden Ärzte aufmerksam jeder Bewegung.
Gefäßchirurgie ist eine filigrane Angelegenheit. Gefäßchirurgen operieren selbst kleinste Venen, Arterien und Lymphgefäße. Auch das Nähen feinster Gefäße gehört für Gefäßchirurgen zum Alltag. Dabei sind Präzision und Fingerspitzengefühl gefragt – und viel Erfahrung. Um derartig feine Eingriffe kompetent durchführen zu können, ist viel Übung nötig. Das ist auch die Grundidee eines Kurses, der vor Kurzem im Klinikum Ingolstadt stattgefunden hat: Im Rahmen eines speziellen Nahtkurses konnten Mediziner, die im Bereich Gefäßchirurgie tätig sind, gefäßchirurgische Nähtechniken erlernen, auffrischen und sich darüber austauschen.

„Das Nähen erfordert im Bereich der Gefäßchirurgie große Präzision. Man muss sehr sauber und fein nähen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Volker Ruppert. Jeder kleine Fehler könne sich sofort negativ auswirken. „Deshalb ist es wichtig, sich möglichst viel Erfahrung anzueignen“, so Ruppert. Er ist selbst ein routinierter Gefäßchirurg und Direktor der Chirurgischen Klinik III für Gefäßchirurgie. Erst vor Kurzem wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema der endovaskulären Techniken bei Aortenaneurysmen habilitiert.

Das nun im Klinikum aufgelegte Kursangebot geht auch auf eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG) zurück, die in Bayern ein Fortbildungsangebot im Bereich Gefäßchirurgie schaffen wollte und in Ingolstadt, im geographischen Herzen des Freistaats, einen idealen Partner gefunden hat. So konnte vor Kurzem der erste Kurs für vaskuläre Nahttechniken im Klinikum Ingolstadt stattfinden.

In dem Kurs vermittelten Ruppert und seine Kollegen einen halben Tag lang verschiedene Techniken und Tricks der vaskulären Chirurgie an die Teilnehmer – offenbar ein gefragtes Wissen, denn das Interesse an der Veranstaltung war groß. 16 Personen konnten an dem Kurs teilnehmen, mehr als doppelt so viele hatten Interesse angemeldet. Noch in diesem Jahr wird aufgrund des Zuspruchs ein weiterer Kurs folgen. Ein bis zwei Kurse pro Jahr sollten dann zu einer festen Einrichtung werden, wie Ruppert erklärt.

In dem Premierenkurs legten der Direktor und seine Kollegen viel Wert auf praktische Übungen. Verschiedene Nähtechniken wurden zunächst vorgeführt und zur besseren Sichtbarkeit per Videokamera auf eine Leinwand übertragen. Anschließend hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen und die gezeigten Nähtechniken der vaskulären Chirurgie zu erlernen oder aufzufrischen, und zwar sehr realitätsnah am Modell und an tierischen Gefäßen, wie etwa den Aorten von Schweinen, die denen von Menschen ähneln. Geübt wurden beispielsweise direkte Nähte bei Gefäßverletzungen, Erweiterungsplastiken bei Gefäßdefekten und Gefäßbypässe aus Venenstücken oder aus Kunststoff.

Bei solchen vaskulären Nähtechniken komme es auf jeden Stich an, sagt Ruppert aus Erfahrung. „Die Stichabstände müssen passen, damit es nicht zu Nachblutungen kommt. Man muss sehr sauber nähen.“ Denn gefäßchirurgische Nähte sind besonders fein und werden mit winzigen Nadeln und feinsten Fäden häufig unter der Lupenbrille durchgeführt.

„Das muss man trainieren“, erklärt Ruppert. „Uns ist daher vor allem wichtig, dass die Teilnehmer möglichst realitätsnah üben können und möglichst viel für ihre praktische Tätigkeit mitnehmen. Unser Angebot richtet sich sowohl an Fachfremde und Anfänger wie Medizinstudenten als auch an erfahrene Chirurgen, die sich austauschen, ihre Kenntnisse auffrischen oder sich über neuere Entwicklungen informieren wollen“, erklärt Ruppert, der sich über die sehr positive Resonanz der Teilnehmer freut. Erfreut zeigt er sich auch von der Tatsache, dass viele von ihnen aus Praxen und Krankenhäusern der Umgebung gekommen waren, mit denen Ruppert und das Klinikum auch weiterhin ein sehr gutes und kollegiales Verhältnis pflegen wollen. „Wir wollen uns mit unseren Kollegen austauschen und etwas von unserer Erfahrung weitergeben“, erklärt Ruppert. Es gehöre einfach auch dazu, sich zu informieren und im Sinne eines Benchmarkings zu vergleichen: Wie machen wir das und wie machen es andere?

Das nächste Kursangebot soll noch umfangreicher werden und in Zusammenarbeit mit dem Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des Klinikums unter der Leitung von Prof. Dr. Dierk Vorwerk auch einige neue, größere Eingriffe wie Gefäßaufdehnungen (Dilatationen) und Stentimplantationen beinhalten. Der Kurs soll dann als offizielle Weiterbildung zertifiziert sein. Darüber hinaus lädt die Chirurgische Klinik III Interessenten auch gerne zu einer Hospitanz in die Klinik ein, wo die Gäste einen tiefer gehenden Einblick erhalten und eingehende Erfahrung in der vaskulären Chirurgie und ihren speziellen Nahttechniken sammeln können.

Denn, da ist sich Priv.-Doz. Dr. Volker Ruppert sicher, der Bedarf an gefäßchirurgischen Eingriffen – und damit auch an den filigranen Nähten – werde in den nächsten Jahren sicher wachsen. Umso wichtiger sei es, dass die Ärzte, die in diesem Bereich tätig sind, entsprechend sicher mit den sich dabei stellenden Herausforderungen umgehen könnten.
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