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Fünf Jahre PalliativStation

Der Geschäftsführer des Klinikums Ingolstadt, Heribert Fastenmeier, konnte fast 100 Gäste zum fünften Geburtstag der PalliativStation begrüßen.
Der Palliativgedanke ist beinahe so alt wie die Medizin selbst. Schon immer haben Heiler und Ärzte nicht nur ihre Patienten mit den in ihrer Zeit zur Verfügung stehenden Mitteln behandelt und geheilt, sondern sind ihnen auch dort, wo die medizinischen Möglichkeiten an ihre Grenzen stießen, zur Seite gestanden, haben Schmerzen gelindert, Trost gespendet und die Kranken auch auf ihrem letzten Weg im Leben begleitet.

Dieser Gedanke ist im Zuge der enormen Erfolge der medizinischen Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten ein wenig in den Hintergrund gerückt. Das Sterben wurde vor allem als eine Niederlage der Medizin gesehen. „In den letzten Jahren aber hat sich dieser Blickwinkel wieder geändert“, erklärt Prof. Dr. Gunther Lenz, der Direktor des Instituts für Anästhesie und Intensivmedizin, zu der auch eine auf Palliativmedizin spezialisierte Einrichtung gehört: die PalliativStation. Der lindernde und beistehende Aspekt der Medizin, der Palliativgedanke, der von dem neulateinischen Wort „palliare“ für „ummanteln“, „umhüllen“ kommt, wird zunehmend wieder als eine wichtige Säule der Medizin gesehen. So sind in den letzten Jahren zahlreiche Palliativstationen und Hospize entstanden, die diesen Gedanken aufgreifen und umsetzen – auch in Ingolstadt.

Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass am Klinikum Ingolstadt die PalliativStation aus der Taufe gehoben wurde, die sich in der Zwischenzeit fest etabliert hat, wie Lenz betont. Man habe viel Zuspruch erfahren. „Inzwischen wissen die Menschen, dass es uns gibt und dass wir wichtige Arbeit leisten, gerade im Dienste derjenigen, die intensive Hilfe besonders nötig haben“, erklärt der Institutsdirektor. „Wir können noch viel für unsere Patienten tun, bei denen die heilende Medizin an ihre Grenzen gestoßen ist.“

Wenn ein Patient nach einer langen Behandlungsphase „austherapiert“ ist, wie es in der medizinischen Fachsprache heißt, das bedeutet, wenn die kurative Medizin keinen Weg mehr findet, ihn zu heilen, will man ihn dennoch nicht aufgeben. Denn die Medizin hat dennoch viele Möglichkeiten, zu helfen. Gerade schwer kranke Patienten am Ende ihres Lebens können zu Hause oft nur unzureichend versorgt werden. Die Angehörigen sind oft überfordert und brauchen professionelle Hilfe, etwa durch die spezialisierte Umgebung einer Palliativstation, ambulante Dienste oder auf dem letzten Weg durch die pflegende Umgebung eines Hospizes.

Palliativmedizin ist zwar längst nicht nur Aufgabe dieser Einrichtungen, sondern in vielen Bereichen der Medizin und natürlich auch in den anderen Stationen des Klinikums zuhause und alltäglich. Auch dort wird Menschen geholfen, die schwer krank sind. Auch dort werden Schmerzen gelindert und Behandlungsleistungen erbracht, die nicht unbedingt eine Heilung des Patienten versprechen. Aber während auf den anderen Stationen im Klinikum alles medizinisch Mögliche getan wird, um Menschen zu heilen, kommt der PalliativStation eine andere Aufgabe zu: Sie versorgt Menschen, für die die heilende Medizin keine Rezepte mehr hat, ebenso intensiv, aber eben auf eine andere Art und Weise. Das spürt man bereits an der Atmosphäre der Station: Statt Namensschildern gibt es an den Türen Symbole wie Blumen oder Tiere. Auf Wunsch findet auch eine intensive Betreuung im seelsorgerischen oder psychologischen Bereich statt, und die Angehörigen werden noch deutlich enger in die Versorgung der Patienten mit eingebunden als auf den anderen Stationen. Der Raum der Stille auf der Station ist ein Ort der Ruhe und Besinnung und des Andenkens an die Menschen, die hier ihre letzten Tage verbracht haben – ein Ort, um sich auch mit dem Tod vertraut zu machen, der ebenfalls zum Leben dazugehöre, wie Prof. Lenz sagt.

Die PalliativStation sei aber keinesfalls eine „Sterbestation“, sondern eine Einrichtung, bei der es darum gehe, die Patienten, die bereits eine intensive medizinische Behandlung hinter sich, aber dennoch unter den schwer kontrollierbaren Symptomen ihrer Krankheit zu leiden haben, wieder zu stabilisieren. Es gehe darum, ihre Leiden zu lindern und die Patienten wieder so einzustellen, dass sie nach Möglichkeit wieder nach Hause zurückkehren und trotz ihrer fortgeschrittenen Krankheit ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität erleben könnten, so Lenz. Über 40 Prozent der rund 300 Patienten, die jährlich in der PalliativStation mit zehn Betten versorgt werden, verlassen die Station nach den Angaben des Direktors daher auch wieder nach Hause oder in eine andere Einrichtung.

Diese Funktion sieht auch Dorothea Hentsch nicht nur als zentrale Säule der Medizin, sondern auch als wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Sie ist die Vorsitzende des Fördervereins der PalliativStation im Klinikum Ingolstadt e. V., der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Station für die schwer kranken Patienten so wohnlich wie möglich zu gestalten, das Team auf der Station zu unterstützen und die Möglichkeiten der palliativmedizinischen Versorgung in der Region bekannter zu machen und zu verbessern. Rund 130 Mitglieder zählt der Verein inzwischen, die mit einem Monatsbeitrag von zwei Euro, aber auch mit persönlichem Engagement dazu beitragen, dass die Station jenseits der Belange, die das Klinikum übernehmen kann, eine bestmögliche Versorgung für die Patienten bieten kann.

„Die PalliativStation leistet wichtige Arbeit. Sie hilft Menschen, die man zu Hause nicht mehr in dieser Form versorgen könnte, weil sie zum Beispiel starke Schmerzen haben, die im ambulanten Umfeld nicht mehr beherrscht werden können“, erklärt Hentsch. Gerade wenn die Symptome zu Hause nicht oder kaum kontrollierbar und die Angehörigen mit der Versorgung stark belastet oder überfordert seien, sei es oft sinnvoll, sie in die spezialisierte Umgebung einer Palliativstation zu geben.

Um diesen Menschen eine professionelle und speziell an ihre Bedürfnisse angepasste Versorgung bieten zu können, die nicht auf Heilung, sondern auf die Bedürfnisse eines unheilbar kranken Menschen ausgerichtet ist, hat das Klinikum im März 2004 die PalliativStation in Betrieb genommen. Mit ihrer Gründung lag das Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus übrigens voll im Trend: Als damals 15. Station dieser Art in Bayern wurde sie eingerichtet. Inzwischen ist die Zahl der Palliativstationen im Freistaat schon auf 35 angewachsen. Denn der Bedarf für die spezialisierte palliativmedizinische Versorgung schwer kranker Patienten sei da, betont auch Christian Halbauer, Leiter der Station.

Halbauer ist auch so etwas wie das Bindeglied zu einer weiteren Einrichtung der Palliativmedizin in der Region, die derzeit im Entstehen ist: dem Elisabeth Hospiz in Ingolstadt. Mit dem Hospiz will man in Zukunft eng zusammenarbeiten. Denn die beiden Einrichtungen stünden nicht in Konkurrenz, sondern trügen gemeinsam dazu bei, die palliativmedizinische Versorgung schwer kranker und sterbender Menschen zu verbessern und decken damit einen „weißen Fleck“ auf der bayerischen Landkarte der Palliativmedizin ab. Denn mitten im geografischen Herzen Bayerns gab es für die rund 400.000 Menschen in der Region 10 rund um Ingolstadt bis vor fünf Jahren keine solche spezialisierte Versorgung.

Jetzt feierte die PalliativStation des Klinikums ihren fünften Geburtstag, und zwar ruhig und mit leisen Tönen, wie es zu einer solchen Einrichtung passt. Die Feierstunde begann mit einem Gottesdienst, an den sich ein kleiner Festakt im Veranstaltungssaal des Klinikums anschloss. Neben anderen Ansprachen hat Dr. Susanne Roller aus einer der ältesten Palliativstationen in Deutschland vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München den Festvortrag gehalten. „Sie hat uns damals bei der Einrichtung unserer PalliativStation sehr geholfen“, sagt Prof. Lenz, der sich über das Jubiläum freut. Seit fünf Jahren ist die „etwas andere Station“ mit ihrer besonders fürsorglichen und liebevollen Umgebung ein Ort der Menschlichkeit in der medizinischen Versorgung – und ein Beleg dafür, wie wichtig und aktuell die lindernde und beistehende Medizin auch heute noch ist.
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