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Bayernweit einmalige Operationen mit Roboter sind im Klinikum Ingolstadt gut angelaufen

Das Klinikum Ingolstadt ist mit seinem OP-Roboter bayernweit wieder einmal Vorreiter.

Leonardo da Vinci gilt als eines der bedeutendsten Universalgenies der Geschichte. Er war einer der größten Künstler, Konstrukteure und technischen Vordenker der Geschichte - und das zu einer Zeit, als die Wissenschaft nach heutigen Gesichtspunkten noch in den Kinderschuhen steckte. Sein Name ist weltbekannt und nun durch eine neue Operationstechnik auch in der Medizin wieder in vieler Munde: Der Operationsroboter „DA VINCI“ hat nicht nur einen berühmten Namen, er könnte auch medizinische Eingriffe in der Urologie und den chirurgischen Fächern revolutionieren. Der Roboter unterstützt den Operateur während des Eingriffs und ermöglicht dadurch ein überaus präzises und schonendes Vorgehen, das in vielen Fällen jenseits dessen liegt, was mit menschlichem Fingerspitzengefühl möglich ist. Leonardo da Vinci gilt nicht nur als technisches Genie, das seiner Zeit voraus war - er war auch ein filigraner Zeichner, der zahlreiche anatomische Studien anfertigte, und er erschuf den ersten Roboter der Geschichte - und ist insofern ein idealer Namensgeber für den modernen Operationsroboter, der jetzt auch am Klinikum Ingolstadt im Einsatz ist.

In den USA, seinem Herkunftsland, ist der Roboter längst etabliert. Bereits seit dem Jahr 2000 werden dort Patienten erfolgreich operiert - und zwar mit einer Präzision, wie sie bisher nach menschlichen Maßstäben kaum möglich war. Rund 600 DA VINCI-Systeme seien inzwischen weltweit installiert, davon die große Mehrheit in den USA, wie Prof. Dr. Manseck, Direktor der Urologischen Klinik im Klinikum Ingolstadt, erläutert. Seit rund eineinhalb Jahren hat er sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Schnell war für ihn klar, dass diese Technologie in vielen Bereichen erhebliche Fortschritte bei verschiedenen urologischen und anderen Eingriffen bringen würde - mit erheblichen Vorteilen für die Patienten.

Das Besondere an dem Gerät: Der Computer operiert mit. Der Arzt operiert nicht mehr direkt am Operationstisch, sondern an einer modernen Konsole am Bildschirm. Der Computer nimmt die Bewegungen auf und überträgt sie auf die filigranen Mikro-Instrumente im Körper des Patienten. Die Bewegungen werden weiterhin vom Operateur vorgegeben, aber sie werden durch das rund eineinhalb Millionen Euro teure Gerät nachgeahmt und gegebenenfalls sogar korrigiert. Selbst feinstes Zittern der Hand, wie es sich beispielsweise bei Operationen mit den bis zu 30 Zentimeter langen Operationsinstrumenten bei einer Prostatektomie, der operativen Entfernung der Prostata, nicht ausschließen lässt, können durch das Gerät ausgeglichen werden. Aber nicht nur die Präzision ist einzigartig.

Die Instrumente, mit denen das System im Körper des Patienten operiert, sind auch weit beweglicher als die bisher üblichen laparoskopischen Instrumente. Der DA VINCI-Roboter ermöglicht deshalb minimal-invasive Operationen, wo sie bisher in dieser Form nicht möglich oder sinnvoll waren. Bisher konnten manche urologischen Eingriffe besser mit einer offenen Operation durchgeführt werden. Die Eingriffe per „Schlüssellochchirurgie“ waren aufgrund der langen und vergleichsweise unbeweglichen laparoskopischen Operationswerkzeuge nur in geringerer Qualität als bei einer offenen Operation möglich. Das ist durch DA VINCI anders geworden. Dort, wo er zum Einsatz kommt, sinke die Zahl der offenen Operationen auf inzwischen kaum mehr 30 Prozent, während der Anteil der minimal-invasiven Eingriffe auf inzwischen 70 Prozent gestiegen sei, wie Manseck aus Erfahrung weiß. Laparoskopische Operationen per Hand gebe es dann so gut wie gar nicht mehr, erklärt Manseck. Die Kombination aus Operateur und Computer sei einfach präziser.

Diese Erfahrung haben auch Prof. Manseck und sein Team gemacht: Am Klinikum Ingolstadt fanden vor kurzem die ersten minimal-invasiven Prostatektomien statt. Die Operationsergebnisse seien „hervorragend“, wie Manseck resümiert. Die ersten vier Prostatektomien, das heißt Totalentfernungen der Prostata, hätten bereits die Vorteile des Operationssystems deutlich zu Tage treten lassen. Die Patienten konnten sehr präzise und gleichzeitig schonend operiert werden. Nach nur einem Tag hätten sie wieder nach Hause gehen können, und auf Schmerzmittel habe man schon nach dem ersten Tag weitgehend verzichten können.

Das Klinikum Ingolstadt verfügt damit nun als eines von sehr wenigen Krankenhäusern über das hochmoderne Gerät. Insgesamt nur zehn Häuser in Deutschland haben das robotergestützte Operationsverfahren im Einsatz, das zudem nicht immer universell einsetzbar ist. So ist das Klinikum die erste und bisher einzige Klinik in Bayern, die im urologischen Bereich mit dem Gerät operieren kann.

Die Vorbereitungen für das Projekt laufen bereits seit langer Zeit. Schon vor rund eineinhalb Jahren begann Andreas Manseck sich intensiv mit dem Robotersystem, das ihn auf Anhieb überzeugte, auseinanderzusetzen. Der Direktor der Urologischen Klinik reiste mehrfach in die USA, sprach mit dortigen Ärzten über deren Erfahrungen, führte intensive Gespräche mit verschiedenen Experten, wie dem bekannten DA VINCI-Spezialisten Vipul Patel in Columbus (Ohio), und machte schließlich einen Intensivkurs im renommierten IRCAD-Institut in Straßburg. Gemeinsam mit seinem Team, Assistentin Dr. Petra Burzler und den beiden OP-Schwestern Kerstin Kempel-Nutz und Kerstin Bauer, übte Manseck alle wichtigen Schritte ein und trainierte das Operieren mit dem neuen System in aller Ausführlichkeit.

Beim ersten Einsatz begleitete zudem ein im Umgang mit dem DA VINCI-System erfahrener Operateur und ein Technik-Team des DA VINCI-Herstellers Prof. Manseck und sein eingespieltes Team, um die höchste Sicherheit bei der Premiere zu gewährleisten. Der Aufwand hat sich offenbar gelohnt. „Die Eingriffe sind reibungslos verlaufen und den Patienten geht es sehr gut. Mit der Unterstützung des Roboters kann man viel präziser und vor allem schonender operieren. Das zahlt sich für unsere Patienten aus. Das Risiko bei einer Prostatatotalentfernung wird zum Beispiel halbiert“, schwärmt Manseck. Besonders begeistert zeigt er sich auch von der besonderen Optik: Die hochwertige Optik in High-Definition-Qualität liefert dem Operateur gestochen scharfe und plastische Bilder aus dem Körper des Patienten, die weit über die flächigen, zweidimensionalen Darstellungen des „OP-Feldes“ hinausgehen, die bisher möglich waren. „Man hat fast das Gefühl, dass man sich im Bauchraum des Patienten befindet“, so Andreas Manseck.

Das DA VINCI-System scheint so etwas zu sein wie ein Blick in die Zukunft der Medizin, die gerade in den operativen Fächern auch von immer feineren und präziseren Eingriffen leben wird – davon ist auch Manseck nach den ersten Erfahrungen mit der neuen Technik im Klinikum überzeugt. Einziges Manko bisher: Die Eingriffe sind bisher noch relativ teuer. Das aber könne sich in Zukunft ändern und die Geschäftsführung des Klinikums habe sich dennoch schnell bereit erklärt, das System zu installieren, und das Projekt von Beginn an voll unterstützt. Die Palette der möglichen Eingriffe mit dem neuen System soll zudem noch ausgebaut werden. Derzeit laufen bereits die letzten Vorbereitungen für die ersten Eingriffe der Chirurgischen Klinik I unter Direktor Stefan B. Hosch.

Die Planungen im Klinikum gehen noch weiter: Chirurgische Eingriffe könnten in Zukunft in größerem Umfang vom Computer unterstützt werden. Sein Ziel sei es, gemeinsam ein Zentrum für robotische Medizin im größten Krankenhaus der Region zu gründen und zu etablieren, erklärt Manseck. Damit wäre Ingolstadt in diesem Bereich in einem weiten Umkreis unter den führenden Häusern. Der Chefarzt zählt bereits heute zu den renommiertesten Urologen in Deutschland. In einem Focus-Ranking kam er unter die besten 60 Urologen in der Bundesrepublik. Durch den Einsatz des neuen Verfahrens erhofft sich Manseck einen stärkeren Zustrom von Patienten von außerhalb der Region. Inzwischen habe sich in vielen Häusern in Bayern bereits herumgesprochen, dass das Klinikum über das DA VINCI-Gerät verfügt.

Der Direktor der Urologischen Klinik im Klinikum ist begeistert von der Technik: „So präzise wie der Roboter kann ein Mensch einfach nicht operieren. Durch das neue System erreichen wir eine erhebliche Qualitätssteigerung. Das ist ganz sicher die Medizin der Zukunft.“ Und auch Leonardo da Vinci, der sich zeitlebens anatomischen Studien widmete und selbst heimlich Leichen sezierte, um den menschlichen Körper in seiner Funktionsweise besser kennen zu lernen, wäre sicher von dem Gerät angetan und vielleicht auch stolz darauf, dem Gerät seinen Namen geben zu dürfen.
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