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Prakla-Seismos - Bohren mit Verstand – Ein „Volltreffer“ in Texas brachte Geo-Pionieren aus Niedersachsen Weltruhm

Seismische Aufnahmestation in den 1930ern
 
Schaubild Salzstock
Am nördlichen Ortseingang von Stederdorf liegt das ausgedehnte Firmengelände der Prakla Bohrtechnik GmbH. Der alte Name Prakla-Seismos ist überregional bekannt, doch dass der Traditionsbetrieb mit hannoverschen Wurzeln einst Geophysik auf Weltniveau initiierte dürfte weitgehend vergessen sein.
Spätestens seit Beginn der Metallzeit vor gut 5 Jahrtausenden suchte der Mensch intensiv nach Bodenschätzen. Sogar Bergbau wurde schon in der Früh-Antike erfolgreich betrieben.
Dabei verließen sich unsere Vorfahren auf Instinkt und eigene Beobachtungen. Das gilt beispielsweise für den Ölrausch in Edemissen-Oelheim, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Gegend in „Goldgräber-Stimmung“ versetzte. Schmierige Teerkuhlen ließen auf Ölvorkommen in der Tiefe schließen. Also bohrte man danach und „erntete“ zunächst nur wenige Eimer. Kein Wunder, denn es war die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen, bis es endlich sprudelte und man einen Zufallstreffer mit einem sogenannten „Springer“ gelandet hatte. Jahrzehntelang änderte sich kaum etwas an dieser Suchmethode.

Vor 100 Jahren wurde der erste Seismograph entwickelt

Dr. Ludger Mintrop entwickelte bereits vor und während des Ersten Weltkrieges den ersten feldtauglichen Seismographen. Damit war man in der Lage, markante Gesteinsgrenzen in der Tiefe mit großer Genauigkeit zu erfassen. Dieses Verfahren war ursprünglich für den Bergbau vorgesehen, erlangte aber mit dem Aufstreben der Ölindustrie in diesem Bereich große Bedeutung und ist 1919 schon patentiert worden. 1921 gründete er die Seismos GmbH mit Sitz in Hannover, aus der vor genau 80 Jahren 1937 die PRAKLA GmbH gegründet wurde. Doch was war das besondere an diesem neuen Verfahren? Nun, als am 19. November 1924 eine Tiefenbohrung in Housten Texas in exakt vorausgesagter Tiefe auf den Gipshut eines Salzstockes stieß, hatte die „Ölwelt“ ihre Sensation, ausgelöst durch eine handvoll Geo-Pioniere aus dem niedersächsischem Hannover. Ein echter Quantensprung, denn Ölsuche war nun kein Glücksrittertum mehr, sondern eine präzise Wissenschaft geworden.

1937 - Gold für Deutschland!

1934 brachte die Seismos den ersten feldtüchtigen statischen Schweremesser, das Thyssen-Gravimeter heraus. 100 Exemplare wurden binnen Kürze in alle Welt verkauft, als „Lohn“ gab es dafür auf der Pariser Weltausstellung 1937 die Goldmedaille!
1963 erfolgte die Fusion der „Seismos GmbH“ und „PRAKLA GmbH“ Die Übernahme und quasi Verstaatlichung der SEISMOS durch die PRAKLA war ein Politikum, insofern als der damalige politische Trend in Richtung Privatisierung lief.
Durch die Fusion entstand eine starke Gruppierung. Das Unternehmen wurde international erfolgreich.
1972 entstand in Uetze die PRAKLA-SEISMOS Geomechanik GmbH. Hier wurden alle Vibratoren und fahrbaren Bohrgeräte für die Stammgesellschaft entwickelt, gebaut und verkauft. Ein ausgedehntes Brunnenbohrprogramm in Ghana, Gambia, Guinea-Bissau, Marokko, Senegal und dem Tschad beschäftigte Teile der Geomechanik über viele Jahre. In Ghana allein wurden über 3.000 Brunnen gebohrt und eingerichtet. Auch die oberirdischen Anlagen wurden erstellt.
2004 erfolgte der Ankauf von 60% durch die BAUER Maschinen GmbH. Brunnenbau hat im Hause Bauer schon eine lange Tradition, so wurde der Entschluss gefasst, diese wieder aufkommen zu lassen. 2007 erwarb die BAUER Maschinen GmbH dann auch die restlichen 40 %.

Bohrtechnik für die ganze Welt aus Stederdorf

Die Prakla Bohrtechnik GmbH, seit dem Umzug aus Uetze 2003 in Stederdorf ansässig, fertigt Universalbohrgeräte für die ganze Welt. Als Mitglied der BAUER Maschinen Gruppe sind PRAKLA Bohranlagen weltweit in mehr als 50 Ländern im Einsatz. Sie werden zumeist unter schwierigen Bedingungen eingesetzt, gerade wo die Beschaffung von Trinkwasser große technische und logistische Probleme bereitet und große Tiefen angefahren werden müssen. Das Know-how von PRAKLA wird auch für vielfältige neue Aufgaben verwendet: Exploration von Rohstoffen unter extremen klimatischen Bedingungen, Bohrungen von Rettungsschächten, Gefrierschachtbohrungen im Mining-Bereich und mitteltiefe Geothermie-Bohrungen.
2006 sprach man noch von vollen Auftragsbüchern und investierte optimistisch eine Million € in eine neue Werkshalle in Stederdorf. Doch leider „kriselt“ es seit kurzem auch in dieser Branche. Bedingt durch externe wirtschaftliche und politische Einflüsse ist der Umsatz deutlich zurückgegangen. Hat das Peiner Unternehmen 2013 noch rund 30 Millionen Euro erwirtschaftet, lag der Umsatz im Geschäftsjahr 2015 nur noch bei sieben Millionen Euro, weshalb ein Drittel der Belegschaft in Stederdorf entlassen wurde.
Dem 1880 geborenen Ludgar Mintrop wurde einem Jahr vor seinem Tode am 1. Januar 1956 noch eine besondere Ehre zuteil, er erhielt 1955 das Bundesverdienstkreuz verliehen.
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Dieter Goldmann aus Seelze | 23.03.2017 | 20:20  
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