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Peines Hildesheim-Historie ist am Damm noch sichtbar. Fürstliches Wappen der Burgmühle von 1763 erzählt von alten Zeiten

Wappen am Damm
 
Fürstbischof Friederich Wilhelm v. Westphalen
Die um 1220 von Gunzelin angelegte Stadt Peine zu Füßen der schon zuvor bestehenden Burg blickt auf eine bewegte und wechselvolle Geschichte zurück, in der das Stift Hildesheim stets die größte Rolle einnahm, denn schon 1260 gingen Burg und Stadt Peine an die Hildesheimer.
Hart auf hart ging es besonders zu Zeiten der Hildesheimer Stiftsfehde anfangs des 16. Jahrhunderts zu, als der braunschweigische Gegner Stadt und Burg mehrfach massiv belagerte und stark beschädigte. Da es ihnen aber nicht gelang die Burg zu erobern, bescherte das uns Peinern den sagenhaften Mythos des standhaften Peiner Eulennestes! Dieses Glück währte allerdings nicht besonders lange, denn im Dreißigjährigen-Krieg brauchte man mal eben 3 Tage, um die Burg - modern gesprochen - „platt zu machen“!
Nach 1648 herrschte dann erst einmal westfälischer Friede, und man ließ auf den Grundmauern der alten Burg um 1660 eine Schloss-Festung erbauen, deren Relikte im heutigen Burgpark seit 1999 wieder zugängig sind.

Kolonialkrieg schwächt Hildesheimer Kassen

1757 aber wurde Peine in den Siebenjährigen Krieg verwickelt. 1756 war es in den Kolonien zum Krieg zwischen Frankreich und Großbritannien gekommen. Die Bündnisse auf beiden Seiten verwickelten auch Peine in diese Auseinandersetzung. 1757 und 1758 wurde es von Franzosen besetzt. Bis 1763 musste Peine die Kriegsparteien – sowohl die Franzosen als auch Braunschweig – mit Geld und Arbeitskräften (unter anderem zum Festungsbau) unterstützen. Am Ende des Krieges war das Stift Hildesheim hoch verschuldet.
1763 lautet aber auch die absolute Datierung des hoheitlichen Hildesheimer Wappensteins an der Fassade des Hauses Damm 25 in Peine, der ehemaligen Burgmühle am alten Fuhse-Übergang zur Kniepenburg, wo auch das Wegezolltor stand. Dieses Wappen läßt sich mit seinen Attributen wie den fürstlich bekrönten Wappen von Hildesheim und Westphalen in einer barocken Kartusche, sowie den gekreuzten Bischofsstäben sicher Friedrich Wilhelm von Westphalen zuordnen; er war Fürstbischof von Hildesheim und Paderborn.

Ein unternehmungslustiger Fürstbischof hinterläßt Spuren

Am 7. Februar 1763 wurde er zum Bischof von Hildesheim gewählt und am 23. Oktober im Hildesheimer Dom durch seinen Onkel, den Paderborner Fürstbischof Wilhelm Anton von der Asseburg, geweiht. Am 1. März 1773 wurde er Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge in Paderborn. Zusätzlich wurde er 1775 zum Apostolischen Vikar des Apostolischen Vikariats des Nordens ernannt. Mit dem Tod seines Onkels am 26. Dezember 1782 wurde er Bischof von Paderborn, das er 1783 offiziell in Besitz nahm. Der Bischof führte zahlreiche Reformen, unter anderem im Schulwesen und für die Landwirtschaft, durch. Er ließ die Burg Poppenburg in Burgstemmen umbauen. Das Palais der Burg, ehemals als Brauhaus genutzt, ließ er zu einer katholischen Kirche umgestalten. Anstelle einer Burg ließ er Schloss Fürstenberg errichten. Er war zudem verantwortlich für die heutige Gestalt des Schlosses Laer. Doch absolut nicht einzigartig war das agile Treiben des Hildesheimer Regenten, denn auch der direkte Nachbar in Braunschweig, der Wirtschaftsförderer Herzog Carl I., ließ nichts unversucht, den Wohlstand seines Landes zu mehren und investierte in unterschiedlichste teils exotische Projekte wie Seidenraupenzucht, Porzellanfabrikation oder Weinbau.
Der Peiner Wappenstein ist ein Relikt für die seinerzeit übliche hoheitliche Kennzeichnung von Wassermühlen durch den Landesherren, der das althergebrachte sogenannte "Mühlenregal" inne hatte, also über die Konzession entschied. Dadurch erhielten die Mühlen fast einen amtlichen Status. Eine Schrift aus dem Jahre 1783 vermerkt: "Zu Damm vor Peina ist bey der Burgmühle eine passable Brücke über die Fuse".
Bemerkenswert ist hierbei die Unterscheidung "Zu Damm vor Peina", denn die lange eigenständige Dammgemeinde kam erst sehr spät, im 19. Jahrhundert, zur Stadt Peine, obgleich sie sicher schon wegen der Lage an der Fuhse und der Fernstraße über Rosenthal wohl stets eine wichtige Rolle in der Versorgung von Burg und Stadt Peine seit dem Mittelalter inne hatte.

Peine um 1800 - Revolution, Regenten und Regierungen

Nach der französischen Revolution 1789 verbündeten sich 1792 Preußen und Österreich gegen Frankreich. Daraufhin zogen 1792 und 1793 preußische Truppen durch Peine. 1802 kam es zu einer Besetzung des Hildesheimer Stiftsgebiets durch die Preußen, ein Jahr später wurde Peine eine preußische Stadt. Unter Napoleon gehörte man schließlich sogar kurz zum Königreich Westfalen, und zu Zeiten des umtriebigen Amtmann Ziegler kamen die Befehle dann schon aus Hannover!
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Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode | 26.03.2019 | 10:13  
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