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Der Wolf – Vom Wappentier zum Wilderer. Gunzelins „Peine-Logo“ war nicht „exclusiv“, erzählt aber von fernen Zeiten.

Wappen d. v. Bartensleben Schloß Wolfsburg
 
Silberlöffel aus dem Peiner Heller
Das Thema „Wölfe“ spaltet zurzeit nicht nur eine ganze Nation, sondern wird sogar bereits Gegenstand von Landtagsdebatten! Einige Zeitgenossen sehen in dem Wiederkehrer den gefährlichen Schädling, der wahllos Schafe reißt und deshalb zum Abschuss freigegeben gehört. Andere empfinden das Rudel-Raubtier dagegen eher als exotische Bereicherung einer ohnehin stark dezimierten und regulierten Fauna. Der fabelhafte Isegrim war tatsächlich im letzten Jahrhundert in der Region ansässig und wurde aufgrund seiner Aktivitäten hier bejagt und fast ausgerottet.
Beispielsweise im Jahre 1660 warnte noch laut der naturkundlichen Chronik Nordwestdeutschlands der Rat der Stadt Northeim eindringlich vor winterlichen Reisen in den Solling, wegen der großen Wolfsgefahr! Der bekannte ausgestopfte „Gifhorner Wolf“ im dortigen Museum musste spät und spektakulär sein Leben lassen, als er noch im Februar 1956 in eine Treibjagd bei Knesebeck geriet.

Gunzelin & Co.

Auch im alten Peiner Stadtwappen finden wir einen Wolf, der anscheinend über 2 Ährenbündel (Garben) springt. Vermutlich um das Jahr 1000 gab es schon eine frühe Burg in Peine. Schriftlich greifbar wird aber erst 1130 ein „Berthold von Pagin“, der nach Ansicht einiger Namensforscher eher wohl „Spagin“ hieß. Dieser Begriff (auch die Variante „Spegin“) sollen im Mittelalter für „erschlossenes Gebiet“ gestanden haben; man findet ihn noch heutzutage abgeschliffen in manchen Ortsnamen und Flurbezeichnungen, wie beispielsweise „Spagenfeld“.
Die von Berwinkel, eines der ältesten und angesehensten Ministerialgeschlechter des Hochstifts Halberstadt, zählten zu der großen Sippschaft, zu welcher auch die von Wolfenbüttel, Grafen von Peine, von der Asseburg, von Bartensleben, von Apenburg und von Winterfeld gehörten. Der Ahnherr all dieser niedersächsischen Geschlechter war Widekind von Wolfenbüttel, der Urgroßvater Gunzelins. Er gilt als der Erbauer der Wasserburg Wolfenbüttel und Gründer der Stadt Wolfenbüttel. Alle führten gemeinschaftlich gleiche oder ähnliche Wappen mit dem Wolf. Gunzelin war ein beliebter Vorname innerhalb der Sippe.

Gunzelin von Wolfenbüttel (1187-1254), Peines Stadtgründer, war der Sohn von Ekbert I. von Wolfenbüttel, Vogt von Heiningen und Ministeriale Heinrichs des Löwen. Aus Gunzelins Ehe mit einer Ministerialen aus Hildesheim gingen die Söhne Ekbert III., Burchard III. und Gunzelin II. hervor. Gunzlin wurde Reichstruchsess und gewann als Heerführer und Staatsmann unter zwei Kaisern, dem Welfen Otto IV. und dem Staufer Friedrich II., große Bedeutung.
Obwohl ein Truchsess ursprünglich ein niederer Bediensteter war, sind bei Gunzelin eher militärische und diplomatische Aufgaben überliefert. Diese Aufgaben bestanden beispielsweise darin, als Gesandter bei Papst Innozenz die Ankunft Ottos IV. zur Kaiserkrönung 1209 anzukündigen. Durch die ihm auferlegten militärischen Aufgaben als königlicher und kaiserlicher Truchsess wurde er zum Ritter und erlangte durch Erbschaft die Grafschaft Peine. Um 1202 übernahm Gunzelin von Wolfenbüttel nach einer Fehde mit dem Hildesheimer Bischof Hartbert die Burg Peine. Auf einer Landzunge südlich dieser Burg gründete er wohl um 1219 die Siedlung Peine, die vermutlich 1223 erstmals als Stadt (Peyne civitas) schriftlich erwähnt wird.
Gunzelin hatte aber seinerzeit auch die führende Rolle bei der Erbauung der Asseburg inne, gegen die es zwar zunächst Proteste hagelte wegen der Wahl des Standortes "im Ausland", aber Gunzelin setzte sich durch, und ließ sie ab 1218 errichten. Als nunmehr Staufischer Ratgeber war Gunzelin in seinen alten welfisch-wolfenbüttler Besitzungen offenbar nicht mehr sicher. Von den Ausmaßen her war sie die größte Höhenburg Norddeutschlands und galt als uneinnehmbar. Seit 1492 ist die Asseburg schon eine Ruine, da sie im Zuge einer Fehde von der eigenen Burgbesatzung aufgegeben und in Brand gesteckt wurde. Der Wolf aber findet sich ebenso im Wappen der von Assenburg.

Gunzelins Wappen ist das typische Amtsträgerwappen des Ministerialgeschlecht von Berwinkel, welches als solches in das Peiner Stadtwappen übergegangen ist. Die Korngarben wurden als uralte Symbole für die Aufgabe des Truchsess gedeutet, der, wie schon erwähnt, ursprünglich nur für die kaiserliche Bewirtung zuständig war. Anfangs angeblich belächelt, seien diese Zutaten später stolz in den Sippen-Wappen weiterhin geführt worden. In der Heraldik ist der Wolf ein häufig gewähltes Wappentier. Eine Schrift des 19. Jahrhunderts vermerkt allerdings: "Die Stellung, wie er sie im Wappen der v. der Asseburg hat, dürfte viel eher auf einen Vielfrass in der bekannten merkwürdigen Stellung hindeuten, der der Fabel nach im Begriff ist, sich nach der Uebersättigung zwischen zwei Bäumen durchzuklemmen, um den Überfluss los zu werden, als auf einen „zum Sprung geschickten" Wolf".

Gunzelin-Spuren im Peiner Schloßgraben.

Mitte der 1980er Jahre fand sich beim Museumsbau am Burgberg in Peine ein greifbarer Beleg für Gunzelins Wappen-Symbolik. Der Bagger hatte den sogenannten Heller, einem schon vor über 100 Jahren verfüllten Fischteich, der Teil des strategischen Grabensystems der Eulenstadt war, angeschnitten und gab einen großen Silberlöffel mit absoluter Datierung und dem Stadtwappen frei, der einst zweifellos zum Schloß-Inventar gehörte. Er wurde umgehend der Bezirksarchäologie in Braunschweig übergeben, wo er leider nicht mehr auffindbar ist.
Eine urheberrechtlich streng geschützte Prunkversion des Peiner Wappens, welches wie bewiesen nicht einzigartig in seiner Emblematik ist, ließ man von dem bekannten Peiner Künstler Emil Werner Baule vor knapp 100 Jahren anfertigen. Dieses ziert noch immer die Homepage der Stadtverwaltung.
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