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Am Bahngleis " Beim Streckenwärter ".

An der Schranke zwischen Vöhrum und Hämelerwald, ein Übergang der auch Geschichte geworden ist.
Neulich haben wir ein "Lesebuch für Nieder-Deutschland" gefunden, daß noch aus meinen ersten Schultagen, etwa 1952, stammt. In diesem Buch stehen Erzählungen, Sagen und Gedichte. Als ich es durchblätterte, sah ich die Erzählung "Beim Streckenwärter" von Gerhart Hauptmann.
Wenn dieses Stück richtig gelesen wird, steht man life neben den Streckenwärter Thiel. Das Zittern der Erde, und das Keuchen und Toben des herannahenden Ungetüms ist dann leibhaftig zu fühlen.

Der Streckenwärter stand noch immer regungslos an der Barriere. Endlich trat er einen Schritt vor. Ein dunkler Punkt am Horizont, da wo die Gleise sich trafen, vergrößerte sich. Von Sekunde zu Sekunde wachsend, schien er doch auf einer Stelle zu stehen. Plötzlich kam er in Bewegung und näherte sich.
Durch die Gleise ging ein Zittern und Summen, ein ryhtmisches Geklirr, ein dumpfes Getöse, das, lauter und lauter werdend, zuletzt den Hufschlägen eines heranbrausenden Reitergeschwaders nicht unähnlich war. Ein Keuchen und Brausen schwoll stoßweise fernher durch die Luft.

Dann plötzlich zerriß die Stille. Ein rasendes Tosen und Toben erfüllte den Raum, die Gleise bogen sich, die Erde zitterte - ein starker Luftdruck - eine Wolke von Staub, Dampf und Qualm, und das schwarze Ungetüm war vorüber.
So wie sie anwuchsen, starben nach und nach die Geräusche.
Der Dunst verzog sich. Zum Punkte eingeschrumpft, schwand der Zug in der Ferne, und das alte heilige Schweigen schlug über dem Waldwinkel zusammen.
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