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Das Märchen von der trüben Funzel und der tropfenden Brause

Das ist sie nicht, die trübe Funzel!
 
Hier sollte allen ein Licht aufgehen. Ging aber nicht. Ist verboten!
 
Steter Tropfen höhlt das Hirn. Der neue Feldversuch der EU-Abteilung "PROBAT AD ABSURDUM"
Es war einmal vor langer langer Zeit ... So fangen alle Märchen an, so auch dieses schöne und gar erbauliche Märchen, das davon handelt, wie gute Menschen versuchen, aus uns allen noch bessere Menschen zu machen.

Also: Es war einmal vor langer langer Zeit, da trafen sich die Könige aus ganz Europa in der wunderschönen Hauptstadt des zweitkleinsten Königreiches und berieten sich untereinander, wie es ihnen wohl gemeinsam gelingen könnte, all ihren Untertanen unzählige Wohltaten angedeien zu lassen, damit es den braven Bürgern in Zukunft wie im Paradiese vorkäme; oder zumindest wie im Schlaraffenlande, wo bekanntlich Milch und Honig flössen und einem die gebratenen Tauben von selbst in den Mund flögen.

Nebenbei hofften die Könige – und auch eine Königin war darunter – natürlich auch, dass es ihnen damit gelänge, ihre segensreiche Herrschaft zu festigen und unerschütterlich zu machen. Aber das nur am Rande.

Nach langen Beratungen entschlossen sie sich dann endlich, dort in der Hauptstadt dieses Zweitkleinsten Königreiches von Europa einen großen Palast zu errichten, der der Großartigkeit ihrer endlosen Beratungen als sinnfälliges Symbol gelten sollte. Auf endlosen Fluren in zahllosen Amtstuben des himmelhoch ragenden Wunderturmes wirkten alsbald in unermüdlichem Eifer Legionen kluger Bediensteter aus allen Königreichen Europas an der Ausgestaltung des von ihren Königen so sinnreich beschlossenen Schlaraffenlandes, oder besser noch: des Paradieses auf Erden.

Und so begab es sich binnen Kurzem, dass zuallererst die Diener dieses Palastes sich vorkamen wie im Paradies. Sitzung folgte auf Sitzung, Beratung auf Beratung, Empfehlung auf Empfehlung und bald merkten sie alle, dass sie tatsächlich machen konnten, was sie wollten. Alle Bürger Europas waren glücklich, nunmehr auf dem besten Wege ins Paradies zu sein, dank des unermüdlichen Einfallsreichtums der Diener des Turms. Zuerst, das lag nahe, machten sich die Bediensteten daran, für die durcheinander fließenden, herumliegenden und kreuz und quer fliegenden Lebens- und Nahrungsmittel des Schlaraffenlandes sinnfällige Regeln zu erfinden, die bis dahin niemandem in den Sinn gekommen wären, aber selbstverständlich mit dem größten Ernst und der unbestreitbaren Notwendigkeit zum Nutzen und Frommen aller Bürger Europas zum Gesetz gemacht wurden. So unterteilte man das neue Schlaraffenland in verschiedene Klassen, in denen dann nur die entsprechenden Früchte zur Ernährung bereitgestellt werden durften. War z.B. ein Apfel klein, obwohl er zugleich frisch und wohlschmeckend war, so durfte er nunmehr nur noch in der Klasse Drei verzehrt werden. Äpfel für die Klasse Eins hatten vor allem wunderschön rot zu sein, mit glänzender Schale zu strahlen und mindestens 100 Gramm zu wiegen – wie's drinnen aussah, war egal.

Und so ersannen die hilfreichen Bediensteten des großen Brüsseler Turmes, denn so, das sei hier endlich verraten, hieß die Hauptstadt des zweitkleinsten Königreiches in Europa (Diese Hauptstadt hatte noch ein weltbekanntes Wahrzeichen, das in dem weiteren Verlauf dieses Märchens noch eine besondere Symbolik bekommen wird.), so ersannen sie also in emsiger Betriebsamkeit nach und nach für alles und jedes eine Beschreibung und Verordnung. Salatgurken mussten eine bestimmte Krümmung haben, Champignons mussten makellos weiß sein, für Bananen wurde eigens der Beruf des Bananenbiegers erschaffen.

Aber eines Tages ereignete es sich dann, dass die zahllosen Diener des Turms nichts mehr zu tun hatten, denn alles was für das Schlaraffenland zu regulieren war, war reguliert, geordnet und somit paradiesisch verbessert. Es trat eine große Langeweile ein. Reihenweise brachen sie sich die Finger in der Nase ab. Die Diener beschwerten sich bei Ihren Fürsten. Und diese erschraken sehr! Denn die paradiesischen Zustände im Innern des großen Turms sollten niemals aufhören. Waren sie doch die Garantie für die Sorglosigkeit der Könige, deren Macht dadurch für immer gesichert war. Und gab es denn mal einen leisen Protest unter den undankbaren Untertanen, so konnte der König immer sagen, "Ich war's nicht. Die da in Brüssel haben's gemacht. Ich muss mich fügen!"

Flugs ersannen sie also neue Betätigungsfelder. Aber dies Märchen würde niemals enden, denn wenn alle Segnungen hier aufgezählt würden und wäre man damit am Ende, so wären inzwischen wieder unendlich viele neue Verordnungen, Erlasse und Verbote – ja soweit war es inzwischen gekommen – hinzu gekommen, so dass es niemals enden wird!

Und hier beginnt nun endlich das eigentliche Märchen von der trüben Funzel und der tropfenden Brause. Allmählich hatten sich die Diener des dunklen Turms fast aller Lebensbereiche der Untertanen der Könige Europas siegreich bemächtigt, aber immer noch waren sie unermüdlich auf der Suche nach neuen Regulierungsebenen, denn nichts fürchteten sie mehr, als dass es noch etwas gäbe, das nicht von ihnen sinnreich geregelt wäre; abgesehen davon, dass sie sich davor fürchteten, sich weitere Finger in der Nase abzubrechen. Aber das nur am Rande.

Und bald hatte man es heraus! Das Heim der Untertanen war die Brutstätte, das ungezügelte Leben darin, das Private war der eigentliche Feind! Und so machten sich die Diener des dunklen Turms auf den Weg. Und bald fanden sie heraus, wie mit ganz kleinen einfachen Verboten auch hier sehr bald der Unordnung, ja dem Chaos eine endgültiges Ende bereitet werden könnte.

Die Könige Europas hatten indes heimlich beschlossen, einen Weg zu erproben, wie die Geduld ihrer Untertanen zuverlässig geprüft werden könne. Und so erfanden sie eine neue Abteilung im großen dunklen Turm, die alsbald über alle anderen Abteilungen herrschte! Diese Abteilung nannten sie "PROBAT AD ABSURDUM" und ab sofort mussten alle Vorschläge, Verordnungen und Verbote – ja soweit war es inzwischen gekommen – aller anderen Abteilungen daraufhin geprüft werden, ob sie auch unsinnig genug seien, die Geduld der Untertanen hinreichend gründlich zu prüfen und am Verstand irre zu werden, denn das Privatfernsehen allein schaffte es nicht, die Verblödung voranzutreiben. Aber das nur am Rande.

Den Dienern des dunklen Turms war es seit langem ein Dorn im Auge, wenn Dinge länger hielten, als ihre eignen Dienstzeit, so dass die Dinge imstande waren, alle Regulierungsmaßnahmen zu überleben. Insbesondere in den Privatbereichen der Untertanen schien buchstäblich der helle Wahnsinn zu herrschen. Wie könnte es denn sein, dass eine schlichte Glühlampe heller scheint, als all die anderen schönen neuen Lichterfindungen der darbenden Leuchtenindustrie, dass sie zu allem Übel unsinnigerweise auch noch heizt, und, was das Schlimmst ist, sie brennt ohn' Unterlass gut und gerne mindestens zehnmal länger. In USA, so geht die Mär, brennt eine sogar schon seit ihrer Erfindung vor über hundert Jahren (aber das ist sicher nur ein Märchen). Das gehört abgeschafft! Und so wurde eilends, aber mit bewährter Gründlichkeit und Unerbittlichkeit, daran gearbeitet, diesen elenden Zustand zu beseitigen. Und siehe da: Es war tatsächlich gelungen. Kein nennenswerter Bürgerprotest, kein Volksaufstand, nein: noch nicht einmal nennenswerte Hamsterkäufe hatten stattgefunden. Ganz offensichtlich war die Geduld der Untertanen immer noch nicht ausgereizt. Man musste weitermachen.

Notgedrungen machte man sich auf die Suche nach neuen, bislang unerhörten Möglichkeiten der Drangsal, des Kujonierens aller Untertanen des Vereinigten Königreiches von Europa. Und kundig im Finden von immer absurderen Geistesverirrungen kamen dann sehr schnell findige Geister aus der obersten Abteilung des Dunklen Turmes auf die schöne Idee, wie den Bürgern auch noch der letzte Tropfen Verstand aus dem Hirn getrieben werden könne.

Und so wurde in der mitlerweile weltberühmten Brüsseler Abteilung "PROBAT AD ABSURDUM" die Verordnung zur Abschaffung nicht normgerechter Brauseköpfe erfunden. Nachzulesen in einer seriösen Tageszeitung. Ein Schelm, wer Blödes dabei denkt. Wenn es denn überhaupt noch Schelme in diesem Lande gibt, die denken wollen. Aber das nur am Rande.

Zum guten Schluss dieses Märchens, denn alle Märchen haben einen guten Schluss; zum guten Schluss also erinnern wir uns des anderen Wahrzeichens dieser trotz allem in Teilen noch wunderschönen Hauptstadt des zweitkleinsten Königreiches in Europa. Dabei handelt es sich um eine kleine Brunnenfigur, die ziemlich schamlos und in aller Öffentlichkeit mit allergrößter Ausdauer seit ihrer Erstellung in einen Brunnen pinkelt. Manneken Piss. Mal sehen, wann an ihm ein neuer Brausekopf, europäisch genormt, installiert wird, so dass es mit dem steten Tropfen endlich aufhört ...
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8 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 06.01.2013 | 02:27  
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Gerhard Priester aus Daleiden | 06.01.2013 | 07:07  
38.303
Thomas Jacobi aus Annaberg-Buchholz | 06.01.2013 | 09:23  
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Gaby Floer aus Garbsen | 06.01.2013 | 11:32  
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Thorsten Floer aus Garbsen | 06.01.2013 | 14:14  
27.556
Heike L. aus Springe | 06.01.2013 | 14:39  
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Thorsten Floer aus Garbsen | 07.01.2013 | 10:56  
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Eberhard Weber aus Laatzen | 07.01.2013 | 13:50  
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