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Auf der Spur von Yak und Yeti

Thorung La, Nepal
Muktinath (Nepal): Thorung La | Auf einer Trekking-Tour rund um das Annapurna-Massiv sammeln Klaus-Uwe Gerhardt und Ernst Dreger über Ostern viele Eindrücke und zahlreiche Höhenmeter im stark vom Erdbeben heimgesuchten Nepal, einem der ärmsten Länder der Welt.

Es ist noch keine Monsunzeit, das Wetter spielt mit auf ihrer Erlebnisreise durch Nepal. Highlight des Annapurna Treks: der Thorung La – mit 5416 Metern einer der höchsten Pässe in der Bergwelt des Himalajas. Für Dreger ist es das zweite Mal in Nepal, Gerhardt bereut es nicht, sich für den „mehr als grandiosen“ ersten Trip dorthin entschieden zu haben. Allein die Ankunft in Nepals quir­liger Hauptstadt Kathmandu ist ein Abenteuer besonderer Art – Hupkonzerte rund um die Uhr, ungewohnte Verkehrsregeln, Gewirr von überirdischen Stromkabeln, kaputte Straßen und Schlaglöcher so tief wie Mondkrater.

Das Hotel am Rande des Touristenviertels Thamel ist rasch gefunden, am Tag darauf wird eine Sightseeingtour organisiert und noch schnell eine Daunenjacke gegen die Kälte im Hochgebirge erstanden. Am Busbahnhof geht’s dann endlich los. „Doch wie sollten wir Ausländer den richtigen Bus finden? Kein Fahrplan, kein Hinweisschild waren zu sehen“, erzählt Gerhardt. „Aber dafür gibt es die sogenannten Contact-Boys, die einem rasch gegen eine kleine Vermittlungsgebühr helfen.“ Die beiden Männer erwartet eine stundenlange Busfahrt auf Schlaglochpisten im überfüllten Minibus. Dennoch sind sie froh, die staubige und laute Stadt zu verlassen. „Bei uns wäre der Kleinbus für maximal neun Leute zugelassen“, sagt der Obertshausener. Doch in Nepal wackelt das Gefährt mit über 20 Passagieren zum Ausgangspunkt der Wanderung – nach Besisahar.

Die erste Tour-Nacht verbringen sie noch in subtropischem Klima mit Moskitonetz in einer Lodge in Ngadi (900 Meter). Die Tages-Etappen mit jeweils sechs bis acht Stunden Gehzeit führen auf gut markierten Wegen und über viele Hängebrücken abseits der staubigen Straße stetig bergauf. Strommasten sind zusätzliche Wegmarken – alle Dörfer sind mittlerweile elektrifiziert. Die vielen Wanderer tragen dazu bei, dass die Dorfbewohner entlang des Weges und den Alternativrouten durch Tourismus ihr schmales Einkommen aufstocken.

„Unsere Hauptsorge galt während des Trips der Höhenkrankheit, wir wollten gesund ankommen“, berichtet der Berufsschullehrer. Der junge Guide mahnt sie daher stets „slowly“ ohne Stop-and-go zu gehen. Höhenmeter um Höhenmeter schrauben sie sich nach oben. Schon am vierten Tag übernachten die Gefährten nach einem strengen Aufstieg bei Schneetreiben in Ghyaru (3670 Meter). Es hat nachts minus acht Grad Außentemperatur – sie gehen in voller Montur früh schlafen, mummeln sich in den Daunenschlafsack ein. Die zugige Hütte ist nur in der Küche spärlich beheizt, direkt über sich sehen die Männer das Wellblechdach, die Bretteraußenwand hat breite Ritzen. „Den nächtlichen Gang zur Außentoilette haben wir uns da lieber gespart“, sagt der 62-jährige Gerhardt. Gut gelaunt und ohne Frostbeulen geht’s nach dem Frühstück auf frischem Neuschnee nach Manang (3540 Meter). Die Lodges dort sind in der Saison fast ausgebucht. Zur besseren Akklimatisation werden in den Reiseführern zwei Übernachtungen in Manang empfohlen, verbunden mit einem Tagesabstecher zum Ice-Lake (4600 Meter).

Weiter geht’s über Ledar (4200 Meter) zum Thorung High Camp (4925 Meter). Es begegnen Yak-Karavanen und internationale Wandergruppen, teils mit Walki-Talki, GPS und Satelittentelefon ausgerüstet. Die beiden Obertshausener, wobei Dreger mittlerweile wieder in Offenbach wohnt, kommen mit rund zehn Kilogramm Wandergepäck aus. Sie schnaufen zum View Point beim High Camp hinauf – „bei strahlend blauem Himmel ein ergreifendes Gefühl zum ersten Mal über 5000 Meter“, erinnert sich Gerhardt. Aber schaffen sie es am nächsten Morgen ohne Höhenkrankheit zum Pass? Beim Frühstück sprechen beide über Herzrasen, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Diarrhö – machen sich gegenseitig Mut.

Bei Eiseskälte und Neuschnee geht es schließlich bei Dunkelheit um 5:30 Uhr gemeinsam in einer langen Schlange von Trekkern mit der Stirnlampe los. Auf zum Höhepunkt der Wanderung, dem Thorung La (5416 Meter). Eine Frau liegt am Wegrand im Schnee, sie wird betreut – den Rettungshubschrauber sieht man auf der Wanderung mehrmals täglich fliegen. Langsam und bedächtig setzen sie einen Fuß vor den anderen. Immer öfter werden Verschnaufpausen eingelegt. Manche Trekker lassen ihren Rucksack auf der letzen Etappe zum Pass von einem Porter schleppen oder haben Maultiere gemietet. Nach viereinhalb Stunden kommen sie auf der Passhöhe an. Geschafft! Nach dem obligatorischen Beweisfoto steht auch schon wieder der steiler Abstieg über 1700 Meter in die Pilgerstadt Muktinath an.

Angesichts der Tour über 250 Kilometer und unzählige Höhenmeter gönnen sich die Freunde ausnahmsweise eine Busfahrt auf der sandigen Jeep-Road im Kali Gandaki-Tal, das Atmen fällt schwer in den staubige Windböen. Auch ein Bad in den heißen Quellen von Tatopani haben sie sich verdient, bevor es auf den zahlreichen Steinstufen durch Rhododendronwälder wieder hinauf geht auf den Poon Hill (3193 Meter). Ganz andere Wanderer kommen nun entgegen - dünn bekleidet mit leichtem Schuhwerk, auf dem Muli reitend oder mit dem Helikopter eingeflogen aus Pokhara. „Wir aber haben den ganzen Annapurna Circuit plus eine Extraschleife absolviert, was uns gehörigen Respekt bei der einheimischen Bevölkerung verschafft hat“, erzählt Gerhardt.
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