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Kreisfusion Osterode: Lassen wir uns künftig verwalten?

Osterode am Harz: Kreishaus | Quo vadis, Osterode:
Lassen wir uns zukünftig verwalten
oder werden wir aktiv unsere Zukunft selbst gestalten?
Osterode (kip) Die Bürgerinitiative „Für Osterode“ nimmt zur Fusionsfrage Stellung: „Die beiden Fusionsalternativen für unseren Landkreis lassen sich auf eine einzige Frage reduzieren:
Wollen wir uns zukünftig aus einem entfernten Oberzentrum Göttingen aus verwalten lassen, oder haben wir den Mut, zusammen mit einem ähnlichen Partner auf Augenhöhe die gemeinsamen, regionsspezifischen Probleme anzupacken und unsere Zukunft im Harz selbst zu gestalten?“ fragt Jon Döring von der Bürgerinitiative „Für Osterode“.
Die Bürgerinitiative sieht im Zusammengehen mit unserem nördlichen Nachbarn die Chance, das
bislang brachliegende Potential, das der Harz bietet, zu heben. Die bisherige Zusammenarbeit mit Göttingen habe die Sogwirkung des Oberzentrums bei der Abwanderung Jugendlicher und junger Erwachsener nur verstärkt, ein Umsteuern sei dringend erforderlich. „Warum sind wir trotz der jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit Northeim und Göttingen überhaupt in diese Situation
geraten,“ fragt Dr. Thomas Grammel: „man kann deutlich erkennen, dass die bestehenden
Verflechtungen nach Süden hin unseren Landkreis die Probleme noch verstärkt haben, weil es an kreativen Problemlösungen für den Westharz fehlt. Es ist Zeit, nach anderen Wegen zu suchen, auch wenn dies bedeutet, bestehende Kooperationen nach Süden auf den Prüfstand zu stellen.“
Im Bereich der beruflichen Bildung zeige sich dies bei der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen, sagt Jon Döring: „Die Struktur der BIGS zeigt das Problem der Situation von Ausbildung im Landkreis Osterode am deutlichsten, denn nicht ein einziger Netzwerkpartner der BIGS hat seinen Hauptsitz bei uns in Osterode.“
In einer E-Mail an Jon Döring hat Mathis Weselmann von der BIGS bestätigt, dass die meisten der Kooperationspartner nur eine Geschäftsstelle in Osterode unterhielten, sich der Hauptsitz aber in anderen Städten befinde. „Das bestätigt uns in der Einschätzung, dass spezifisch auf die Harzer Probleme ausgerichtete Bildungslösungen, die Ausbildung und Arbeit vor Ort sichern helfen könnten, dadurch nicht zielführend umsetzbar sind“, so Döring. Die Abwanderung junger Erwachsener aus dem Harzraum perspektivisch zu stoppen gelinge nur mit Strategien, die mit Partnern vor Ort erarbeitet und mit Bildungsangeboten, die mit den im Harz zukunftsfähigen Clustern vernetzt werden.
Das von den Schulleitern der Osteroder BBS befürchtete Abwandern einzelner Ausbildungsgänge ist nach Einschätzung der Bürgerinitiative kein Fusionsproblem, sondern ein Qualitätsproblem: „Ausbildungsbetriebe suchen die bestmögliche Beschulung für ihre Auszubildenden im Rahmen einer akzeptablen Erreichbarkeit. Die Beschulung der Mechatroniker in Osterode wird insofern aufgrund der erheblichen Investitionen am Standort der BBS II vermutlich auch nach einer Fusion mit Goslar fortgeführt werden können,“ so Dr. Grammel, „gerade vor der auch in Northeim und Göttingen angespannten Haushaltssituation wäre es unvernünftig und ökonomisch nicht nachvollziehbar, neue Werkstätten einzurichten, wenn bereits solche andernorts bestehen. Ich gehe davon aus, dass in Zukunft die Ausbildungsqualität einer BBS eine zentrale Rolle für die Inanspruchnahme bilden wird. Dies ist an sich zu begrüßen und kann Chancen für Osterode bieten.“ Insbesondere bei einer Fusion zu einem Großkreis, betonte Döring, enstehe ein Konkurrenzkampf der einzelnen Berufsschulen, wie man ihn in der Region Hannover erlebt habe. „So wurde beispielsweise meine Berufsschule als eine von fünf berufsbildenden Schulen geschlossen, Bildungsgänge in großer Zahl gegen Widerstände von Eltern, Ausbildungsbetrieben und Schülern verlagert. Die Folge waren lange Anreisezeiten, hohe Kosten und lange Wege zur Schule – und zahllose Demonstrationen von Schülern, Eltern und Lehrkräften,“ betont Jon Döring, der seit 1998 in der beruflichen Bildung tätig ist.
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