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Schlaraffia : Verein oder Philosophie ?

Oldenburg (Oldb): Schlaraffia e.V. | Wie alt muß man werden, um wieder jung sein zu können?
-Schlaraffia , ein Schlaraffenland des Geistes –
- Dr. Klaus Groh -

Er war 21, als er als Student das letzte Mal seine Gitarre in die Hand nahm. Dann begann das Leben. Er war 65, als er sich pensionieren ließ-. Ein erfülltes Leben war hinter ihm. Aber, das kann es doch nicht gewesen sein? Gehört er nun zu den sogenannten „Ruheständlern“? Nein, zur Ruhe setzen wollte er sich nicht – noch lange nicht. Nein, das brauchte er auch nicht. Auf jeden Fall nicht in Oldenburg!!

In Oldenburg gibt es einen Verein, der erstaunlicherweise auf der ganzen Welt existiert, insgesamt über 300mal, und es ist ein Männerverein. In der Mitte des vorletzten Jahrhunderts gründeten sich viele lebensbejahende Vereine, die ihre Stärke in der Kultur, in der Kunst und im Humor sahen. Die Damen gründete die sogenannten Salons, die Herren verschiedene Männervereine. Einer dieser Vereine ist die Schlaraffia. Ursprünglich 1859 in Prag als satirische Reaktion auf die damalige k.u.k.-Donaumonarchie und auf das hierarchische Gehabe der deutsch-österreichischen Hochkultur, ins Leben gerufen von Schauspielern und Schriftstellern. 32 Jahre später, 1891 im damaligen Großherzoglichen Hoftheater Oldenburg ( heute Staatstheater) im sogenannte Schwibbogen des Theaterkellers von Hofschauspielern und Kammermusikern des Theaters als „Schlaraffia Oldenburgia“ gegründet. „Kunst“, „Freundschaft“ und „Humor“ sind die gepflegten Ideale.
Zu diesem Männerverein, der mehr eine humane Philosophie verkörpert als die Geflogenheiten eines tradierten Vereins, stieß der sogenannte unfreiwillige „Ruheständler“. Er wurde Mitglied, holte seine alte Gitarre wieder hervor, fing nicht nur an, wieder zu singen, nein, dazu kamen eigene musikalische Kompositionen und lebendige Texte. Ein erfülltes Leben war der unerschöpfliche Brunnen für geistige Ideen, wurde ein Quell für neue Inspirationen. Er befand sich in einem fröhlichen Kreis Gleichgesinnter.
Das reale Durchschnittschnittalter kreativer Schlaraffen im Männerbund ist weit über 60, allerdings glaubt man, wenn man sich im Kreis der alten Junggebliebenen aufhält, dass man sich bei einem der kleinkünstlerischen fröhlichen spritzigen Vereinsabenden eher im Kreis von aufgeschlossenen frischen Dreißigjährigen befindet als bei üblicherweise ruhigen Rentnern.
Weltweit gab es ca.400 schlaraffische Reyche, so nennen sich die Vereine, mit ca. 10 000 Mitgliedern auf allen Erdteilen. Viele Vereine sind in der Zeit des Nationalsozialismus gelöscht worden. Heute existieren etwa noch 220 Reyche. Gründe des Verschwindens waren waren das sog, Gleichschaltungsgesetz, das Vereine nur duldete, wenn der Zusatz „Reichs-…“ ergänzt wurde, was die Schlaraffia nicht mitmachte - und weil viele Mitglieder der Schlaraffia jüdischen Glaubens waren. Vereine, die in den osteuropäischen Ländern lagen, (auch in den baltischen Ländern) konnten verständlicherweise in der sog. „finsteren Zeit“ nicht weiterbestehen.
Wegen ihrer logenähnlichen Struktur galt in der NS-Zeit die „Schlaraffia“ als eine „jüdisch unterlaufene – für das Volkswohl gefährliche – Allerweltsgesellschaft“.
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Die Schlaraffia Oldenburgia e.V. existiert durchgehend als einer der aktivsten und ältesten Kulturvereine in der Stadt nun bereits mehr als 125 Jahre. Tabuthemen sind Politik, Religion und Geschäft, drei Bereiche, die weltweit immer Unruhe stifteten und oft zu Kriegen geführt haben. Die Gründungsväter dieses Vereins taten gut daran, diese drei immer heiklen Bereiche völlig auszuklammern. Wer also Freude an praktiziertem Frohsinn hat und auch in der Lage ist, über sich selbst einmal zu lachen, ist immer willkommen, denn er zeigt, dass er jung geblieben ist.
HUMOR -  ein Lebenselixier, ein Gesundbrunnen für jedermann.,
Es ist ein Versuch wert, einmal reinzuschauen.

schlaraffia@gmx.org
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Klaus Groh, Dr. aus Oldenburg (Oldenburg) | 25.04.2019 | 16:45  
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