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Offenbacher Erklärung "Fluglärm" auf Facebook - keine Lärmbündelung über Wohngebiete!

Wann? 17.09.2011 11:15 Uhr bis 17.09.2011 13:00 Uhr

Wo? Finanzamt, Hauptbahnhof, Bismarckstraße, 63065 Offenbach am Main DEauf Karte anzeigen
Offenbach am Main: Finanzamt, Hauptbahnhof | „Lufthansa weiter der Platzhirsch in Frankfurt“, „ Zukünftig sollen 90 Millionen 90 Millionen statt 53 Millionen Menschen in Frankfurt starten und landen“, „701 000 Flugbewegungen im Jahr 2020 statt knapp 500 000 aktuell“, „Neue Landepiste ab Oktober hat genug Abstand zur Südbahn und kann im Gleichtakt betrieben werden“, so einige der aktuellen Schlagzeilen der Medien. Was bedeutet die Entwicklung für die Menschen im Osten der Rhein-Main-Region, was bedeutet das für Offenbach?

Auf Grundlage der bisherigen Routen und einer weiteren geradlinigen Anflugroute über Offenbach zur neuen Nordwestbahn hin wurden die zu erwartenden Fluglärmbelastungen für 2020 berechnet. In diesem Szenario werden die meisten Wohngebiete Offenbachs einer extremen Fluglärmbelastung unterliegen, die passive Lärmschutzmaßnahmen erfordern. Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen dürfen dort grundsätzlich nicht mehr errichtet und Baugebiete nicht mehr ausgewiesen werden.
Vorgeschlagene aktive Lärmschutzmaßnahmen zur Entlastung stark betroffener Wohngebiete in Offenbach und Umgebung sind laut Fraport AG und Flugsicherung möglich und „ICAO-konform“ , liegen aber den zukünftigen Planungen zu sog. Lärmschutzzonen nicht zu Grunde.

Doch wie ist die Realität über den Dächern Offenbachs? Hier eine Momentaufnahme der Flugbewegungen (nur Anflug) über Offenbachs Wohngebiete in der lauen Nacht von Sonntag, den 4.9. auf Montag, den 5.9.2011 (Quelle: Umwelthaus unter http://www.forum-flughafen-region.de): 22 - 23 Uhr 24 Maschinen im Anflug über Offenbach, 23 Uhr - 0:20 Uhr nochmals 22 Maschinen, 2 Maschinen nutzten den segmentierten Anflug südlich des Stadtgebietes. Die Wind wehte in der Nacht überwiegend mit 5 – 7 Knoten aus Nordost, hier ist normalerweise Betriebsrichtung Ost (kein Landeanflug über Hanau, Mühlheim und Offenbach) angesagt. Der gesamte nächtliche Anflug wird dennoch im Osten des Flughafens zu Lasten der bereits vom Fluglärm Hochbetroffenen abgewickelt.

Unabhängig von diesem besonders drastischen Fall nächtlichen „Fluglärmterrors“ ergeben sich aus den Erfahrungen der letzten Monate folgende Erkenntnisse:
• Das Maßnahmenpaket für den aktiven Lärmschutz zeigt bislang keine entlastende Wirkung in Offenbach im erforderlichen Umfang: Beibehaltung der Betriebsrichtung West trotz leichter Winde aus Nord bis Ost verhindern Lärmpausen über dem Süden Offenbachs. Allein die südliche Umfliegung Offenbachs („segmentierter Anflug“) zeigt Wirkung, erfolgt aber nur nachts zwischen 23 und 5 Uhr und wird nicht von allen Maschinen geflogen.
• Tiefere Anflüge als bisher über Offenbach, wie von Anwohnern mit Hinweis auf die Aufzeichnungen des Umwelthauses kritisiert, erhöhen ebenfalls die Fluglärmbelastung.
• Nicht wenige Piloten, insbesondere ausländischer Fluggesellschaften, fahren weiterhin ihr Fahrwerk bereits über Offenbach aus und vermitteln damit nicht den Eindruck, zu einem maximalen Lärmschutz beitragen zu wollen.
Die Prognose zur Entwicklung des Fluglärms ist für die betroffene Wohnbevölkerung in Offenbach alarmierend: Es muss alles getan werden, dieses Szenario abzuwenden! Das bisherige weitgehend statische, auf Bündelung ausgelegte An-und Abflugverfahren ist offensichtlich nicht in der Lage, jetzt und zukünftig unzumutbare Lärmbelastungen zu vermeiden. Lebensqualität ist für die Zukunft Offenbachs und die Region Rhein-Main ein wichtiges Gut. Eine Begrenzung des Fluglärms zu Gunsten hochbelasteter Bürgerinnen und Bürger ist dazu unverzichtbar. Betriebswirtschaftliche Ziele des Flughafenbetreibers müssen auch im Einklang stehen mit den Grundbedürfnis nach Lebensqualität in der Region.

Was wir deshalb dringend brauchen:
• Die Region braucht ein flexibles, intelligentes Flugverkehrsmanagement über unseren Köpfen statt einer Lärmbündelung über Wohngebieten.
• Der Flugbetrieb muss so organisiert werden, dass die Nacht- und Tagschutzzonen vor dichtbesiedelten Ballungszentren enden, indem für An- und Abflüge die Korridore im Rahmen des flugtechnisch Möglichen ausgeweitet werden für mehr räumliche Flexibilität und weniger Hochbelastete. Ziel: absolutes Nachtflugverbot, Vermeidung bzw.Begrenzung der Verkehrsbewegungen über dicht besiedelte Wohngebiete, mindestens aber die Deckelung Dauerschallpegel nachts (22-6 Uhr) < 50db, tagsüber < 55db, um die Grenze des Unzumutbaren nicht zu überschreiten (Fluglärmgesetz).

Daraus resultierende Forderungen an Land, Bund, Deutsche Flugsicherung und Fraport AG:
• Entwicklung eines Flugverkehrsmanagement-Systems Rhein-Main, dass die Einhaltung der Grenzwerte ermöglicht, unter Berücksichtigung der möglichen alternativen Flugrouten. Bei der Flugroutenbestimmung wird insbesondere der Umfang der stark betroffenen Wohnbevölkerung berücksichtigt. Schutz der Wohnbevölkerung geht vor Leistungsmaximierung.
• Für das Wohlergehen einer Region, eines Landes sind nicht alleine wirtschaftliche Interessen einer Aktiengesellschaft wie Fraport AG von Belang, auch wenn dadurch wirtschaftlich positive Effekte auf das Umland zu erwarten sind. Geld verdienen ist wichtig, wichtiger ist aber das Wohlergehen des Menschen, das auch von anderen Dingen maßgeblich beeinflusst wird. Nur wer sich konsequent für das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger einsetzt, macht was gegen Wahlmüdigkeit, wird wiedergewählt und mittel- bis langfristig politisch überleben.
• Landes- und Bundespolitik setzen sich ein für aktiven Lärmschutz rund um Verkehrsflughäfen wie Frankfurt – aber auch Berlin - und sorgen für die rechtlichen Rahmenbedingungen, die es für dessen Einführung und Anwendung durch den Flughafenbetreiber und der Deutschen Flugsicherung zur Verhinderung von unzumutbaren Fluglärm braucht. Dabei sind Belohnungssysteme für leise und die Wohnbevölkerung schonende An- und Abflüge zu prüfen (Monitoring, Controlling).

Was wir jetzt sofort brauchen:
die Maßnahmen des aktiven Fluglärmschutzes zu Gunsten der Hochbelasteten müssen jetzt im vollem Umfang eingesetzt werden. Für Offenbach und seine mit betroffenen Nachbargemeinden heißt das: Nutzung des segmentierten Anfluges im Süden wie im Norden nachts – bis ein absolutes Nachtflugverbot greift - und tagsüber, spätestens mit Inbetriebnahme der neuen Landebahn im Oktober!

Leider haben in der Politik noch zu Wenige erkannt, dass Wahlen nur dann gewonnen werden, wenn erkennbar der Mensch im Zentrum des Handelns steht, unabhängig von der ideologischen Positionierung. Erfreulich dabei ist, dass jetzt auch die Evangelische und Katholische Kirche in Offenbach dazu positioniert und den aktiven Lärmschutz verlangen. In Wiesbaden und Berlin sitzen diejenigen, die über unser Schicksal entscheiden. Wir Offenbacher als extrem Betroffene können Vorreiter sein für die Region und zeigen, dass wir die besorgniserregende Entwicklung zu Lasten vieler tausend Menschen nicht hinnehmen wollen und aktive, deutlich entlastende Lärmschutzmaßahmen – mit und ohne Flughafenausbau - einfordern. Wer das auch so sieht ist herzlich eingeladen, auf Facebook unter „Offenbacher Erklärung Fluglärm“ seine Zustimmung deutlich zu machen. Wer kann, sollte sich auch am 17.9. an der überparteilichen Menschenkette in Offenbach für weniger Fluglärm beteiligen. Solidarität macht stark, lasst uns gemeinsam Zeichen setzen!


Waltraud Falkenberg, Lauterborn
Susanne Krasselt-Priemer, Rosenhöhe
Andreas Leonhardt, Bieber
Steffen Reuß, Tempelsee
Thomas Schreiber, Rumpenheim
Frank Weber, Buchhügel / Bieberer Berg
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