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The Happiness Code - oder: Never Look Back !?!

Ein Mosaik von Orpheus mit den wilden Tieren. Besonders schön: die Palme im Hintergrund. Sie gilt ja als "Baum der Seele". Oder ist das doch eher ein Eukalypthus? (Foto: Wikimedia Commons)
Offenbach am Main: LeS ArT c/o paula kuhn |

Hast du bei einem Werk den Anfang gut gemacht,
das Ende wird nicht minder glücklich sein
Sophokles


Liebe Leserinnen und Leser bei myheimat,

ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass uns im Alltag immer wieder Zitate von Denkern und Persönlichkeiten, Frauen wie Männern, begegnen, die über Jahrhunderte tradiert wurden? Dass sich Grundthemen des Menschseins und die Frage, wie wir leben und miteinander Gegenwart und Zukunft gestalten möchten, seit Jahrtausenden wiederholen ist eine Binsenweisheit, deren Gültigkeit nicht immer angenehm überrascht.

Zitate, die „im gepflegten Gespräch“, in der Werbung und in „guten Büchern“ mehr oder weniger im Original gebraucht werden, waren schon zu ihrer gedachten Geburtsstunde lebenserfahrene und wirkungsvolle Worte. Bekannte Aphorismen sind Aussagen, die den oft notwendigen Wandel von zu überholenden Werteorientierungen überlebt haben; um nicht zu sagen: Jahrhunderte durchwandert haben. Sie verkörpern so etwas wie Grundwahrheiten - seien es nun philosophische, religiöse oder mythische Erkenntnisse. Gleiches gilt für naturwissenschaftliche Tatsachen.

Trotz wortwörtlich umwälzender Erkenntnisse in den jeweiligen Wissensbereichen staunen wir über teils sogar Jahrtausende alte Gewissheiten sobald wir mit ihnen in Berührung geraten. Beim „Wiederhören“, „Lesen“ oder „Nachlesen“ wird dabei die Dimension der kulturellen Erb-Erinnerung geweckt. Kennen Sie das? Dass für Momente Zeit und Raum aufgehoben sind? Ein gleichermaßen Ausgeliefert-Und-Geborgen-Sein im Lauf der Zeiten? Diesen Brückenschlag auch historisch herzustellen ist das Vermögen weniger Worte, von denen wir wissen, dass sie seit Menschengedenken Bedeutung haben. Sie versichern der "richtigen Orientierung". Dass die oft auf Integrität und positive Lebensenergie abzielenden Bekräftigungen heute noch Bestand haben, macht Mut, berufliche wie private Herausforderungen jeden Tag aufs Neue anzunehmen. Das ist einer der unschätzbaren Werte von Worten, der unwiederbringliche Wert jeder Literatur, die sich von jeher unweigerlich auf die wirkungsvollsten Denkfiguren der Geschichte bezieht, und sich an ihnen - aus der jeweils heutigen Perspektive - wortwörtlich abarbeitet. Sinnvoller Weise. Manchmal in nur minimalistischer, aber grundlegender Abweichung und Wandlung; manchmal auch "extrem".

Worte wie die des antiken Lehrmeisters Sophokles schenken uns das, was moderne Lebensberater zu Recht auch "mentales Backup" nennen. „The Happiness Code“, z.B., rät einiges. Unter anderem dieses: „Be the best you can be“ und meint tatsächlich - ohne Anspruch auf ein perfektes Leben zu erheben oder anzustreben - „doppelt gut“ zu sein; also dass wir zu den "guten Guten" gehören, im Einklang mit unseren Werteorientierungen leben sollen. „Never look back!“ ist eine weitere, strenge Aufforderung der Autorin von "The Happiness Code", Domonique Bertolucci. (Domonique ist eine interessante Abwandlung von Dominique, wie ich finde). Ihr „There is no happiness without effort!“ warnt vor selbstzufriedener Gemütlichkeit.

Der festen Überzeugung, dass eine tragfähige Zukunft gegenwärtig nur gestaltbar ist, wenn die aus der Vergangenheit resultierenden Prämissen verstanden sind, war ich zunächst nicht einverstanden mit dem scheinbar glatten Lebensberater-Impetus „Never look back!“. Des Versprechens auf umfassendes Glück wegen habe ich dann aber angefangen, ein wenig darüber zu rätseln. Und bin beim Mythos gelandet! Das zunächst banal klingende „Never look back!“ entspricht dem orphischen Mythos des „Mit dem Wissen um die Vergangenheit und den gewonnenen Erkenntnissen - den Blick voraus gewandt - zurück in die Zukunft reisen sollen!“. Und das in der Gewissheit zu tun, dass – symbolisch verstanden – die Liebe uns folgt; so sie nicht schon gleichberechtigt den Weg mit uns gemeinsam beschreitet.

Eine nur scheinbar einfache Aufgabe; damals wie heute. Zur Erinnerung: „Never look back!“ ist eine Auflage, die Orpheus empfängt, bevor er mit Eurydike die Unterwelt verlassen darf. In der Recherche habe ich gefunden, dass der Urmythos Orpheus das Glück verheißt, zurückzukehren. In der gängigen Überlieferung erfüllt er seine Auflage nicht und verliert alles: seine Liebe und seine musische Begabung. Da Mythen nicht darauf aus sind individuelle Lebenshilfetipps zu geben, wäre es weiterführend reizvoll darüber nachzudenken, was die Figur des Orpheus entwicklungspsychologisch für Gesellschaft(en) und das Zusammenleben ihrer Gesellschafter bedeutet. Wer das interessant findet, sollte zuvor einen nachlesenden Blick in Siegmund Freuds kulturtheoretische Schriften werfen...

Bevor ich mein heute empfundenes Glück mit Ihnen teilen möchte, noch ein letzter Gedanke zum “Never look back!“. Meine Interpretation ist diese:

Wie glücklich können wir Menschen uns dieser zukunftsorientierten Sicherheit schätzen: dass Denken-Produzieren-Handeln in den jeweiligen gesellschaftlichen Aktionsfeldern eine kulturtechnische Grundprämisse ist, die schon allein auf Grund chronologischer Tatsachen in die Zukunft führt.Tatsächlich braucht jede Entwicklung "zum Guten und Glücklichen" die ihr eigene Zeit; das gesellschaftlich verhandelte Ziel bleibt zudem, wie wir aus der Vergangenheit wissen, immer nur ein Gewünschtes, Imaginäres. Zugleich sind wir als Einzelne auch diesem Dilemma ausgeliefert: Zeit ist ein so relativer Begriff. Als Mensch und als Menschheit leben wir am gegenwärtigen Puls einer letztlich unvorstellbaren Zeitdimension. Unfreiwillig integriert in eine nicht allein kalendarische Zeittaktung, u.a. auch unserer biologischen. Wie die Zeitrechnung - ein hilfreiches Konstrukt - ist unser persönliches Vermögen gefühlt zunächst unendlich erweiterbar; zugleich ist es mit übergroßer Gewissheit begrenzt. Tatsächlich können wir uns dem oben erläuterten Ziel „Zurück in die Zukunft“ nur im Bewusstsein unserer immer nur begrenzten, - geistig-emotionalen, atomar-energetischen oder materiell-technischen -, Ressourcen nähern. Auch dies gilt wiederum individuell wíe für unsere mittlerweile bewusst in der Globalisierung lebenden Gesellschaft.

Nun aber zum Teilen meines heutigen Glücks:

Nach 6 Tagen und 5 halben Nächten technischer Wartung und Pflege steht mein persönliches Arbeitsergebnis: die redaktionelle Grunderneuerung der Homepage des Vereins Lecture_Offenbach e.V. . An das „Be the best you can be“ darf ich also heute getrost einen Haken setzen; an das „There ist no happiness without effort“ ebenfalls. Was das „Never look back!“ betrifft: Nun ja ich gebe zu… Mit der unbedingten Entscheidung für das Glück bescheide ich mich heute mit der folgenden Interpretation: Dass mythische Helden, wenn wir ihre Figuren - im Scheitern wie im Erfolg - ernst nehmen, immer ein Anstrengung wert sind. Oder was meinen Sie? Schließlich soll Orpheus wirklich schön gesungen haben. Außerdem ist ja nicht gesichert, dass Lebensberater-Literatur immer Recht behält. Ab und an finde ich diese jedenfalls hilfreich, um alle guten Vorsätze auch wahrzumachen. Und noch haben wir ja Januar.

Im Sinne Sophokles wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, für alles, was Sie in diesem noch jungen Jahr bereits begonnen oder noch vor haben:

Glück und Erfolg !

Paula Kuhn


PS:
Wenn Sie nun neugierig geworden sind, was ich heute als „Glück und Erfolg“ verbuche, schauen Sie sich doch mein Arbeitsergebnis an:

www.lecture-offenbach.de .

PS PS
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