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Lyras Klage, Leseprobe, Kapitel "Der Traum"

63073 Offenbach - Bieber: Waltraud Meckel | Der Traum.
Lyra erwacht verwundert. Noch immer lief die CD mit der Peter Pan Musik, welche sie zum Einschlafen gewählt hatte. Sie wollte von den Schlaftabletten los kommen. Doch was ist das für eine seltsame Nacht. Was waren das für merkwürdige Träume? Ist eine Nacht ohne Schlaftabletten eine andere Nacht?
Lyra schaut auf die Uhr, es ist eine Stunde vor Mitternacht. Ein Auto rast viel zu schnell durch die stille Seitenstraße und Blech schabt quietschend auf Stein. Das Geräusch erzeugt bei ihr eine Gänsehaut und Unmut. Die Erhöhung auf der Straße wurde angebracht, um die Kinder in dem nahe gelegenen Kindergarten zu schützen. - Doch wer schützt meinen Schlaf?- Die Flugzeuge des nahe gelegenen Frankfurter Flughafens überfliegen in regelmäßigem Zeitabstand recht tief das Haus. Morgens um fünf Uhr schon fahren die Laster einer nahe gelegenen Spedition durch die enge Einbahnstraße, um an der Ampel eine bessere Möglichkeit zu haben, auf die Hauptstraße zu gelangen. Wie oft schon saß Lyra vor Schreck senkrecht im Bett, wenn der Fahrer mit Elan über den Hubbel fährt, und das lose Handwerkszeug auf seinem Anhänger scheppert.
Deshalb auch die Schlaftabletten. Lyra mag an sich keine Tabletten. Sie hasst Tabletten. Doch immer öfter griff sie aus Verzweiflung danach, um einmal eine ruhige Nacht zu haben. Eigentlich sollte es auch ohne klappen. Diese Nacht heute - sie war die erste Nacht ohne. -
„Sie fängt gut an“,- denkt Lyra. Jetzt schlägt die Kirchenuhr elf, eine Stunde ohne Tablet-ten wäre jetzt schon mal geschafft. Schon wieder ein Flugzeug tief über dem Haus. In der Nachbarschaft schlägt ein Hund an, - dann eine ungewohnte Stille, - und ihr Traum kehrte in die Erinnerung zurück.
Wo war ich überall?- Bei Vater?- Bei Mutter?- Beim verstorbenen Ehemann?- Sie sieht Großmutter Elisabeth deutlich vor sich. Alle Toten sind versammelt, sie nennt sie im Geist „Hüllenlose“. Alle sind sie da.- Lyra erkennt sie, trotzdem sie keine festen Körper haben. Sie sieht nur Cape ähnliche Schleier mit Kapuze, welche sich wie Quallen im Meer bewegen. Ein Kopf unter der Kapuze lässt sich nur erahnen.
Lyra ist sich nicht klar, ob sich alles im Jenseits abspielt, oder ob die Toten im Dies-seits sind. Das Gefühl sagt ihr, alles spiele sich weder hier noch dort ab, sondern auf einer Art Zwischenebene. Aufgrund des Traumes, welcher an ihr vorüber zieht, überläuft sie eine Gänsehaut.
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11 Kommentare
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 17.12.2012 | 19:43  
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Waltraud Meckel aus Offenbach | 19.12.2012 | 19:59  
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Gaby Floer aus Garbsen | 21.12.2012 | 09:07  
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Thorsten Floer aus Garbsen | 21.12.2012 | 11:08  
14.140
Rashia Narih aus Langenhagen | 21.12.2012 | 11:28  
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Waltraud Meckel aus Offenbach | 21.12.2012 | 11:50  
38.990
Eberhard Weber aus Laatzen | 21.12.2012 | 14:20  
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Elke Hantke aus Heidenau | 21.12.2012 | 15:42  
59.224
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 21.12.2012 | 23:26  
18.255
Fred Hampel aus Fronhausen | 23.12.2012 | 07:50  
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Waltraud Meckel aus Offenbach | 15.09.2014 | 02:24  
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