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Dinosaurierspuren im Obernkirchner Sandstein der Bückeberge

140 Millionen Jahre alt und immer noch gut erhalten.
 
45 Kilometer westlich von Hannover liegen die Bückeberge. (Foto: Fabian Wolter)
Obernkirchen: Obernkirchner Sandsteinbrüche | Wenn man von der norddeutschen Tiefebene her kommend auf die ersten etwas höheren Mittelgebirgszüge trifft, dann hat man den Deister oder die Bückeberge vorsich. Beide sind nicht weit von Hannover entfernt, und beide lohnen einen Ausflug. Doch die Bückeberge habe etwas ganz Besonderes zu bieten. Vor 140 Millionen Jahren in der Unteren Kreidezeit war diese Landschaft flach. Norddeutschland war von einem Meer bedeckt, und genau hier lief die Küstenlinie mit vorgelagerten Inseln entlang. Es herrschte ein warmes, tropisches Klima. Die Vegetation war üppig. Häufig kam es während dieser Periode zu extremen Stürmen. Diese drückten den Sand vom Meer her in die Mündung der Flüsse, in die Lagunen. Dadurch entstand im Laufe von Jahrmillionen ein ganz besonderer Sandstein. Feine, rundgeschliffene und dichtgepresste Körner. Beste Qualität. Und deswegen wird auf dem Kamm der Bückeberge seit etwa 1000 Jahren Sandstein abgebaut, der Obernkirchner Sandstein, benannt nach dem Ort an seinem westlichen Fuß. Da dieser Sandstein besonders hart und widerstandfähig ist, wurden und werden aus ihm Bauwerke auf der ganzen Welt errichtet. Vor gut 900 Jahren bereits der Mindener Dom. Doch ab dem 16. Jahrhundert Gebäude überall in Europa und sogar in Übersee. So zum Beispiel die Türme des Kölner Doms, das Ulmer Münster, Schlösser und Paläste in Amsterdam, Antwerpen, St. Petersburg und, man glaubt es kaum, das Weiße Haus in Washington. Aber auch so manche moderne Bank oder der Plenarsaal des Bundestages bestehen daraus. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit wurden die schweren Blöcke noch mit Ochsenkarren nach Minden oder Petershagen gebracht. Von da über die Weser nach Bremen, und dort wurden sie, je nach Zielort, weiterverschifft. Deswegen wurde der Stein früher auch Bremer Sandstein genannt.

Schon im 19. Jahrhundert wurden in diesem Gestein beim Abbau Eindrücke gefunden. Doch erst Ende des Jahrhunderts wurde erkannt, dass es sich dabei um die Spuren von Dinosauriern handelte. Und erst vor wenigen Jahren wurde auf der oberen Steinbruchsohle eine große Anzahl von Fährten entdeckt. Dieses einmalige Gebiet konnte - dem Steinbruchbesitzer sei Dank – erhalten werden und ist nun für Interessierte zugänglich. Über Stege kann man die fast ebene Fläche betreten und ist den Spuren der Iguanodonten, eine Pflanzenfresserart von 8 bis 10 Metern Länge, ganz nahe. Drei verschiedene Fährten von ganzen Familienverbänden konnten festgestellt werden. Sie müssen unsicher gewesen sein, erkennt man das doch an der kurzen Schrittlänge, die nur einen Meter betrug und an den leichten Schlangenlinien der Fährten. Vielleicht waren sie auf der Hut vor fleischfressenden Raptoren, denn auch solche Spuren wurden in den Bückebergen gefunden. Dort, wo damals der Schlamm der Lagune besonders weich war, sind die Abdrücke der drei Zehen jedes Fußes tiefer. Die Fährten gehen von Nord nach Süd und umgekehrt. Die Familien waren also vom Festland durch den Schlamm der Lagune zu den Inseln hinübergewandert, und auch zurück. Durch Algenbildung wurden die Spuren, die eine Weile trocken gelegen haben müssen, verfestigt. Später wurde Sand darüber gespült. So sind sie bis heute erhalten.
Es ist beeindruckend, diese Spuren von Iguanodonten zu betrachten, die auf der Erde gelebt haben, als an den Menschen noch lange, lange nicht zu denken war. Ob wohl auch wir einmal Spuren über solch lange Zeiträume hinterlassen werden? Und wird es dann jemanden geben, der sie ebenfalls betrachten wird?
Erreichen kann man den Sandsteinbruch über die A 2, Abfahrt Bad Eilsen. Von einem Parkplatz oben auf der Höhe im Wald darf noch etwa drei Kilometer gewandert werden. Einfach den Schildern mit den Erläuterungen zum Sandstein und den Dinosaurierzeichen nach. Links an der Zufahrt des Steinbruches vorbei, danach nach rechts halten. Oder mit dem Rad über Bad Nenndorf bis zu dem Dorf Kathrinhagen, ca. 50 Kilometer. Am Ortseingang die Straße "Auf der Eulenburg" hinauf, ca. 200 Höhenmeter bis zum Kamm. Dann auf der asphaltierten Straße nach rechts.

Siehe auch:Dinosaurierfährten in Münchehagen
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2 Kommentare
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Shima Mahi aus Langenhagen | 17.10.2011 | 23:33  
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Dieter Goldmann aus Seelze | 01.04.2012 | 12:54  
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