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Junge Solisten und berauschende Klangorgien - Kirchenkonzert der Stadtkapelle lockt zahlreiche Zuschauer

Brillante Trompetentöne: Michael Ferner (links) und Jonas Hillenmeyer
 
Sebastian Schwab als Solist bei "Schindlers Liste"
Sehr gut besucht war die St. Georgskirche beim diesjährigen Kirchenkonzert der Stadtkapelle Nördlingen. In ihrem Jubiläumsjahr hatten die 65 Musiker und ihr Dirigent Christoph Kessler wieder ein abwechslungsreiches und doch den Räumlichkeiten angemessenes Programm einstudiert, bei dem sich das Orchester in allen Klangfacetten zeigte, bei dem aber nicht zuletzt auch einige junge Musiker als hervorragende Solisten überzeugen konnten.

Zur Eröffnung erklang das getragene und zugleich hymnenhafte Stück „Choralia“ von Bert Appermont, mit dem die Kapelle bereits alle dynamischen Register zog.
Musik aus der Barockzeit – in Kirchen immer ein eindrucksvolles Klangerlebnis - folgte im Anschluss daran, und zwar das „Concerto für zwei Trompeten“ von Antonio Vivaldi. Als Solisten präsentierten sich Jonas Hillenmeyer und Michael Ferner im Wechselspiel auf ihren Piccolotrompeten mit strahlendem Ton und präzisen Übernahmen der Einsätze. Das Werk schien den beiden geradezu auf den Leib geschrieben zu sein und leitete über zum größten Programmpunkt des Abends:
Carl Orffs „Carmina Burana“ – eine Vertonung mittelalterlicher Liedertexte für großes Orchester, Chor und Gesangssolisten - gehört sicherlich zu den bekanntesten sinfonischen Werken des 20. Jahrhunderts. Acht Einzelstücke aus diesem opulenten Werk hatte sich die Stadtkapelle vorgenommen und bot auch ohne Gesang eine berauschende zwanzigminütige Klangorgie dar. Dabei steuerte sie zielsicher durch die zahlreichen Takt- und Rhythmuswechsel dieser für die Ausführenden wahrlich anspruchsvollen Musik.

In den Genuss eines für Blasorchester eher seltenen Soloinstruments kam das Publikum daraufhin mit der Aufführung der Titelmusik aus „Schindlers Liste“. Wie auch im Original übernahm eine Violine hier den Solopart. Als Solisten hatte die Stadtkapelle ein junges Talent aus dem Landkreis eingeladen: der 17-jährigen Donauwörther Sebastian Schwab sorgte nicht nur durch seine exzellente Interpretation der ergreifenden Filmmusik für Gänsehaut, sondern fügte sich mit seinem Instrument auch mühelos in den Klangkörper ein.
Eric Whitacre ist ein zeitgenössischer Komponist, der vor allem durch seine „virtuellen Chorwerke“ bekannt wurde. Seine meditative Vokalkomposition „Lux Aurumque“ stand anschließend als Bläserarrangement auf dem Programm und kam durch die spezielle Akustik der Kirche besonders zur Geltung. Den Musikern der Stadtkapelle gelang es hierbei durchaus, die unterschiedlich einsetzenden und immer wieder an- und abschwellenden Stimmen zu einem ausdrucksstarken Ganzen zu verflechten.

Als „traurigstes klassisches Musikstück, das je komponiert wurde“ wird das berühmte Adagio von Samuel Barber oft auf Beerdigungen gespielt und fand Eingang in zahlreiche Filme und Fernsehserien. Doch auch ohne traurigen Anlass ist es ein großartiges Stück Musik, das die Stadtkapelle nun zu Gehör brachte.
Mit dem eingängigen und melodischen „Gabriella’s Song“ aus dem schwedischen Spielfilm „Wie im Himmel“ kam dann noch eine weitere, junge Musikerin aus dem Orchester zu Solo-Ehren: Annika Häring entlockte ihrem Altsaxophon wunderbare Klänge und ließ vielleicht so manchen Konzertbesucher beim Zuhören die Augen schließen.
Doch auch mitreißender Gospelsound darf in der Kirche nicht fehlen, und so legte sich die Stadtkapelle zum Abschluss noch einmal ins Zeug und beendete ihren Konzertabend mit dem beschwingt-souligen „Gospel John“, der Kennern vor allem durch die Interpretation von Maynard Ferguson bekannt sein dürfte.

Für ein begeistert applaudierendes und von der schönen Musik sichtlich angetanes Publikum gab es drei Zugaben.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin nördlinger | Erschienen am 17.12.2010
1 Kommentar
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Tanja Wurster aus Augsburg | 29.10.2010 | 11:24  
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