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"Der Tod Jesu" Oratorium von Carl Heinrich Graun am Karfreitag, 29. März um 18 Uhr in der Nördlinger St. Georgskirche

Kantorei St. Georg 2012
 
Carl Heinrich Graun (Foto: wikipedia public domain)
Nördlingen: St. Georgskirche |

Am Karfreitag gibt es eine „Premiere“ in Nördlingen! Die Kantorei St. Georg führt unter der Leitung von Udo Knauer erstmals das Oratorium „Der Tod Jesu“ von Carl Heinrich Graun auf (1704-1759). Sie musiziert zusammen mit Sabine Seidl und Michaela Zeitz (Sopran), Matthias Heubusch (Tenor) und Dominic Große (Bass) und wird begleitet vom Oettinger Bachorchester mit Günter Simon als Konzertmeister. Karten für die rund 90 Minuten dauernde Aufführung gibt es bei der Tourist-Information Nördlingen (09081/84116) und ab 17 Uhr an der Abendkasse.

Renaissance des fast vergessenen Oratoriums

Was große geistliche Kompositionen betrifft, gilt die Epoche zwischen Barock und Klassik heute weitgehend als bedeutungslos. Ein Werk jedoch überragt die Kirchenmusik seiner Zeit und überbrückt damit die Lücke zwischen den Passionen Bachs und den Messen Mozarts. Im Jahr 1755, fünf Jahre nach Bachs Tod und ein Jahr vor Mozarts Geburt, entstand das Oratorium „Der Tod Jesu“ von Carl Heinrich Graun. Es sollte zum bedeutendsten geistlichen Chor-Orchesterwerk der damaligen Zeit werden und stellte bis weit ins 19. Jahrhundert hinein die meistaufgeführte Passionsmusik am Karfreitag in Berlin und anderen bedeutenden Städten Deutschlands dar.

Carl Heinrich Graun, geboren 1704, war ein herausragender Sänger aus der Schule des Dresdner Kreuzchores, der schon bald hohes Ansehen bei dem späteren deutschen Kaiser Friedrich dem Großen genoss. Der holte ihn 1740 als Kapellmeister nach Berlin, wo Graun 1759 als gefeierter Opernkomponist starb. Seine Opern sind heute in Vergessenheit geraten, sein Passionsoratorium „Der Tod Jesu“ allerdings hat überlebt und gilt musikhistorisch als Meilenstein der Epoche der „Empfindsamkeit“. Derzeit wird es allerorten wiederentdeckt und immer häufiger aufgeführt.

Musikalische Welt zwischen Bach und Mozart

Für Udo Knauer ist dies kein Wunder, denn an der hohen musikalischen Qualität der Komposition besteht nicht der geringste Zweifel: Graun beherrschte meisterhaft die barocken Kompositionstechniken seiner musikalischen Väter, was vor allem in den Chören und Rezitativen der Passion zum Tragen kommt. Doch lassen schon viele kühne Wendungen aufhorchen und die Arien weisen weit in Richtung Wiener Klassik. Man glaubt schon, Mozarts Stil zu hören, doch der war noch gar nicht geboren. Man geht heute davon aus, dass Mozart Grauns Passion gekannt hat und sich von den Arien für seine kirchenmusikalischen Kompositionen hat inspirieren lassen.

Die Texte aus der Feder des Librettisten Karl Wilhelm Ramler (1725-1798) sind für heutige Hörer eher gewöhnungsbedürftig, was im späten 19. Jahrhundert - neben dem Wandel des musikalischen Geschmacks - auch dazu beitrug, dass man Grauns großartige Komposition immer weniger beachtete. Die Musik allerdings ist kurzweilig und zupackend und vermag eine große Bandbreite an Emotionen zu vermitteln. Im Unterschied zu oratorischen Passionen der Bach-Zeit wird der Evangelientext in den Rezitativen nicht wörtlich zitiert sondern aus der Sicht eines betroffenen Beobachters erzählt und kommentiert. Diese Mischung aus erzählter Handlung und mitfühlendem Kommentar macht den besonderen Reiz der Rezitative aus, und die dort entstandenen Emotionen werden in den Chören, Arien und Chorälen noch einmal weitergeführt und überhöht.

Paraderollen für ein junges Solistenensemble

Das Solistenensemble wird angeführt von Sabine Seidl (Sopran I). Sie gefiel schon bei der Aufführung des „Messias“ im November 1012 in St. Georg mit ihrer tragfähigen aber luftig-lockeren Stimme, und scheint damit für die Graunschen Arien wie geschaffen. Als zweite Sopranistin steht ihr die aus Donauwörth stammende, jetzt im Großraum Nürnberg beheimatete Michaela Zeitz in nichts nach. Sie war bereits bei der Bachschen Johannespassion 2011 zu hören. Beide haben in Grauns Werk gemeinsam auch ein bezauberndes, in Abschnitten virtuoses Duett zu bewältigen. Auch der Tenor Matthias Heubusch ist in Nördlingen kein Unbekannter: Als Evangelist überzeugte er zuletzt ebenfalls bei der Johannespassion 2011. Neu im Ensemble ist der erst 25 Jahre junge Bariton Dominic Große, der zur Zeit noch ein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig absolviert, sich aber bereits ein umfangreiches Oratorienrepertoire erarbeitet hat und auch schon als Opernsolist u. a. in Leipzig und Gera tätig ist. Er springt für den verhinderten Bassisten Johannes Weinhuber ein.

großer Chor

Die hundertköpfige Kantorei und die vier Solisten werden begleitet vom Oettinger Bachorchester, das mit Günter Simon als Konzertmeister und engagierten und flexibel agierenden Musikerinnen und Musikern regelmäßig bei Konzerten in St. Georg mitwirkt.

Weitere Informationen: www.musik.sankt-georg-noerdlingen.de

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