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Bildungsreise als Musical

  Don Antello: „Ohne Bildung gehte nixe ...“



Dieser Herbst im Ries bescherte uns allen zwei theatralische Highlights: den Goethe-Film , seit Mitte Oktober im Kino, und das Musical „Prinz Owi lernt König“, das die Musicaltruppe Kronberg mit Riesenengagement, ansteckender Spielfreude und grandiosem Können (in Reimlingen) aufführte. Sie knüpfte damit thematisch an „Le Grand Tour“, die Bildungsreise an, die besonders in der Goethezeit den jungen Männern aus gutem Hause für geboten galt, um Land, Leute, Sprachen und Lebensgewohnheiten in anderen Teilen der Welt kennenzulernen und so einfach ihren Horizont zu erweitern .Auf pfiffige Weise wird uns der Versuch mit Prinz Owi vorgeführt, der für seine bevorstehende Regentschaft als Monarch – oh, wie weise von der Mutter Königin gedacht! – eben doch noch ein Quentchen Bildung verkraften könnte, und die aus seinem Gang durch die Welt einen tour d`horizont für den gesamten Hofstaat zu machen gedenkt, der auch dem aufmerksam beobachtenden Zuschauer in einem großartigen Spektakel akustischer und optischer Sinneseindrücke selbst entlegene Teile der Welt präsentiert und damit eine Kulturlandschaft zaubert, die Italien, den Orient, sogar versehen mit einer Leihgabe von Karl May, die mit ihrem listig-verschmitzten Blick an den unvergessenen Ralf Wolter erinnert, und das Reich der Mitte zusammenbindet.

Prinz Owi, eigentlich Prinz Ottokar-Wilhelm, ist dem Zauber des Weihnachtsfestes verfallen und will es jeden Monat feiern. Dabei rieseln der Tanne Sir Douglas schon die Nadeln unter den Kerzen weg und Mama Königin gehen die Geschenkideen aus. Deshalb muss sich etwas ändern: Prinz Owi soll endlich König lernen! Aber wie? „Reisen bildet!“, denkt man sich und lädt Dr. Meyer von „Dr. Meyers Bildungsreisen“ mit seinem lebendigen Vorführkatalog ein. Die Wahl fällt auf den „Bauchtanzkurs im Reich vom Scheich“, für den keine Vorbildung vonnöten ist. Im fernen Arabien sorgen allerdings eine hübsche Bauchtänzerin, ein komischer, aber doch selbstbewusster Paradiesvogel und ein vorwitziges Sternschnüppchen für allerlei Turbulenzen.
Dieses Musical besticht ebenso durch seine auch, aber nicht nur sehr schrägen Figuren, die alle, ohne Ausnahmen, auch die jüngsten als Sänger unglaubliches leisteten :
die treue und pflichtbewusste Sir Douglas-Tanne mit ihrem autobiographischen Song Burn out (Mein Stammbaum ist von Adel) ebenso, wie die Statuen im Schlossgarten mit "Guckst du, Alter", oder der Hofschreiber mit "Den Hof hab ich im Griff (Wir haben 99 Dosen) und "Feuer" (Mein Temperament ist legendär), oder das Gestalt gewordene italienische Temperament in Don Antello, der in "Mama mia" rigoros "italienisch" mit dem dolce vita am Hofe abrechnet.
Eigens hingewiesen werden muss aber auf die Mama Königin, die stimmlich brillierte und in einem wunderschönen Lied "Doch ganz egal" Wohl und Wehe der Mutterliebe (Ich hab ihm stets nachgegeben) und ihre zeitweilige Rat- und Hilflosigkeit ihrem Spross gegenüber einfach eingesteht. Das andere Energiebündel voller Selbstbewusstsein auf der Bühne, der Paradiesvogel ("Ich bin der Beautifulste!"), bleibt schon wegen der Farbenpracht seines Federkleides als Lichtgestalt im Gedächtnis. Nicht vergessen werden dürfen das Irrlicht ("Der Wind zaust zärtlich an meinem Gewand"), und die Besucher aus dem fernen Asien, Doktel Wong und Mai Ling und die Knaben mit dem Drachen, und natürlich auch nicht die Sternschnuppen (Bin ein Schnüppchen ...aus dem Grüppchen).
Und das breite musikalische Spektrum reist mit durch die Welt und verleiht der eher unkonventionellen Geschichte den schmissigen Rahmen:
„Das kleine Glück kommt jeden Tag. Halt es mit beiden Händen fest und bring‘s nach Haus" heißt es im Finale und liefert dem Zuschauer den positiven Ausblick auf seinen Alltag, den er nicht verlieren soll.
In jeder Phase des Stückes hat man das konstruktive Zusammenarbeiten der Teilnehmer auf und hinter der Bühne überdeutlich wahrgenommen, so dass schließlich ein lebendiges und dabei sehr unterhaltsames Zusammenspiel von Schauspielkunst und Gesang entstand, von dem man sich wünschen möchte, dass es noch häufig wiederholt werde und die äußerst glückliche Kooperation von Timo Meisters Regie und Ingrid Kronberg-Göhlers musikalischer Gesamtleitung ein wertschätzendes Publikum durch weitere Musicals auf der Bühne noch weiterhin und häufig erbaut.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin nördlinger | Erschienen am 03.12.2010
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