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Unternehmerforum „Elektromobilität - Automobil der Zukunft“ mit Michael Dick, Vorstand Technische Entwicklung der Audi AG

    Michael Dick, Vorstand Technische Entwicklung bei der Audi AG, ist vom sportlichen Automobil und dessen zunehmender Elektrifizierung begeistert. Mechatronik ist für ihn eine unverzichtbare Schlüsseldisziplin im modernen Automobilbau. Die Zukunft gehört über kurz oder lang auch bei Audi den ersten Elektroautos.
Unternehmerforen am Technologie Centrum Westbayern (TCW) dienen dem Erfahrungsaustausch und Kennenlernen vorbildlicher Unternehmer und Führungspersönlichkeiten. Und alle 80 Gäste waren sich einig: Michael Dick, seit 2007 Vorstand Technische Entwicklung bei der Audi AG, vermag zu begeistern.
Noch etwas müde von einem intensiven Wochenende, berichtete er eingangs über den Nervenkrieg, den er und sein Team beim 24-Stunden Rennen von Le Mans erlebten. „Dieser Rennklassiker ist eine echte Herausforderung! Man fährt weitaus mehr Kilometer und belastet die Rennautos erheblich mehr als in der Formel 1“, erklärte Michael Dick. Der Rennsport diene vor allem Zuverlässigkeitstests. Dass das Rennen für Audi mit dem Dreifach-Sieg über den stärksten Kontrahenten Peugeot zu einem Erfolg wurde, sei eine Meisterleistung von Fahrern, Team und Rennstrategen. „Nur mit einem 0-Fehler Programm kann man hier bestehen“, so Dick. „Wir waren weniger und nur zum Tanken in den Boxen, hatten keine größeren Ausfälle und haben in einem unglaublichen Nervenkrieg die Oberhand behalten.“ Dass zum Schluss auch Freudentränen flossen, kann man nachvollziehen, wenn man Michael Dicks Erzählung zuhört. Mit 5.481 km Gesamtfahrleistung hat das Gewinnerfahrzeug einen seit 1971 bestehenden, von Porsche aufgestellten Fahrleistungsrekord in Le Mans gebrochen. „Nächstes Jahr werden wir vermutlich erstmals Hybridantriebe in ein Rennen schicken“, schlug Michael Dick gekonnt den Bogen zum eigentlichen Thema des Abends.
„Vorsprung ist der Mut, neues Denken umzusetzen“ - diese Unternehmensphilosophie und Leidenschaft hat Audi zu einem der weltweit führenden Automobilhersteller gemacht. Diese Begeisterung für moderne Technik beherrscht das Denken und Arbeiten in Ingolstadt. Was es heißt, neue Autos zu entwickeln, wurde mit einem imposanten Kurzfilm dargelegt.
Die Zukunft des Autos wird mehr und mehr mechatronisch und vor allem durch elektrische Komponenten bestimmt, da ist sich Michael Dick ganz sicher: „Heute schon trägt nahezu jedes Fahrzeugteil mindestens einen Kabelanschluss. Die Beherrschung der Mechatronik ist zur Grundvoraussetzung unserer Arbeit geworden.“
Vor allem Mechatronikern der Technikerschule rät Dick, sich in Richtung der neuen Antriebstechnologie zu orientieren: „Nicht nur der Antrieb ist mit Elektronik verbunden, eigentlich hängt an jedem Bauteil ein Kabel. Normale Mechaniker kann man in Zukunft nicht mehr an die Autos lassen.“ 600 Mitarbeiter des Entwicklungsbereichs bei Audi wurden extra weiter-qualifiziert. „Ich hätte nie gedacht, dass ich noch selbst einmal ein Elektroauto entwickeln würde und musste mich in ganz neue Themenfelder einarbeiten“, gestand Dick. Und das mache er mit Leidenschaft, denn ohne lebenslanges Lernen gehe es nicht.
Auf dem Weg zum Elektroauto sind eine Menge Herausforderungen zu lösen. Die heutige Lithium Ionen Batterien wiegen noch etwa 400 kg, sind nach 4 Jahren Laufzeit erschöpft und verteuern den Preis eines Serienfahrzeugs aktuell noch um das ca. 2,5-fache. „So ein Auto lässt sich weder betriebswirtschaftlich sinnvoll in Serie bauen, noch ist es am Markt verkaufbar“, so Michael Dick. Damit werde klar, dass Autobauer in Zusammenarbeit mit Hochschuleinrichtungen und Lieferanten eine Menge Entwicklungsarbeit vor sich haben. Zunächst müsse man das Fahrzeuggewicht dringend reduzieren. Audi setze auf Leichtbautechnologien. Darüber hinaus würden auch einige Komponenten bei einem Elektroauto überflüssig, zum Beispiel Getriebekomponenten und für Verbrennungsmotoren nötige Einspritz- und Ventilsysteme. „Das Elektroauto hat einen völlig veränderten Antriebsstrang und muss auch auf andere Weise gebaut werden“, startete Dick die Detaildiskussion. Allein das Energiespeichervermögen sei dramatisch zu verbessern. Das Energiemanagement, der Umgang mit hohen Strömen und Spannungen, die Elektromotorentechnologie und vieles mehr erfor-dern ein radikales Umdenken in der Entwicklung, aber auch in Berufs-, Techniker- und Hochschulausbildung. Dick beschreibt die Techniker der Zukunft: „Kommunikations- und Vernetzungsfähigkeit sind unerlässlich, aber auch gesunder Menschenverstand, der über den technischen Bereich hinaus geht. Der Techniker von morgen braucht viel Gespür. Außerdem muss er flexibel sein und bereit, ein Leben lang zu lernen.“
Weitere Fragen stellen sich bei der Materialauswahl und Modellgestaltung (CFK Teile sind im Kommen), in der Automobilproduktion (neue Fertigungsprozesse und Roboter), in der Auslegung der Antriebskomponenten und der Automobilelektronik. Dahinter verbergen sich interessante Innovationsfelder und Zukunftsthemen, die nicht nur Automobilhersteller interessieren, sondern auch für Zulieferfirmen Zukunftspotentiale darstellen! Audi habe eigens Entwicklungskompetenzen ausgelagert und in einem Projekthaus E-Performance gebündelt. „In der engen Zusammenarbeit mit Zulieferfirmen entstand ein beachtliches neues Moment.“
Audi sieht sich auf dem Weg ins Elektrozeitalter auf gutem Weg. „Wir sind vielleicht nicht die Ersten, die ein Elektroauto an den Markt bringen, aber wir werden ein zuverlässiges und all-tagstaugliches Auto bauen und dabei keine Abstriche machen“, so Dick. Die Marktchancen der Elektroautos sieht er positiv. Immerhin sind 40% aller Autos nur auf Kurzstrecken unter-wegs. An ca. 80% aller Tage sind die Deutschen weniger als 40 km mit dem Auto unterwegs. Mit einer Elektrifizierungsroadmap ist heute schon für die Entwicklung eine Marschroute skizziert, wie mehr und mehr Elektrokomponenten integriert werden. „Wir werden noch lange Zeit nur mit Verbrennungsmotoren oder einer Kombination von elektrischer und verbrennungstechnischer Antriebstechnologie in den so genannten Hybridfahrzeugen nennenswerte Strecken zurücklegen können“, schätzt Michael Dick die weitere Entwicklung ein. Langfristig rechnet er auch mit der Brennstoffzellentechnologie. Das auf dem Weg zur Elektromobilität noch eine Menge anderer Herausforderungen zu knacken sei, erwähnte Michael Dick am Rande: „Wie soll in der Stadt zum Beispiel ein Mieter im 4. Stock seine Batterie aufladen?“ Die Schaffung der entsprechenden Infrastrukturvoraussetzungen sei machbar, man müsse aber schnell zu nötigen Standards kommen. Michael Dick unterstützt dies persönlich im Auftrag der Bundesregierung als Arbeitskreisvorsitzender für Normung und Standardisierung in dem von Kanzlerin Angela Merkel kürzlich begründeten Expertenkreis „Elektromobilität“.
Im Anschluss an den Vortrag ergab sich eine interessante Diskussion über weitere Teilas-pekte der Elektromobilität. Parallel waren neueste Audi Fahrzeuge im Rahmenprogramm zu sehen, die unter anderem vom lokalen Veranstaltungspartner, dem Autohaus König, ausgestellt wurden. Weitere Informationen unter www.tcw-donau-ries.de oder www.audi.de.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Stadtmagazin germeringer | Erschienen am 12.07.2010
Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Stadtmagazin Pfaffenhofen | Erschienen am 12.07.2010
myheimat-Stadtmagazin nördlinger | Erschienen am 17.12.2010
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