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Neustadt und Wunstorf: Ambulante Pflegeangebote und Beratung Angehöriger noch ausbaufähig

Gute Beratung von Angehörigen und Pflegebedürftigen ist der Schlüssel, zu allen aktuellen Leistungen der Pflegeversicherung zu kommen. Foto: BVMed/UL
 
Der Pflegestützpunkt Unteres Leinetal im Wunstorfer Ärztehaus Medicum berät pflegende Angehörige, könnte aber für Berufstätige noch bessere Öffnungszeiten in den frühen Abendstunden bieten. Foto: Region/UL
Neustadt am Rübenberge: Ratskeller | Insbesondere in Neustadt, aber auch in Wunstorf gibt es trotz eines ausreichenden Angebots an ambulanten Pflegediensten und Heimen noch Nachholbedarf bei der Versorgung von Pflegebedürftigen und der Beratung von Angehörigen. Das machte der Branchenexperte Uwe Lötzerich jetzt vor vielen Interessierten und Neustädter Grünen deutlich.

Gute Beratung sei für Angehörige und Pflegebedürftige das Entscheidende, um alle aktuellen Pflegeleistungen auch nutzen zu können. „Bei der Pflegeberatung für Neustädter, Wunstorfer, Garbsener und Seelzer sehe ich noch Nachholbedarf“, sagte der langjährige Redakteur von Beratungsportalen und Pflegemedien. Zwar biete der Wunstorfer Stützpunkt, den die Region und Pflegekassen finanzieren, eine freundliche und kompetente Beratung. Doch seine Öffnungszeiten nur vormittags und fünf Stunden an zwei Nachmittagen seien für berufstätige Angehörige nicht ideal, die oft nur in den frühen Abendstunden Zeit hätten. Der Branchenkenner und Neustädter Grüne: „Das könnten die Region Hannover und ihre Sozialpolitiker noch verbessern.“

Mehr Pflegestützpunkte zur Beratung nötig

Der Wunstorfer Pflegestützpunkt Unteres Leinetal für die vier Städte Neustadt, Wunstorf, Garbsen und Seelze mit insgesamt 180.000 Einwohnern reicht nach Ansicht des Fachmanns nicht aus. Ratsuchende in der Landeshauptstadt Hannover würde da besser versorgt, denn dort beantworten zwei Stützpunkte sowie jeweils zwei Außenstellen ihre Fragen. Dort betreut jede Beratungsstelle nur Stadtgebiete mit ca. 88.000 Bewohnern.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern habe Niedersachsen noch erheblichen Nachholbedarf: "In Rheinland-Pfalz, einem Musterland bei der Beratung von Angehörigen und Hilfsbedürftigen, steht ein Pflegestützpunkt Regionen mit lediglich 37.000 Einwohnern mit Rat und Tat zur Seite. In Niedersachsen ist ein Stützpunkt Anlaufstelle für Ratsuchende in Regionen mit im Schnitt 190.000 Bewohnern."

Da die meisten Menschen im Pflegefall so lange wie möglich in ihrem Zuhause und in ihrer gewohnten Umgebung versorgt werden möchten, sei eine gute ambulante Versorgung vor Ort das Wichtigste. Aufgrund der jüngsten Pflegereformen erhalten sie für ambulante Pflege und z. B. für Tagespflege mehr Geld als für die Pflege in Heimen. Vor allem Demenzkranken verhalfen diese Reformen zu allen Pflegeleistungen, die ihnen lange verwehrt waren.

Was gibt es vor Ort schon?

Wie in vielen ländlichen Regionen fehlt es laut dem Fachmann vor allem in Neustadt, aber auch in Wunstorf an ambulant betreuten Wohngruppen für Pflegebedürftige und Demenzkranke, an Tagespflegen zur professionellen Pflege zu Hause lebender Hilfsbedürftiger und an Betreuungsdiensten:

• Eine kleine ambulant betreute WG in Neustadt-Mandelsloh und künftig drei in Wunstorf gibt es.

• Künftig zwei Tagespflegen bestehen in Neustadt, vier bereits in Wunstorf.

• Nur zwei reine Betreuungsdienste in Neustadt gibt es für Pflegebedürftige in Neustadt, Wunstorf und Garbsen Deren geschulte ehrenamtliche Alltagsbegleiter betreuen Hilfsbedürftige zu Hause, um Angehörige stundenweise zu entlasten.

• Genügend ambulante Pflegedienste von freigemeinnützigen und privaten Trägern gibt es in Neustadt, Wunstorf, Garbsen und Seelze. Neben professioneller häuslicher Pflege bieten sie oft auch Betreuung an, aber teurer als reine Betreuungsdienste, dafür häufiger mit mehr Fachpersonal.

• Alten- und Pflegeheime bestehen in Neustadt, Wunstorf und Garbsen genügend. In der gesamten Region Hannover besteht laut einer aktuellen Erhebung von Sozialdezernent Erwin Jordan bereits ein Überangebot an Heimen.

• Betreute Wohneinrichtungen für noch weitgehend selbstständige Ältere, die später bei Bedarf ambulante Pflege erhalten, entstanden vielerorts. In einigen Ortsteilen Neustadts und Wunstorfs entstehen derzeit weitere moderne barrierefreie Wohnanlagen für das Leben im Alter.

Vorteile kleiner Pflege-Wohngruppen

„Kleine barrierefreie, ambulant betreute Wohngruppen für wenige Bewohner wählen Pflegebedürftige vielerorts gern, weil sie diese als persönlicher empfinden als große Seniorenheime und das Personal oft mehr Zeit für sie hat," berichtete Lötzerich.

Viele Zuschüsse der Pflegeversicherung erleichtern es Investoren, neue ambulant betreute Pflege-Wohngruppen oder WGs aufzubauen. Außerdem unterstützt Niedersachsens Sozialministerium den Ausbau der ambulanten Pflege im ländlichen Raum z. B. durch neue Pflege-Wohngruppen und Beratungsangebote noch bis 2020 mit seinem Förderprogramm „Wohnen und Pflege im Alter“ mit jährlich einer Million Euro.
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2 Kommentare
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Helmut Metzner aus Wunstorf | 25.06.2017 | 22:52  
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Uwe Lötzerich aus Neustadt am Rübenberge | 26.06.2017 | 07:44  
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