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Eine Wandergesellin hat viel zu erzählen

Die Wandergesellin Annika Perlmann mit Stenz und Charlie
Vier Jahre und ein Tag – Wandergesellin auf der Walz

Die stellvertretende Vorsitzende Johanna Ritter konnte über 80 Zuhörer zu einem nicht alltäglichen Vortrag begrüßen. Die Wandergesellin Annika Perlmann, ein kleines Persönchen von 1,61m, berichtete vor den Landfrauenvereinen Neustadt und Schneeren, über ihre Wanderzeit vom 11.09.2004 bis 13.09.2008, exakt 4 Jahre und ein Tag. Sie hat in dieser Zeit viele Länder Westeuropas, Kanada und Alaska, USA, Neuseeland und Australien erwandert. Also, sie hat fast die ganze Welt gesehen und war an den Menschen viel näher dran, als das man es je mit einer Studienreise sein kann.
Zunächst erklärte sie, das ihre Berufsbezeichnung Zimmerin ist, nicht zu verwechseln mit der Zimmerfrau oder dem Zimmermädchen. Als sie sich entschloss zu wandern, war ihr klar, sie darf sich während der gesamten Wanderzeit ihrem Heimatort nicht weniger als 50 km nähern. Ihre Kluft kostete sie 1.000,--€ und wurde während der gesamten 4 Jahre tagtäglich und zu jedem Anlass getragen. Eigentlich nicht zu viel, wenn wir mal ehrlich sind, was wir Frauen in 4 Jahren für Kleidung einschließlich Schuhe ausgeben.
Die Teilnehmer lernten viele spezielle Ausdrücke und Begriffe, auch Sprichwörter, aus der Wanderzunft kennen. Diese hat im Mittelalter ihren Ursprung und war Pflicht. Während des 3. Reiches und in der DDR war es ganz verboten. Erst in den 80-igern durften auch Frauen auf Wanderschaft gehen. Im Jahr 2005 waren von 600 bis 800 Wandergesellen 10% weiblich. Im Jahr 2010 waren es nur noch 450 Wandergesellen. Will doch in der heutigen Zeit kaum ein junger Mensch auf die Annehmlichkeiten unserer Zivilisation verzichten. Wandersleut‘ dürfen nämlich keinen Besitz haben, wozu auch ein Auto, ein Handy usw. gehört.
Der Ausspruch „Das ist ein Schlitzohr“ stammt von den Wandergesellen. Diese tragen einen Zunft spezifischen Ohrring. Hat einer die Zeche geprellt oder wurde bei anderen Verboten erwischt, riss man ihm den Ohrring aus dem Ohrläppchen und er hatte einen Schlitz im Ohr. Annika Perlmann berichtete wie sie ihren Ohrring erhielt.Den Wandergesellen, egal b weiblich oder männlich wird der Ohrring im wahrsten Sinne des Wortes genagelt. Man schlägt einen Nagel mit einem Hammer in das Ohr. Ohr und Hammer werden mit Schnaps desinfiziert. Das „Opfer“ von innen und außen! So gab es noch viele weitere Sprichwörter und interessante Episoden von der Referentin.
Nach einer kleinen Kaffeepause erfuhren die Teilnehmer noch was ein Charlie, ein Stenz usw. ist und woher der Begriff „an die Wand nageln“ bedeutet. Wenn ein Wandergeselle seine „Walz“ unehrenhaft beendet, wird die Kluft mit ganz vielen Nägeln an die Wand genagelt.
Zum Abschluß zeigte Annika Perlmann noch einige interessante Bilder. Elke Nuttelmann bedankte sich bei unserer Wandergesellin für den besonderen, interessanten und witzigen Vortrag. So etwas wird einem nicht alle Tage geboten.
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2 Kommentare
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Waltraud Scharnhorst aus Neustadt am Rübenberge | 24.02.2013 | 17:08  
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Rosi Höfer aus Neustadt am Rübenberge | 24.02.2013 | 19:40  
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